Die Stuttgarter Schleyer-Halle ist in die Jahre gekommen und soll abgerissen werden. Doch warum braucht es überhaupt einen 250 Millionen Euro teuren Neubau?
Stuttgart - Die Eagles haben zwar schon einige Jahre auf dem Buckel. Aber sie füllen immer noch die Hallen. Gerne hätte Andreas Kroll, Chef der Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart, die amerikanischen Alt-Rocker auch hier präsentiert. Alleine, er hat gar nicht mehr erfahren, dass sie auf Tour gehen. Viele Veranstalter haben Stuttgart schon aus ihren Reiseplänen gestrichen, zu alt, zu klein ist die Schleyerhalle für moderne Produktionen. „Da sind wir außen vor, wir bekommen erst gar keine Anfragen mehr“, sagt Kroll.
Wie viel soll der Neubau kosten?
Deshalb streben in.Stuttgart und das Sportamt einen Abriss der Schleyerhalle und einen Neubau für knapp 20 000 Besucher an. Wie berichtet soll eine Machbarkeitsstudie erstellt werden. Sie soll Anfang nächsten Jahres vorliegen. 2022 soll der Gemeinderat entscheiden, wie es weitergeht; der Abriss und Neubau für 250 Millionen Euro könnte nach der Fußball-EM 2024 beginnen. Geprüft hat man auch einen Neubau auf dem Parkplatz P9 oder auf dem Wasen, aber dann hätte kein Landwirtschaftliches Hauptfest oder ein großes Volksfest dort stattfinden kann. „das kommt nicht in Frage“, sagt Kroll. Also sei Abriss und Neubau an der bisherigen Stelle letztlich die einzig sinnvolle Option.
Was ist das Problem?
Die betagte Halle ist fast 40 Jahre alt. Sie plagen drei Probleme. Erstens genügt die Infrastruktur den Anforderungen heutiger Produktionen nicht mehr. Die Schleyerhalle ist 14 Meter hoch, mit Tricksen kommt man auf 16 Meter über der Bühne. Doch selbst das ist zu niedrig. Viele Künstler orientieren sich bei ihren Bühnenshows an modernen Hallen mit Oberrang, die mindestens 20 Meter hoch sind. Auch der Sport hat seine Probleme mit der Halle. Die Turner moserten vor ihrer WM 2019 über die mangelnde technische Ausstattung. Das zweite Problem ist die Modernität. Trotz mehrmaliger Sanierungen sind Umkleideräume, Kioske, Eingangsbereich und Technik nicht mehr auf dem neuesten Stand. So gibt es in anderen Hallen raumfüllende LED-Wände. Am Oberrang läuft oft noch ein LED-Band mit Werbung.
Was macht die Konkurrenz?
Das führt zu Punkt drei: dem Geld. Für viele Künstler und Veranstalter, sagt Kroll, ist die Zahl der Sitzplätze das entscheidende Kriterium. 10 500 können in der Schleyerhalle sitzen, beim Nachbarn, der SAP-Arena in Mannheim, sind es gut 3500 Sitzplätze mehr. Das heißt summa summarum auch 350 000 Euro mehr Umsatz. Das führt dazu, dass für manche Agenturen und Künstler Stuttgart nicht mehr als Konzert-Ort in Frage kommt. Ein Problem, das sich verschärfen wird. Frankfurt plant den Bau einer Halle für 25 000 Menschen. München denkt für eine neue Veranstaltungshalle an der Messe in ähnlichen Dimensionen In Stuttgart hält Kroll eine Kapazität von 20 000 Besucher „für sinnvoll“. Für mehr Plätze könne man nur in die Höhe gehen, „die Baukosten steigen dabei aber exorbitant, man baut dort die schlechtesten Plätze für das teuerste Geld.“