Gvido Esmanis hat im vergangenen Jahr sein Atelier von einer Scheune in ein kleineres Domizil verlegt. Seitdem arbeitet der 72-Jährige in einem Gewächshaus. Foto: Simon Granville

Gvido Esmanis verwandelt seine Heimat Münchingen regelmäßig in eine große Kunstmeile. Gesundheitliche Probleme zwingen den 72-Jährigen nun aber zunächst zum Rückzug.

Es sich einzugestehen, ist dem umtriebigen Münchinger Gvido Esmanis schwergefallen. Doch mit einer „Gosch voll Vernunft und Realitätsnähe“ habe er erkennen müssen, dass es nicht geht – den Kunsttag „Made in Münchingen“, der nächstes Jahr wieder stattgefunden hätte, zu organisieren. „Ich knabbere sehr daran“, sagt Esmanis über die Tatsache, dass er die beliebte Veranstaltung in seinem Heimatort nun abgesagt hat. Um ein solches Event zu stemmen, „benötigt es viel Kraft, Ausdauer und Dynamik. Die wird mir nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen“.

 

Der Kunsttag: mehr als eine Plattform für Kunstschaffende

Der Münchinger war es, der den Kunsttag vor rund zehn Jahren erfunden hat. Im Jahr 2016 verwandelte Esmanis den zweitgrößten Korntal-Münchinger Stadtteil erstmals in eine große Kunstmeile. Seitdem fand der Kunsttag alle zwei Jahre statt. Er sei für die Besucherinnen und Besucher ein „kulturelles Ereignis“, wie er oft höre, berichtet Gvido Esmanis. Dabei sei der Kunsttag weit mehr als eine Plattform für Kunstschaffende. „Er ist auch ein Treffpunkt.“ Unter dem Strich habe die Veranstaltung einen „gewissen Stellenwert“.

Kaputte Knie zwingen den Münchinger zum Innehalten

Zuletzt holte Gvido Esmanis immer mehr Künstler in die Öffentlichkeit: Beim vergangenen Kunsttag waren es in elf Lokalitäten mehr als 40 Kunstschaffende, überwiegend Freizeitkünstler, viele ohne eigenes Atelier. 34 kreative Köpfe, denen die Besucher über die Schulter schauen durften, waren aus Münchingen.

Vorbereitungen für die nächste Auflage hat Gvido Esmanis nun gestoppt. Ihn plagen gesundheitliche Probleme. Gvido Esmanis erzählt von seinen kaputten Knien. Früher hat er viel Fußball gespielt, außerdem plagt ihn Arthrose. Der 72-Jährige hofft, eine Operation vorerst vermeiden zu können, indem er mit konventionellen Methoden wie Physiotherapie, Krafttraining, Lymphdrainage und Tabletten gegensteuert. Über erste Erfolge ist er heilfroh: Vor sechs Wochen habe er kaum gehen können. Doch kürzlich habe er eine ältere Dame mit Rollator überholt.

Beim Kunsttag „Made in Münchingen“ 2024 war einiges los, wie hier in der Buddenberg-Halle. Foto: Simon Granville

Darüber hinaus will Esmanis, in Stuttgart als Sohn lettischer Emigranten geboren, mehr für seine Familie da sein. Unter anderem muss ein Haus renoviert werden. „Es kommt gerade viel auf einmal zusammen.“

Ob nicht jemand anders für ihn einspringen kann? Esmanis schüttelt den Kopf. Ihm sei niemand eingefallen, der ihn ersetzen könnte. „Es ist eine Mordsherausforderung, den Kunsttag mit gleicher Klasse wie bisher hinzukriegen“, sagt er. Ihm fehle der Glaube, ein solches Team aufbauen zu können.

„Ich bin ein optimistischer Mensch“, sagt Gvido Esmanis

Esmanis betont, dass es ihm wichtig sei, das Niveau der Veranstaltung zu erhalten und das Interesse der Besucher hochzuhalten. „Alles zu stemmen, ist ein Riesenaufwand.“ Mehr als 150 Arbeitsstunden steckten im Kunsttag. Bis zu 500 E-Mails müssten geschrieben, über 100 Telefonate geführt, Genehmigungen bei der Stadt beantragt werden. Für den nächsten Kunsttag brauche es einige neue Lokalitäten und Kunstschaffende – und wie immer Musiker und Sponsoren. Letztere zu finden, werde zunehmend schwierig, stellt Esmanis fest. Und habe er potenzielle Geldgeber an der Hand, gelte es, bei ihnen persönlich aufzuschlagen.

Auch andere Tätigkeiten legte Esmanis krankheitsbedingt in den letzten Wochen auf Eis: Er, der mit Leidenschaft Bilder malt und Plastiken formt, hat erst jetzt wieder damit angefangen. In seinem Atelier in einem Gewächshaus eines Gartenbaubetriebs im Münchinger Industriegebiet erschafft er derzeit größere Skulpturen aus Beton. Außerdem arbeitet er wieder mit Ton. Dem nächsten Kunsttag will er sich widmen, „sobald es mir einigermaßen gut geht“. Er ist davon überzeugt, dass das klappt. „Ich bin ein optimistischer Mensch.“