Museumsleiterin und Bauernkriegsexpertin Lea Wegner will bei der Finissage offenen Fragen nachspüren. Foto: Eibner-Pressefoto

Das Deutsche Bauernkriegsmuseum in Böblingen lädt zum Abschluss der Ausstellung zum 500-Jahr-Gedenken in die Zehntscheuer.

Das Gedenkjahr geht zu Ende und mit ihm die Sonderausstellung „500 Jahre Bauernkrieg – Ein Ereignis und seine Gesichter“. Die Schau hatte eine Vielzahl von Perspektiven auf den Aufstand des Jahres 1525 geworfen. Zum Abschluss möchte das Deutsche Bauernkriegsmuseum die Gelegenheit nutzen, fehlenden Puzzleteilen, offenen Fragen und neuen Impulsen nachzugehen – getreu dem Motto „Mut zur Lücke“ .

 

Dazu lädt das Museum am Sonntag, 11. Januar 2026, um 11 Uhr zur Finissage in die Zehntscheuer in der Pfarrgasse 2 in Böblingen ein. Die Veranstaltung umfasst drei Kurzführungen, die sich der Spurensuche widmen. Ergänzt wird das Programm durch einen kleinen Empfang, der Raum für Gespräche bieten soll.

Ausstellungsführungen als Puzzleteile

Das erste Puzzleteil trägt den Titel „Böblinger Schlacht – Von Treue, Verrat und den Böblinger Schützen“. Hier geht es um die Entscheidung der Stadt, am 12. Mai 1525 den Truppen des Schwäbischen Bundes die Stadttore zu öffnen, der durch diesen strategischen Vorteil den Aufstand für Mitsprache gewaltsam niederschlagen konnte. Für die einen gleicht die Entscheidung einem schweren Verrat der „Böblinger Herren“ und vor allem des Vogtes an den Untertanen und ihrem Streben nach Veränderung. Für andere spiegelt sie das Dilemma wider, in dem die Menschen geraten konnten. Schließlich war Protest in jeglicher Form verboten. Interessant ist auch, welche Rolle die Böblinger Schützen in dieser Geschichte spielten. Hierzu rückt ein besonderes Ausstellungsstück in den Fokus.

Das zweite Puzzleteil heißt „Frauen unterm Radar – Sichtbar und verzerrt?!“ und behandelt die wenig beleuchte Rolle des vermeintlich schwachen Geschlechts. Dabei waren es die Frauen, die den Aufstand in dieser Form überhaupt erst ermöglichten, weil sie auf den Höfen zurückblieben, damit ihre Männer in den Kampf ziehen und für ihre Rechte einstehen konnten. Eine Ausnahme in der Forschung bildet Margarete Renner: Bei ihr hatte man sich in der Vergangenheit schnell eine Meinung gebildet. Ihr wurde eine brutale Beteiligung an der „Weinsberger Bluttat“ nachgesagt – und gerade diese einseitige Überlieferung zeigt, wie wenig über ihr tatsächliches Handeln bekannt ist.

Intensiver Blick auf Peter Lenks Bauernkriegsdenkmal

„Erinnern, aber wie?“ heißt das dritte Puzzleteil, bei dem Peter Lenks Denkmal „Gesichter des Bauernkriegs“ am Oberen See ins Blickfeld rückt. Wie vielfältig künstlerisch und kreativ das Denkmal die Kleinsten und auch die etwas größeren kreativen Köpfe im Laufe des Jahres 2025 inspiriert hat, ist Teil der dritten Kurzführung.

Der Eintritt zur Finissage ist kostenfrei. Mehr Informationen finden sich unter www.bauernkriegsmuseum.boeblingen.de auf der Museums-Homepage.