Hinein ins eiskalte Wasser: Hexentaufe bei den Aidbachhexen. Foto: /Stefanie Schlecht

Am Rande des Aidlinger Fasnetsauftakts sorgen die Absage des Umzugs und die zukünftigen Pläne für eine geänderte Streckenführung für Gesprächsstoff.

Das Taufbad im eiskalten Wasser gehört bei den Aidliner Aidbachhexen zum Fasnetsauftakt ebenso dazu wie das unsanfte Erwecken des Strohhansels und das Abstauben der Masken. Am 6. Januar war es wieder so weit. Ein Thema trübte allerdings ein wenig die gute Stimmung – und zwar der für 22. Februar geplante und wegen der Bundestagswahl abgesagte Fasnetsumzug.

 

Der Grund: Die Aidlinger feiern traditionell nach dem Umzug ihre Hallenfasnet in der Sonnenberghalle, also direkt neben dem Wahllokal in der Sonnenbergschule. Das Risiko, als Verein am Tag nach dem Umzug dafür zu haften, wenn – so Hexenmeister Florian Breitling – „irgend so ein Vollidiot da eine politische Botschaft an die Wand schmiert“, wolle man nicht eingehen.

Aidlinger Narren planen ein abgespecktes Alternativprogramm

Im Vorfeld zur Fasnetserweckung hatte Breitling spontan eine Pressekonferenz mit den beteiligten Narrengruppen sowie Aidlingens neuer Bürgermeisterin Helena Österle einberufen. Österle betonte, dass die Verwaltung den Umzug in jedem Fall unterstützt hätte. Zugleich bot sie Gespräche mit den Zunftgruppen an, die nun zumindest ein abgespecktes Alternativprogramm im Anschluss an den weiterhin geplanten Narrengottesdienst anbieten möchten.

Darüber hinaus sprach Helena Österle mit den Aidbachhexen, Deufringer Berghexen, Aidlenger Stoadeifl und Dachteler Langhoorguggis über eine zukünftige mögliche Verlegung der Umzugsstrecke ins Wohngebiet rund um das Furtholz, weil die für die Sperrung der Ortsdurchfahrt notwendige Beschilderung für die Organisatoren immer mehr zur Belastung werde.

Remig Eipper, Vorsitzender der Langhoorguggis, rechnete vor, wie viele Tonnen Material sein Verein alleine für die vergleichsweise überschaubare Sperrung bei der Hocketse in Dachtel aufbringen müsse. In Aidlingen benötigen die Narren ein Vielfaches an Schildern, weil die Umzugsstrecke von der Ortsmitte bis hinauf zur Sonnenberghalle führt. Das macht eine weitläufige Umleitung über Ehningen und Gärtringen nötig. Laut Breitling sei zuletzt wegen strengerer Vorschriften der Materialaufwand immer größer geworden.

Die Aidlinger Narrengruppen eröffnen die neue Fasnetssaison. Erstmals mit dabei: die neue Bürgermeisterin Helena Österle (zweite von links). Foto: Stefanie Schlecht

Bürgermeisterin Österle verwies auf die intensive Facebook-Diskussion zum Thema Streckenführung, in die sich angesichts der zu erwartenden Umsatzeinbußen auch Aidlinger Gastwirte eingeschaltet und ihre Unterstützung angeboten hatten. Man sei in dieser Sache nach Aschermittwoch für ein Gespräch bereit, kündigte Breitling an.

Am Rande der Veranstaltung äußerten sich Narrengruppen aus den umliegenden Gemeinden. „Ich habe Verständnis für die Absage, aber es ist sehr schade, weil der Aidlinger Umzug für uns sehr wichtig ist, um uns zu präsentieren“, sagt Patrizia Blum. Sie ist Mitglied der Grafenauer Kreuzblitzhexen, die bisher keinen eigenen Umzug haben.

„Ich habe dafür kein Verständnis“, sagt dagegen Samara Truckenmüller von der 1. Narrenzunft Maichingen. Anderswo würden Umzüge ja auch stattfinden, außerdem sei der Wahltermin doch schon länger bekannt, meint die Schriftführerin des Narrenvereins. Besonders enttäuscht sei sie, weil man von der Absage über social-Media und nicht direkt von den Aidlingern erfahren habe.

„Die Fasnet gehört in den Ort.“

„Vollkommen richtig“ findet dagegen Domenik Pfingst, dass die Aidlinger auf das Wahlgesetz achten. „Wir sehen unser Wahlrecht als selbstverständlich an“, sagt das Mitglied der Renninger Schdoibruch-Hexa, aber in anderen Ländern sei dies nicht der Fall. „Man hätte auch eine andere Lösung finden können“, widerspricht Heiko Scherer. Der Kassenwart der Renninger Zunft fragt sich, warum man Veranstaltungsort oder Wahllokal nicht verlegen konnte. „Mangels anderer nutzbarer Hallen wäre das schwierig gewesen“, sagt Breitling. Eine Verlegung des Wahllokals hatte man wohl nicht erwogen.

„Natürlich haben wir Verständnis“, sagt Jasmin Kern vom Hexenrat der Böblinger Kemmla Hexa. Dennoch sei sie „sehr, sehr, sehr traurig“, dass der Umzug ausfällt und sie hoffe nun, dass er nächstes Jahr wieder stattfindet – und zwar auf der bewährten Strecke. Denn: „Die Fasnet gehört in den Ort“, sind sie und ihre Kemmla Hexa überzeugt.