Die Terrasse des Restaurants Plenum im Gebäude des Landtags. Foto: Stefan Klein

Der Umzug des Landtages ins Ausweichquartier im Kunstverein und in der ehemaligen Dresdner Bank ist in vollem Gange. Dem Lokal Plenum bleibt noch eine Galgenfrist. Erst nach dem Sommerfest muss es schließen. Wegen der Sanierung bleibt es zwei Jahre zu.

Stuttgart - Es war ein rauschendes Fest! Bis die Sonne schon wieder am Himmel stand. Weil es dieses Mal besonders schwer fiel, sich zu trennen. Zum letzten Mal war in dieser Spielzeit in der Stuttgarter Oper der Vorhang nach dem Ballett „Othello“ gefallen, und zum letzten Mal feierte der Ballettchef Reid Anderson mit seiner ganzen Truppe im Lieblingslokal Plenum, ehe hier für lange Zeit Handwerker und Bauarbeiter einziehen. „Wir waren hier so gern“, versichert Pressesprecherin Vivien Arnold und preist „die wunderbare Atmosphäre und die ausgezeichnete Küche“. Wo wird das Ballett in Zukunft einlaufen? „Da herrscht noch die große Ratlosigkeit“, bekennt Frau Arnold.

„Mir blutet das Herz“, seufzt Eberhard Aspacher, seit 2004 und nach dem Unfalltod seines Partners Peter Böhm alleiniger Pächter. Seine Pacht endet am 31. Juli, die Beteiligung am Sommerfest mit Bar und Grillstation gibt die letzte Gelegenheit zu einem viertägigen Aufschub. „Dann wird die schönste Terrasse von Stuttgart geschlossen“, spricht er seinen Gästen aus dem Herzen und deutet auf das Panorama. Es ist vom Feinsten, was diese Stadt zu bieten hat. Mit Blick auf Bäume, Blumen und See, das Opernhaus zur Rechten, das Schloss zur Linken und das Kunstgebäude vis-à-vis. Die vielen älteren Gäste, die sich hier zu Stammtischen und Kränzchen trafen, schätzten obendrein, dass Taxis direkt anfahren können. „Wer sich hier alles getroffen hat“, schwärmt Aspacher. „Jeden Tag sieht man ein bekanntes Gesicht. Vom Theater. Und natürlich aus der Politik.“

Erheblich in die Technik und Küche wird investiert

„Das Plenum war für uns immer eine wunderbare Kommunikationsplattform und außerdem ein Stück Öffnung des Landtags für Kontakte mit den Bürgern“, sagt Landtagspräsident Guido Wolf. Der Gedanke, die Fläche des Restaurants dem Landtag zuzuschlagen, sei daher ganz schnell wieder verworfen worden. Nun werde weder verkleinert, noch der Zuschnitt des Lokals verändert und stattdessen sogar erheblich in die Technik und Küche investiert, um „das Lokal zeitgerecht und für die Zukunft auszustatten“. Aspacher wundert sich darüber etwas: „Vor zwei Jahren hat man neue Fenster eingebaut, vor drei Jahren die Küche und vor einem Jahr die Spülanlage erneuert.“

Vermissen wird nicht nur der Präsident die gute Küche von Aspacher und seinem Küchenchef Jörg Burghardt: „Das Lokal war ja für uns eine Art Betriebskantine“, erklärt Wolf. Mit einem speziellen Tarif auf die Tagesessen à la carte. Bisher sei nicht klar, wo und mit welchem Lokal man wieder solche Bedingungen aushandeln könne. „Verhungern werden wir nicht“, lacht Isabel Kling, Sprecherin des CDU-Fraktionsvorsitzenden Peter Hauk, und denkt über neue Adressen nach. Von ihrem Büro im Haus der Abgeordneten habe sie es beispielsweise nicht weit zum Lokal Tempus im Haus der Geschichte. Eine schöne Terrasse lockt dort auch. Außerdem eröffnet die Brauerei Dinkelacker in naher Zukunft in der ehemaligen Dresdner Bank ein Brauhaus-Lokal.

Alle zwölf Mitarbeiter haben neue Arbeitsplätze gefunden

An die 70 Millionen Euro werden die Sanierung des Landtagsgebäudes samt dem Bau eines Besucherzentrums verschlingen. Die Pacht des Restaurants werde dann neu ausgeschrieben, so Wolf. Aspacher, der mit der Schlosswirtschaft in Illereichen 25 Jahre lang ein Sternerestaurant besaß und nun neben einem Cateringunternehmen noch das Kubus und die Arena in Ludwigsburg betreibt, ist fest entschlossen, sich wieder zu bewerben. Ob er, denkt er laut nach, vorsorglich den Flügel, auf dem auch der ehemalige Ministerpräsident Günter Oettinger gern und talentiert gespielt hat, noch aufheben soll? „Aspacher ist für uns ein potenzieller Partner“, versichert Guido Wolf.

Neue Arbeitsplätze haben alle zwölf Mitarbeiter gefunden. „Solche hervorragenden Kräfte sind begehrt“, versichert ihr bisheriger Arbeitgeber. Geschäftsführer Marc Malnati will seinen ehemaligen Gästen künftig in der Weinabteilung von Galeria Kaufhof die richtige Empfehlung geben: „Ich bin 40 Jahre in Stuttgart“, erzählt der Franzose, der vorm Plenum im Hotel am Schlossgarten, in der Alten Post und bei Armin Karrer gearbeitet hat und hier Gott und die Welt kennt. Genau wie Hassan Wahl, der Chef im Service, der früher im Fresko bei Helga Hofmann bei den Gästen besonders geschätzt war und in das Böhm-Restaurant wechselte.

Stuttgarts schönste Terrasse kann man jetzt noch einmal beim Sommerfest vom 1. bis zum 4. August genießen. Unwiderruflich zum letzten Mal auf lange Zeit.

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