Seite 4Abschlussbericht zum NSU-Untersuchungsausschuss Staatsanwalt mit Hang zur Metaphysik

Von Franz Feyder, Sven Ullenbruch, Michael Weißenborn 

Von der Grünen Petra Häffner darauf hingewiesen, dass diese Antwort aber beinhalte, dass es „eine Restmöglichkeit des anderen“ gebe, sagte Meyer-Manoras: „Die Restmöglichkeit, dass ein Ufo auf der Theresienwiese gelandet ist, grüne Marsmännchen ausstiegen und die Tat begangen haben, die Waffen mitgenommen haben, auch das lässt sich aus philosophischer Sicht nicht hundertprozentig verneinen.“

Nicht berücksichtigt hat der Ausschuss in seiner Beweiswürdigung, dass Meyer-Manoras in Schwierigkeiten hätte kommen können, wenn die Aussagen Arnolds bis heute als glaubhaft beurteilt worden wären. Denn der Staatsanwalt priorisierte bis 2009 die so genannte „Phantom-Spur“. Knapp zwei Jahre lang fahndeten die Ermittler nach einer „unbekannten weiblichen Person“, deren DNA-Spuren an den unterschiedlichsten Tatorten im In- und Ausland gefunden wurden. Letztlich stellte sich heraus: Bei der Spurensicherung hatten Fahnder an allen Tatorten Wattestäbchen verwendet, die bereits beim Hersteller durch die DNA einer Verpackerin verunreinigt worden waren. Bereits im Sommer 2008 hatte Martin Arnold in einer Hypnose-Vernehmung von zwei männlichen Tätern berichtet – also von keiner Täterin, die als Phantom infrage gekommen wäre.

Dennoch wurde die Phantomspur bis ins Frühjahr 2009 weiterverfolgt, wurden unzählige Speichelproben bei Frauen genommen. Mit der Erhebung dieser Speichelproben hatte Meyer-Manoras keine datenschutzrechtlichen Probleme, während er mit den Listen der Autokennzeichen aus der Ringalarmfahndung so vorsichtig umging, dass er die teils handschriftlichen Notizen nicht einmal in recherchefähige Computer-Tabellen erfassen ließ. Diese Grundlagenarbeit erledigte die LKA-Ermittler, nachdem sie 2009 die Sonderkommission übernommen hatten. Auf dieser Datenbasis konnte nach dem Auffliegen des NSU erst das Kennzeichen des Wohnmobils gefunden werden, das die beiden Uwes gefahren haben sollen.

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