Ein Passagierflugzeug von EgyptAir mit 66 Menschen an Bord ist auf dem Flug von Paris nach Kairo über dem Mittelmeer abgestürzt. Foto: dpa

Das Passagierflugzeug auf dem Weg von Paris nach Kairo macht über dem Mittelmeer plötzlich abrupte Wendungen und verliert rapide an Höhe, bevor es ganz von den Radarschirmen verschwindet. Nun wurden im Mittelmeer Trümmerteile der EgyptAir-Maschine gefunden.

Kairo - Das ägyptische Militär hat nach eigenen Angaben erste Trümmer der über dem Mittelmeer abgestürzten EgyptAir-Maschine entdeckt. Auch persönliche Gegenstände der Insassen des in des Nacht zum Donnerstag abgestürzten Flugzeuges seien rund 290 Kilometer nördlich von Alexandria im Meer gefunden worden, erklärte die Armee am Freitag.

Die Absturzursache ist weiterhin unklar. Ägypten schloss einen terroristischen Anschlag nicht aus. Ein solches Szenario sei wahrscheinlicher als technisches Versagen, sagte Luftfahrtminister Scherif Fathi. Es gibt keine Anzeichen, dass jemand überlebt hat.

Der Airbus A320 war am Donnerstag mit 66 Insassen an Bord nach Behördenangaben südlich von Kreta abgestürzt. Bis über die griechischen Inseln habe die Maschine einen offensichtlich problemlosen Flug absolviert, sagte Verteidigungsminister Panos Kammenos. Dann habe sie kurz vor drei Uhr morgens ägyptischer Zeit plötzlich abrupte Wendungen in beide Richtungen gemacht und stark an Höhe verloren, ehe sie bei 3000 Metern ganz vom Radar verschwunden sei.

Kein Notsignal abgegeben

Ein Notsignal habe der Pilot, der zu diesem Zeitpunkt bereits in ägyptischem Luftraum flog, nicht abgegeben, hieß es vom Militär in Kairo. Das deutete darauf hin, dass der Höhenverlust der Maschine durch ein sehr plötzliches Ereignis ausgelöst wurde.

Ein früheres Mitglied der US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB, John Goglia, sagte, erste Indizien deuteten auf einen Anschlag hin. „Die Tatsache, dass (der Pilot) diese abrupten Drehungen gemacht hat, ohne vorher einen Notruf zu senden, deuten für mich darauf hin, dass etwas Katastrophales wie ein (Spreng-)Objekt passiert ist“, sagte Goglia. Ein technisches Versagen sei eher unwahrscheinlich.

Das Wrack und der Flugschreiber, der Aufschluss über die Unglücksursache geben könnte, blieben zunächst verschollen. Auch Großbritannien beteiligte sich an der Suche. Das ägyptische Luftfahrtministerium teilte zunächst mit, es seien Trümmer im Meer gesichtet worden, doch griechische Behörden erklärten später, diese stammten nicht von einem Flugzeug.

Passagierliste wird nach Extremisten durchforstet

Sowohl in Kairo als auch in Paris nahmen die Staatsanwaltschaften Ermittlungen auf. Frankreichs Präsident François Hollande sagte, bei der Untersuchung des Absturzes werde keine Hypothese ausgeschlossen. Auch er sprach die Möglichkeit eines Terroranschlags an, wollte sich aber nicht festlegen. Aus ägyptischen Sicherheitskreisen verlautete, dass die Passagierliste nach möglichen Verbindungen zu Extremisten durchforstet werde.

An Bord des Airbus A320 waren nach Angaben der Airline 56 Passagiere, darunter zwei Babys und ein Kind, sowie zehn Besatzungsmitglieder. 30 von ihnen waren demnach Ägypter und 15 Franzosen. Darüber hinaus waren zwei Iraker, zwei Kanadier sowie je ein Passagier aus Großbritannien, Algerien, Belgien, Kanada, dem Tschad, Kuwait, Portugal, dem Sudan und Saudi-Arabien an Bord, wie Egypt Air mitteilte. Deutsche saßen nicht im Flugzeug. Der Pilot hatte mehr als 6000 Flugstunden absolviert.

Erst im März war eine Maschine von Egypt Air gekapert und nach Zypern entführt worden. Der Täter wurde von den zyprischen Behörden als „psychisch instabil“ eingestuft und befindet sich derzeit auf der Mittelmeerinsel in Gewahrsam.

Über der ägyptischen Sinai-Halbinsel stürzte Ende Oktober 2015 eine russische Passagiermaschine ab, alle 224 Insassen kamen um. Nach Angaben aus Moskau wurde sie durch einen Sprengsatz zum Absturz gebracht. Ein Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat bekannte sich dazu.

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