Protest gegen Wohnungsnot in Stuttgart. Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone

Wenn ein Gut knapp ist, werden Geschäftemacher fündig – das gilt auch für Wohnungen. Wirklich helfen kann nur eine Maßnahme.

Stuttgart - Ein Mann schließt einen Mietvertrag ab. Doch er hat nie vor, selbst einzuziehen, wohnt sogar in einem anderen Bundesland. Er sucht sich einen Untermieter. Der lebt seinerseits 200 Kilometer entfernt – und reicht die Wohnung nochmals weiter. Die Unter-Untermieter zahlen schließlich knapp 300 Euro mehr im Monat, als die Räume eigentlich kosten. Und werden bei der Übernahme von wertlosem Mobiliar gleich noch mal über den Tisch gezogen. Immer unter dem Druck, auf die Wohnung dringend angewiesen zu sein.

 

Ein Märchen? Keineswegs. Und auch kein Einzelfall, berichten Immobilienexperten. Dieses Modell funktioniert dort, wo in großen Wohneinheiten Vermieter als auch Nachbarn nicht so genau wissen, wer da eigentlich mit wem welchen Vertrag abgeschlossen hat und tatsächlich in den Räumen wohnt. Und es klappt nur dort, wo Wohnraum so heiß begehrt ist, dass sich gleich mehrere Beteiligte mit ihrer Abzocke bereichern können. Solche Maschen sind eine Blüte des Mangels.

Es wäre deshalb richtig, eine juristische Handhabe für solche Fälle zu finden. Viel wichtiger noch aber wäre etwas anderes: endlich genug bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Nur das würde Abzockern ihre Geschäfte vermiesen. Doch von diesem Ziel ist nicht nur Stuttgart noch meilenweit entfernt.

juergen.bock@stuttgarter-nachrichten.de