Die Tage der Trafostation (links) sind gezählt. Der Platz insgesamt ist zwischenzeitlich einigermaßen heruntergekommen. Foto: Benjamin Schieler

Die alte Nähstube in der Trafostation am Bihlplatz wird abgerissen. Das Gebäude zu sanieren, wäre für die EnBW zu teuer geworden. Danach sollen Anwohner über die Umgestaltung des Platzesnachdenken

S-Süd - Lange lagen die Pläne für die Umgestaltung des Bihlplatzes in der Schublade, nun tut sich etwas. In diesen Tagen möchte die EnBW mit dem Anriss einer alten Trafostation beginnen und Platz schaffen für die große Lösung, die sich Stadtverwaltung und Bezirksbeirat immer gewünscht haben. Gebaut werden soll ab Frühjahr, für Anfang November ist eine Anwohnerbeteiligung vorgesehen. Wie viel die Heslacher wirklich entscheiden können, ist aber offen.

Fast auf den Tag genau zwei Jahre nachdem Isabel Könekamp, Landschaftsarchitektin und Bezirksingenieurin im Garten-, Friedhofs- und Forstamt, die detaillierten Pläne erstmals im Bezirksbeirat vorgestellt hatte, kehrte sie ins Gremium zurück. Im Gepäck brachte sie gute Nachrichten mit. Das Gebäude am Rande des Platzes, in dem eine Trafostation der EnBW untergebracht ist, wird demnächst abgerissen. Die langen Diskussionen über die alte Nähstube sind damit beendet. Zwar hat sich nichts daran geändert, dass die EnBW den Standort zur Energieversorgung der Umgebung braucht, eine Sanierung des maroden Gebäudes hat sich aber als teurer erwiesen als ein kleiner Neubau, der nahe der Tiefgarage in der Böcklerstraße entstehen soll.

320 000 Euro stehen für die Umgestaltung bereit

Der Abriss schafft Gestaltungsraum – und in der Verwaltung sieht man ihn als Signal zum Aufbruch. 320 000 Euro stehen für die Aufhübschung parat, das Geld kommt aus der Stadtentwicklungspauschale (Step), die kleine Projekte zur Verbesserung des Wohnumfelds in der Innenstadt und in Bad Cannstatt fördert. Für den Bihlplatz soll die Verbesserung vor allem zweierlei heißen: mehr Transparenz und mehr Aufenthaltsqualität. „Der Platz erweitert sich gewaltig“, sagt Könekamp, die mehr Sitzmöglichkeiten schaffen und zwei neue Spielgeräte aufstellen will. Eine beschädigte Ulme und ein Ahornbaum müssen weichen, zwei kleine Kugelahorne könnten dafür gepflanzt werden.

Die Landschaftsarchitektin hat so manche Idee zur Veränderung, komplett in Stein gemeißelt ist ihre Planung aber nicht. Wie vor zwei Jahren vom Bezirksbeirat gefordert, soll es einen Runden Tisch geben, an dem sich Anwohner dazu äußern können, was sie sich am neuen Bihlplatz vorstellen. Der neue Bezirksvorsteher Raiko Grieb bemüht sich um einen Termin in der ersten oder der zweiten Novemberwoche mit einer Ortsbegehung und einer Diskussion.

Bezirksbeiräte mahnen offene Bürgerbeteiligung an

Grieb stellte jedoch klar: die Heslacher müssen sich am vorliegenden Entwurf orientieren. „Die Anwohner sollen einen Nutzen haben. Wir können bei der Planung aber nicht wieder bei null anfangen“, sagte er. Das wiederum alarmierte einige Bezirksbeiratsmitglieder. Wolf-Dieter Wieland (FDP) äußerte den Eindruck, es sei bereits zu viel festgelegt. „Das ist dann keine echte Bürgerbeteiligung mehr.“ Wolfgang Jaworek von den Grünen forderte, dass die Stadt den Anwohnern mehr zugestehen müsse, als nur „eine fertige Planung abzusegnen“.

Für Raiko Grieb steht das außer Frage. Über Details ließe sich selbstverständlich sprechen, erst mit den Anwohnern, und dann – ausgehend von deren Reaktionen auf die Vorstellungen Könekamps – auch noch einmal im Bezirksbeirat. Roland Petri von der CDU lobte den Entwurf der Landschaftsarchitektin derweil als qualitativ hochwertige Basis und warb für mehr Gelassenheit. Zumal man sich im Gremium offenbar einig ist: ein echter Zeitdruck besteht nicht. „Nur weil wir dort bald eine Brache haben, müssen wir nicht sofort bauen“, sagte Wolfgang Jaworek. Das Geld für die Umgestaltung bleibe schließlich erhalten.

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