Überall Baupläne: Bernhard Dieterle-Bard in seinem Büro im Rathaus. Foto: Simon Granville

Gymnasium, Ortskernsanierung, Nordumfahrung: Bernhard Dieterle-Bard prägte Rutesheims Wandel vom Dorf zur Stadt. Nach über 30 Jahren verabschiedet sich der Bauamtsleiter.

Die Wände seines Büros im dritten Stock des Rutesheimer Rathauses sind nahezu vollständig mit Bauplänen bedeckt. Sie erzählen von aktuellen Projekten wie der Entwicklung des Boschareals, dem Gewerbegebiet „Gebersheimer Weg“ oder den geplanten Baugebieten „Krautäcker“ in Perouse, „Spissen II“ und „Heuweg Nord“.

 

Wenn Bernhard Dieterle-Bard auf mehr als 30 Jahre als Leiter des Rutesheimer Bauamts zurückblickt, fragt er sich bisweilen, wo die Zeit geblieben ist. „Wenn man sich das fragt, ist das ein gutes Zeichen“, sagt der 66-Jährige. „Ich hatte einen erfüllten und sinnvollen Beruf, der mir immer große Freude bereitet hat.“ Am 20. April wird er seinen letzten Arbeitstag im Rathaus haben, nach seinem Resturlaub folgt am 1. Juni offiziell der Eintritt in den Ruhestand.

„Der Zeitpunkt passt gut“, sagt Dieterle-Bard, der Rutesheim maßgeblich mitgeprägt hat

„Der Zeitpunkt passt gut“, sagt Dieterle-Bard, der ursprünglich bereits Ende 2025 in den vorzeitigen Ruhestand gehen wollte, sich dann aber entschied, noch vier Monate dranzuhängen. „Ich wollte die Stadt nicht hängen lassen.“ Zwar hatte der Gemeinderat bereits eine Nachfolgerin bestimmt, doch diese nahm kurzfristig eine andere Stelle an. „Ich bin davon ausgegangen, dass wir bis April eine Lösung finden und ich die Person noch einarbeiten kann.“ Die Position bleibt nun vorerst unbesetzt. Dennoch verabschiedet sich der langjährige Bauamtsleiter mit einem guten Gefühl: „Mein Team im Bauamt ist erfahren und bestens eingearbeitet.“

Die Akten bleiben im Rathaus, Bernhard Dieterle-Bard verabschiedet sich. Foto: Simon Granville

Aufgewachsen in Freudenstadt, erlernte Dieterle-Bard zunächst den Beruf des Schreiners, bevor er in Stuttgart Architektur und Städtebau studierte. Nach ersten Erfahrungen in einem Architekturbüro absolvierte er beim Land Baden-Württemberg die Ausbildung zum Regierungsbaumeister und war anschließend ein halbes Jahr als Bauverständiger in Weinsberg tätig. 1995 trat er in Rutesheim die Stelle des Ortsbaumeisters an – eine Bezeichnung, die damals noch gut zur ländlich geprägten Gemeinde passte.

Zu jener Zeit befand sich Rutesheim noch in einer vergleichsweise ruhigen Entwicklungsphase. Bürgermeister Wilfried Reichert setzte jedoch in seiner dritten Amtszeit entscheidende Impulse. Dieterle-Bard erinnert sich gut an dessen Idee, ein Gymnasium zu bauen – ein Projekt, das der innerörtlichen Entwicklung maßgeblich Schwung verlieh. Fördermittel wurden beantragt, die Nachbargemeinden Friolzheim, Heimsheim, Mönsheim, Weissach und Wimsheim beteiligten sich an der Finanzierung.

Der Bau des Gymnasiums in Rutesheim: ein Herzensprojekt für Dieterle-Bard

„Für größere Projekte haben wir natürlich externe Architekturbüros und Fachplaner hinzugezogen“, sagt Dieterle-Bard über eines seiner Herzensprojekte. Der Spatenstich für das Gymnasium erfolgte 1998, bereits im September 1999 startete der Unterricht. Die Nachfrage war so groß, dass das neunjährige Gymnasium schnell an seine Kapazitätsgrenzen stieß. Bereits fünf Jahre später wurde es erweitert. Den Neubau der Mensa mit Aula plante der Stadtbaumeister selbst. „Es musste schnell gehen, wegen der Fördermittel.“ Parallel dazu entstanden unter anderem die Kultur- und Sporthalle Bühl II, zwei Pflegeheime sowie die Nordumfahrung, die 2005 fertiggestellt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war Dieter Hofmann bereits seit rund drei Jahren Bürgermeister.

Die logische Folge dieser dynamischen Entwicklung: Rutesheim wollte den Stadtstatus erlangen, was die Landesregierung Baden-Württemberg dann auch am 22. Januar 2008 so beschloss und am 1. Juli desselben Jahres so umsetzte. Am 26. Juni überreichte der damalige Ministerpräsident Günther Oettinger in einem feierlichen Festakt die Stadturkunde. „Rutesheim ist in dieser Zeit förmlich explodiert“, sagt Dieterle-Bard und erinnert in diesem Zusammenhang auch an das Leuchtturmprojekt „Neubau Bücherei“ in der Pforzheimer Straße.

Für ihn persönlich hätte diese Phase auch einen beruflichen Wechsel bedeuten können. 2010 bewarb er sich in Leonberg auf die Stelle des Baubürgermeisters. Bei der Vorstellung traf er auf seinen früheren Studienfreund und Mitbewohner Klaus Brenner, der schließlich den Zuschlag erhielt. „Ich war damals durchaus enttäuscht, habe mich aber gleichzeitig für meinen Freund gefreut“, sagt Dieterle-Bard. Zwei Jahre später kandidierte er bei der Bürgermeisterwahl in seiner Heimatstadt – ebenfalls ohne Erfolg. „Das war in Ordnung so“, meint Dieterle-Bard. So konnte er Rutesheim treu bleiben, wo zuletzt acht Jahre lang Susanne Widmaier die Verwaltung leitete. Was er an seiner Arbeit im Rathaus besonders geschätzt hat? „Die Themen waren stets gut vorbereitet, die Diskussionen im Gemeinderat sachlich und zielorientiert. Am Ende wurde entschieden – persönliche Befindlichkeiten spielten keine Rolle.“

Für den Ruhestand hat sich Dieterle-Bard einiges vorgenommen. „Ich freue mich darauf, meine Zeit frei einteilen zu können, was nicht heißt, dass ich jetzt das Faulenzen anfange.“ So wird er weiterhin im gemeinsamen Gutachterausschuss von Renningen, Rutesheim und Weissach tätig sein. Außerdem gilt seine Leidenschaft dem Schach: Als C-Trainer fördert er junge Talente, etwa in der Hector-Kinderakademie oder in seinem Heimatverein, der GSV Hemmingen. Auch das Wandern soll künftig mehr Raum einnehmen – besonders reizt ihn der Westweg von Pforzheim durch den Schwarzwald bis nach Basel. „Das wäre ideal, um abzuschalten.“