So sieht die Online-Karte aus. Foto:  

Bei unserer Mitmachaktion haben wir fast 300 Rückmeldungen bekommen. Als häufigste Gefahr wurde überhöhte Geschwindigkeit genannt.

„Oftmals sind die Fahrzeuge zu schnell und fahren ohne Rücksicht auf Fußgänger“ – „Kinder laufen über die Straße, da ein Übergang fehlt“ – „Durch parkende Autos ist die Sicht eingeschränkt“: Das sind nur drei von fast 300 Rückmeldungen, die wir im Rahmen unseres Projekts „Achtung, Schulweg!“ seit Ende Juli bekommen haben.

 

Wir hatten dazu aufgerufen, Gefahrenstellen auf dem Schulweg zu melden – und der Rücklauf war enorm. Im September und Oktober haben wir in einigen ausgewählten Kommunen die Rathäuser mit der Kritik konfrontiert. Leider lassen sich nicht alle Probleme kurzerhand lösen.

Ein Camper soll ins Gebet genommen werden

Allein zu Gefahrenstellen in Böblingen sind rund 100 Meldungen eingegangen, insbesondere aus dem Umfeld der Eichendorffschule (34). Doch vor Ort ist die Lage komplex – es liegen hier kaum eindeutige Problemstellen vor, sondern ganz verschiedene Situationen werden als gefährlich eingeschätzt. Viele Handlungsmöglichkeiten sieht die Stadt nicht: „Wir haben eigentlich alles gemacht, was möglich ist“, sagte Ordnungsamtsleiterin Gisa Gaietto. Dass in der Tempo-30-Zone zu schnell gefahren würde, konnte die Stadt bei Kontrollen nicht belegen. Immerhin will Gaietto mit einem Camper das Gespräch suchen, der dauerparkend die Sicht an einer Kreuzung behindert.

Elterntaxis oft genanntes Problem

An der Böblinger Justinus-Kerner-Schule zeigte sich exemplarisch der Konflikt um Elterntaxis. Wenn Mütter und Väter ihren Nachwuchs mit dem Auto zur Schule bringen oder abholen, kommt es im Einfahrtsbereich kurzzeitig zu Verkehrschaos und gefährlichen Situationen. Sind extra Parkplätze sinnvoll oder das falsche Signal? Hat man Verständnis, wenn die Kinder von weiter weg kommen? Letztlich bleibt nur der Appell an die Eltern, unnötige Fahrten zu unterlassen.

An der Freien evangelischen Schule (FES) in Böblingen hat sich diesbezüglich eine gute Lösung ergeben. Der benachbarte Aldi-Markt bietet den Eltern an, zu Bring- und Holzeiten den Discounter-Parkplatz zu nutzen – auch wenn da sicher der Hintergedanke mitschwingt, dass manche ihren Wocheneinkauf anhängen. Nichtsdestotrotz gibt es auch von der FES, die an der Tübinger Straße und damit an einer viel befahrenen Strecke liegt, etliche Kritik an der Verkehrssicherheit rund um die Einrichtung.

Ein Smiley als Mahner

Auch in Hildrizhausen, Ehningen, Schönaich, Sindelfingen und Altdorf haben wir uns die Situation vor Ort angeschaut. Mal erwiesen sich die Gemeinden als sehr aufgeschlossen für die Berichterstattung, mal als zurückhaltend.. In Hildrizhausen will man überlegen, einen Zebrastreifen, der laut Elternkritik schlecht zu sehen sei, mit zusätzlichen Blinklichtern auszustatten.

Auch in Sindelfingen kündigt die Stadt Maßnahmen an. Man wolle an der Goldbergschule ein Halteverbot vor dem Gebäude und einen zusätzlichen Fußgängerüberweg in der Nähe einrichten, hieß es aus dem Rathaus. Und an der Grundschule Darmsheim soll eine Geschwindigkeitsanzeigetafel mit einem „Smiley“ angebracht werden – damit die Autofahrer stärker auf ihr Tempo achten.

Dass sich die meisten Städte und Gemeinden mit der Sicherheit auf den Schulwegen längst befasst haben, zeigt, dass es in der Regel einen Schulwegplan gibt. Für die acht Grundschulen in Böblingen zum Beispiel stehen entsprechende Karten auf der städtischen Homepage zur Ansicht bereit, die je Stadtbezirk sichere Wege empfehlen. Diese Pläne sind zumeist in Zusammenarbeit mit den Schulen und der Polizei entstanden und werden in einigen Gemeinden auch zu Beginn des Schuljahres verteilt.

Ein Zebrastreifen ist nicht so einfach

Wir konnten allerdings nur an einigen ausgewählten Schulen und Orten die Rückmeldungen für eine ausführliche Berichterstattung aufgreifen. Sehr viel Kritik an der aktuellen Situation gab es zum Beispiel auch aus Magstadt. Fehlende Fußgängerüberwege, zu schnelle Autos, zugeparkte Kreuzungen, viele Baustellen – hier könnte sich die Gemeinde die zahlreichen Kommentare genau anschauen und Verbesserungsmöglichkeiten ermitteln. Ähnliche Rückmeldungen gibt es auch aus Dagersheim, Renningen oder Leonberg.

Dass sich manche Elternwünsche aber aus verkehrsrechtlichen Gründen nicht einfach umsetzen lassen, zeigt das Beispiel Zebrastreifen. Denn hier gibt es klare Vorgaben, wann ein solcher Fußgängerüberweg überhaupt eingerichtet werden darf – insbesondere in einer Tempo-30-Zone. Nicht selten sind den kommunalen Verkehrsbehörden also die Hände gebunden.

Alle Infos auf der Projekt-Website

Das Projekt „Achtung, Schulweg!“ haben Böblinger Kreiszeitung und Stuttgarter Zeitung gemeinsam mit dem Recherche-Netzwerk „Correctiv“ durchgeführt. Mithilfe eines Online-Umfrage-Tools konnten die Nutzer Gefahrenstellen melden. Ähnliche Projekte soll es auch in Zukunft geben – denn die Bürgerinnen und Bürger wissen am besten, wo vor Ort der Schuh drückt.

Auf der zugehörigen Website sind alle Artikel einsehbar, zudem lassen sich über die Online-Karte die angegebenen Gefahrenstellen weiterhin studieren. Außerdem steht eine Datei mit allen einzelnen Rückmeldungen (bereinigt um persönliche Daten) zur Verfügung – auch für Kommunalpolitiker sicher eine lohnenswerte Quelle.

Mehr Infos unter : www.krzbb.de/schulweg