Marc Kempf gerät beim VfB Stuttgart ins Abseits und könnte schon bald zu Hertha BSC wechseln. Doch der Fußball-Bundesligist will den Verteidiger nicht einfach ziehen lassen.
Stuttgart - Marc Kempf schweigt. Zumindest, wenn es um seine sportliche Zukunft geht. Seit Monaten umgeht der Abwehrspieler des VfB Stuttgart die Frage, wohin es ihn ziehen wird. Er will die Spekulationen um seine Person nicht befeuern. Denn dass Kempf den Fußball-Bundesligisten verlässt, ist klar. Spätestens im Sommer, wenn der Vertrag ausläuft. Womöglich aber wechselt der 26-Jährige bereits in dieser Wintertransferzeit (bis 31. Januar) noch zu Hertha BSC.
Die Berliner gelten schon seit Längerem als Kempfs neuer Arbeitgeber. Bestätigt ist das aber noch nicht, und die Beratungsagentur des Profis (Sports 360 mit Volker Struth an der Spitze) verweist auf das bestehende Arbeitsverhältnis in Stuttgart. Kempf und der Hertha-Manager Fredi Bobic sollen sich jedoch über einen Wechsel in die Hauptstadt einig sein. Und nachdem der Innenverteidiger beim 0:2 gegen RB Leipzig nicht einmal auf der Bank des VfB Platz fand, beschleunigt sich die Angelegenheit eventuell.
Was steht auf dem Preisschild?
Für Pellegrino Matarazzo hatte es zunächst „sportliche Gründe“, dass er Kempf nicht nominierte. Der Trainer zog ihm Atakan Karazor vor, da dieser vielseitiger einsetzbar ist. Zudem gehörte auch Pascal Stenzel dem Kader an, der mehrere Positionen besetzen kann. Kempf gilt dagegen nicht als der klassische Einwechselspieler – und seinen Status als Stammkraft hat er verloren.
Matarazzo führte jedoch ebenso aus, dass es „eine Unklarheit gibt, was seine vertragliche Situation angeht“. Kempf liebäugelt offenbar mit einem raschen Transfer – und der Sportdirektor Sven Mislintat hat nichts dagegen. Trotz Abstiegskampf. Ohne eine kleine Ablösesumme geht jedoch nichts. Für sechs Millionen Euro hätte der Abwehrspieler im vergangenen Sommer den VfB verlassen dürfen, doch es fand sich in der Coronakrise kein Abnehmer. Jetzt dürfte der Betrag wohl unter einer Million Euro liegen.
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Verhandlungssache – und dass die Stuttgarter gesprächsbereit sind, liegt auch daran, dass eine starke Alternative vorhanden ist, Hiroki Ito. Seit Wochen überzeugt der Japaner in der Dreierkette und zählte gegen die Leipziger wieder zu den Besten im Trikot mit dem roten Brustring. Somit hat der unbekannte Ito dem etablierten Kempf nach dessen Verletzungspause im vergangenen November den Rang abgelaufen. Als Ersatz steht neben Karazor und Stenzel außerdem noch Clinton Mola zur Verfügung. Und gegen die Leipziger lieferte Nikolas Nartey auf der linken Abwehrseite eine gute Vorstellung.
Dennoch halten viele Kempf in Bestform mit seiner Zweikampfstärke und Erfahrung gerade in der aktuell schwierigen Situation für einen stabilisierenden Faktor. Jenseits seiner drei Saisontore ist es dem ehemaligen Kapitän aber zuletzt nicht gelungen, seinem Führungsanspruch auf dem Platz gerecht zu werden. Anders als noch vor einem Jahr, als er mit konstanten Leistungen in das Blickfeld der Nationalmannschaft rückte.
Wie viel verdient der Abwehrspieler?
An diesen Kempf denkt wohl Bobic, der ursprünglich beabsichtigt hatte, den Abwehrmann im Sommer ablösefrei vom Neckar an die Spree zu lotsen. Dafür fließt in solchen Fällen ein Handgeld in Richtung Spielerlager. Und offenbar erfüllt Hertha die Gehaltsvorstellungen, auf die der VfB nicht einzugehen bereit war. Jedenfalls lehnte die Kempf-Seite im vergangenen Mai das Angebot auf eine vorzeitige Vertragsverlängerung ab, weil Mislintat ein deutlich leistungsbezogeneres Arbeitspapier offerierte.
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Mehr als zweieinhalb Millionen Euro im Jahr verdient Kempf, wenn er regelmäßig zum Einsatz kommt und der VfB punktet. In Berlin dürfte es nicht weniger sein – und womöglich als Fixbetrag. „Noch ist er bei uns“, sagt Matarazzo jedoch und bezeichnet den robusten Mann mit der Rückennummer vier weiter als „vollwertiges Teammitglied“.