Im Geschäft Seidenstraße Wohnkultur an der Sophienstraße 18 hat der Ausverkauf begonnen. Foto: privat

Schönes für Heim und Herz verkauft Silvia Schabath mit ihren Kolleginnen nur noch bis März im Gerberviertel. Es schmerzt sie sehr, dass nach 25 Jahren ihr „Seidenstraße Wohnkulturen“ schließt. Erneut verliert der Stuttgarter Einzelhandel ein besonderes Geschäft.

Benannt ist das 1999 eröffnete Fachgeschäft für besondere Wohnaccessoires an der Sophienstraße nach der historischen Seidenstraße. Dieser einstmals wichtigste Handelsweg verband Europa mit China. Regelmäßig hat die Textildesignerin Silvia Schabath mit ihrem Mann auf Reisen in Indien, Nepal, Thailand, Kambodscha und Indonesien vor Ort im fairen Handel bei kleinen Manufakturen eingekauft, was ihr gut gefällt und von dem sie meint, dass sich auch ihre Kundinnen und Kunden in Stuttgart daran erfreuen könnten.

 

„Schönheit streichelt die Seele“, steht auf der Homepage des Geschäfts Seidenstraße Wohnkulturen. Nur noch bis Ende März wird an diesem Ort im Gerberviertel „gestreichelt“. Schweren Herzens hat sich die Geschäftsführerin, die in dem Laden mit zwei weiteren Frauen arbeitet, mit ihren Kolleginnen entschieden, Abschied zu nehmen von einem Herzensprojekt.

„Das war allenfalls ein Taschengeld“

Zwei Tage nach dem gemeinsamen Urlaub hatte ihr Mann das Haus verlassen. Er sollte nicht mehr wieder kommen. Völlig überraschend war der 69-Jährige, der noch so viele Ideen hatte und bis zuletzt voller Leidenschaft für das Seidenstraßen-Geschäft brannte, an Herzversagen gestorben. Eigentlich hätte sie jetzt wieder nach Indien fliegen müssen, um neue Ware einzukaufen und das Lager in Stuttgart aufzufüllen. Sie wird es vorerst nicht tun.

Viel verdient habe sie mit ihren Geschäftspartnerinnen Emi von Gemmingen, Fatima Varela und Barbara Heuschkel, mit denen sie im Gerberviertel in dem Laden für die schönen Dinge des Lebens nicht mehr lange arbeitet, sowieso noch nie. „Das war allenfalls ein Taschengeld“, sagt sie, „aber wir haben es gern gemacht.“

Vor Corona hatte sie nach Nachfolgern gesucht. „Wir sind alle nicht mehr so jung“, lässt Silvia Schabath wissen. Der Stab sollte an junge Leute weitergegeben werden. Doch die sprangen in der Pandemie ab. Und auch auf die Ausschreibung für den Ladenverkauf gab es keine ernsthaften Interessenten. Der Einzelhandel in Stuttgart scheint nicht mehr attraktiv zurzeit.

„Manchmal geschehen Dinge, die man in dem Moment nicht beeinflussen kann“, sagt die Geschäftsführerin. Ihre Kunden seien sehr traurig, dass bald Schluss ist. Die bisherige Fläche von „Seidenstraße Wohnkulturen“ übernimmt der Espressoladen von nebenan, der sich damit vergrößert. Bis Ende März ist Ausverkauf bei den Wohnaccessoires mit erheblichen Rabatten.

Immer wieder hat sie aus Kambodscha handgefertigte Buddhas mitgebracht. Buddha heißt auch, die Ruhe zu suchen und nachzudenken. Silvia Schabath wird in aller Ruhe darüber nachdenken, wie es weitergehen soll. Nicht ausgeschlossen sei es, sagt sie, irgendwann ein Pop-up-Laden mit Produkten der Seidenstraße zu eröffnen. Die schönen Dinge des Lebens haben es ihr angetan, auch wenn sie jetzt eine harte Zeit durchstehen muss.