Er war einige Wochen vereinslos – dennoch gehört der Verteidiger Dan-Axel Zagadou nach seiner späten Verpflichtung beim VfB Stuttgart gleich zu den Spitzenverdienern.
Er überragt sie alle – mit seinen 1,97 Meter. Damit ist Dan-Axel Zagadou größer als Konstantinos Mavropanos (1,94), die zweite Abwehrkante beim VfB Stuttgart. Auch höher gewachsen als Waldemar Anton (1,89) und der in seinem Körperbau fast schon filigran wirkende Hiroki Ito (1,88). Das Trio hat bisher die Dreierkette des Fußball-Bundesligisten gebildet. Nicht immer reißfest, aber unumstritten.
Nun erwächst in Zagadou neue Konkurrenz. Vielleicht ist der 23-Jährige schon ein Kaderkandidat für die nächste Partie am Samstag (15.30 Uhr) beim VfL Wolfsburg. Einen ersten Stresstest hat die späte Verpflichtung jedenfalls bereits bestanden. 60 Minuten lang beim 2:1 im Freundschaftsspiel gegen den Grasshopper Club Zürich. „Er ist sehr kopfballstark und hat eine gute Übersicht“, lobte ihn der Trainer Pellegrino Matarazzo hinterher.
Für den 1. FC Köln zu teuer
Und obwohl Zagadou seit dem 1. Juli vereinslos war, präsentierte er sich nach seinem ausgelaufenen Engagement bei Borussia Dortmund in Stuttgart recht fit – dank eines persönlichen Coaches. Mit diesem hatte der Franzose gearbeitet, um für einen neuen Verein bereit zu sein. Aus der Serie A in Italien hatten Inter Mailand und AS Rom Interesse bekundet, aus der Ligue 1 in Frankreich Olympique Lyon, und gerne wäre Zagadou nach England in die Premier League gegangen. Deutschland schien zunächst keine Option mehr.
Aus der Bundesliga streckte schließlich der 1. FC Köln nach der Verletzung von Innenverteidiger Julian Chabot seine Fühler aus. Das Thema hatte sich schnell erledigt. „Der Spieler war nicht in unserer Preisklasse“, sagte der Sport-Geschäftsführer Christian Keller im Interview mit dem „Geissblog“. Doch mit dem VfB kam es kurz darauf zu einer Einigung. Was einerseits verwundert, weil das Team von Trainer Steffen Baumgart sportlich zuletzt besser abgeschnitten hat und in der Conference League vertreten ist. Andererseits hat der FC-Geschäftsführer Philipp Türoff den Traditionsverein vom Rhein als „finanzwirtschaftlichen Sanierungsfall“ beschrieben.
Aufgrund von Corona verzeichneten die Kölner für die Saison 2021/22 ein Minus von 15,7 Millionen Euro nach Steuern. Auch der VfB beklagt seit Pandemiebeginn im März 2020 einen Umsatzverlust von 90 Millionen Euro. Das Minus im vergangenen Jahr betrug dennoch nur 1,2 Millionen Euro nach Steuern. Es war also Geld genug da, um sich Zagadou leisten zu können. Nach Informationen unserer Redaktion ist der Abwehrspieler dabei gleich in die Gruppe der Spitzenverdiener aufgestiegen – mit etwas mehr als zwei Millionen Euro an Grundgehalt pro Jahr. Dazu kommt noch ein üppiges Handgeld für die Unterschrift unter einen Vertrag bis 2026.
Ein Risiko, mögen da einige denken, da Zagadou als verletzungsanfällig gilt. Weshalb der einstige Publikumsliebling beim BVB nach fünf Jahren gehen musste. Doch der Sportdirektor Sven Mislintat sieht in der Verpflichtung des Verteidigers vor allem die Chance, die sich bietet. Ein Spieler dieser Güteklasse wäre ohne die Vorgeschichte mit Knieproblemen nicht zu haben gewesen. Und für einen Transfer von Jakov Medic vom FC St. Pauli wären mehr als drei Millionen Euro an Ablöse fällig gewesen.
Die schwäbische Rechnung
Die Rechnung der Schwaben geht also anders: Der VfB will sportlich profitieren, und er will für den Fall vorbereitet sein, dass nach der WM in Katar ein Club auf die Idee kommt, Borna Sosa für 20 Millionen Euro haben zu wollen. Schon in diesem Winter. Dann könnte Ito auf die linke Außenposition rücken und Zagadou hätte seinen Platz im Zentrum. Zudem gibt es ja die Option, dass die Abwehrkante eine gute Saison spielt. Dann würde sich die Verpflichtung bei einem Transfer auch finanziell auszahlen. Ohnehin sprengt Zagadou das Gehaltsbudget von insgesamt 50 Millionen Euro im Jahr nicht.