Auch an den sonderpädagogischen Schulen im Landkreis Ludwigsburg soll es eine außerschulische Betreuung geben. Foto: dpa/Uli Deck

Im Kreis Ludwigsburg startet ein Pilotprojekt an sonderpädagogischen Schulen. Ausgerechnet die, die es ohnehin schwer haben, sollen dann besonders tief in die Tasche greifen.

Für Familien mit schulpflichtigen Kindern mit Behinderungen kam es in jüngster Zeit knüppeldick. Nicht nur leiden die meisten Eltern besonders unter der Inflation durch Kriege und Krisen, weil oft ein zweites Gehalt fehlt. Auch die Tatsache, dass sie sich seit mehreren Monaten pro Kind und Jahr mit rund 500 Euro am Schülertransport beteiligen müssen, macht vielen von ihnen finanziell zu schaffen. Die Ankündigung aus dem Landratsamt Ludwigsburg, dass die herbeigesehnte Ganztagsbetreuung mit monatlich knapp 1000 Euro sehr teuer für sie wird, ist für sie ein weiterer Schlag ins Gesicht.

 

Die Kosten für Kinder mit speziellem Förderbedarf sind unbestritten sehr hoch. Weil qualifiziertes Personal und ein höherer Betreuungsschlüssel nötig sind, verschlingen Betreuungsangebote viel Geld. Auf den Landkreis kommen hohe Ausgaben zu, um den Ganztagsanspruch auch an den sonderpädagogischen Schulen umzusetzen – und das inmitten einer angespannten Haushaltslage. Die Kosten derart stark auf die Eltern umzuwälzen, das ist jedoch weder fair noch verhältnismäßig.

In anderen Bereichen ist Solidarität selbstverständlich

Für Kinder, die Regelschulen und reguläre städtische Kitas im Landkreis Ludwigsburg besuchen, müssen Eltern in den seltensten Fällen die gesamten Kosten für die Ganztagesbetreuung zahlen – ohne, dass der Träger etwas beisteuert. Vor diesem Hintergrund wirkt es absurd, dass ausgerechnet die Familien, die es in finanzieller und anderer Hinsicht ohnehin schwerer haben, nun besonders tief in die Tasche greifen sollen.

Für die Politik und Verwaltung scheint es also in allen anderen Bereichen selbstverständlich, Bildungsangebote finanziell zu stützen und Familien zu entlasten – nur nicht bei Kindern und Jugendlichen mit Behinderung. Gerade mit Letzteren sollten wir als Gesellschaft allerdings besonders solidarisch sein.

Erschwerend kommt hinzu, dass, zumindest zum Start, nur sechseinhalb weitere Stunden pro Woche abgedeckt werden. Wie das ausreichen soll, Beruf und Familie besser zu vereinbaren, erschließt sich nicht. Das Angebot ist also nicht nur zu teuer, es bringt den Familien noch nicht einmal besonders viel. Das Ziel wird damit klar verfehlt.

Im Sinne der betroffenen Familien wäre es wünschenswert, wenn das Konzept noch vor seiner Einführung nachgebessert wird. Denn das, was aktuell auf dem Tisch liegt, ist ein halbherziger Versuch, den rechtlichen Anspruch auf den Ganztag umzusetzen. Am Ende scheint es, als ob es dem Landratsamt egal ist, ob das neue Betreuungsangebot den Familien hilft oder nicht.