Die abschlagsfreie Altersrente für besonders langjährig Versicherte – bekannt als „Rente mit 63“ – wird weiterhin gut genutzt. Mittlerweile wurden mehr als zwei Millionen Anträge bei der Deutschen Rentenversicherung gestellt.
Von der zwischen den Sozialpartnern hochumstrittenen abschlagsfreien Altersrente für besonders langjährig Versicherte – bekannt als Rente mit 63 – wird weiterhin reger Gebrauch gemacht: Mittlerweile ist die Zahl der Bezieher nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung Bund gegenüber unserer Zeitung auf mehr als zwei Millionen angewachsen.
Schon 189 000 Anträge in diesem Jahr
Diese Rente für Versicherte mit mindestens 45 Beitrags- und Berücksichtigungsjahren wurde im Jahr 2012 eingeführt. Die Altersgrenze wächst sukzessive an – für den Geburtsjahrgang 1964 ist diese Rente frühestens mit 65 Jahren erreichbar. Laut der Rentenversicherung wurden bis Dezember 2021 insgesamt rund 1,973 Millionen Anträge gestellt. Darin enthalten sind rund 257 000 Anträge aus dem Vorjahr. Im laufenden Jahr – von Januar bis August – kamen noch einmal 189 000 Anträge hinzu. So gingen nach den aktuellsten Daten bis Ende August insgesamt 2,162 Millionen Anträge ein.
Ausgezahlt wurden bis Ende 2021 rund 1,909 Millionen dieser Altersrenten für besonders langjährig Versicherte. Davon entfallen 1,423 Millionen auf die alten Bundesländer und 486 000 auf den Osten. Die Gesamtzahl verteilt sich auf 1,085 Millionen Männer und auf 824 000 Frauen.
Arbeitgeber wollen die „Rente mit 63“ rasch beseitigen
Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger würde das Instrument am liebsten rasch abschaffen – mit Blick auf den Arbeitskräftemangel dringt er darauf, die Förderung der Frühverrentung zu beseitigen: „Die abschlagsfreie Rente ab 63 sollte so schnell wie möglich auslaufen“, sagt er jüngst. Die Gewerkschaften verteidigen sie vehement.
Der Chef der Rentenversicherung Baden-Württemberg, Andreas Schwarz, sagte unserer Zeitung: „Ich persönlich kann die Leute verstehen, die sagen: 45 Jahre Arbeit sind genug.“ Wenn jemand so lange gearbeitet habe, sei es für die Rentenkasse erträglich, wenn sie eine abschlagsfreie Altersrente bezögen, auch wenn es für die Rentenversicherung eine zusätzliche Belastung sei, dass sie praktisch zwei Jahre die Rente „geschenkt“ bekämen.
Es sei aber vor allem eine „gute Sache für die Rentenkasse“, wenn diese Menschen die Botschaft erreicht: Es lohnt sich, noch etwas weiterzuarbeiten – weshalb die Abschaffung von Hinzuverdienstgrenzen bei vorgezogenen Altersrenten zum 1. Januar 2023 ein „großer Schritt“ und eine „richtige Entscheidung“ seien, so der Vorsitzende der Geschäftsführung.
Im vorigen Jahr kamen 268 957 Empfänger der abschlagsfreien Rente hinzu – allein 208 559 aus den alten Ländern. Dies ist ein Zuwachs gegenüber 2020 (256 605), 2019 (253 492), 2018 (243 719), 2017 (236 854) und 2016 (225 290). Der bisher höchste Zugang wurde im Jahr 2015 mit 274 287 gezählt.