Das Breuninger-Parkhaus im Bohnenviertel ist inzwischen abgerissen. Auch die Probleme mit Wasserschäden seit dem Baubeginn für den Mobility Hub scheinen sich offenbar verflüchtigt zu haben. Die Frage nach den Gründen bleibt aber weiter offen.
Es ist nicht zu übersehen. Das Breuninger-Parkhaus im Stuttgarter Bohnenviertel ist verschwunden, der Abriss ist so gut wie abgeschlossen. Und auch ein anderes Problem scheint sich in Luft aufgelöst zu haben: Seit Baubeginn für den neuen Mobility Hub an der Hauptstätter Straße (B 14) Mitte Mai waren immer wieder Keller der Gebäude an der Esslinger Straße vollgelaufen. Das ist nun offenbar nicht mehr der Fall. Nach wie vor nicht geklärt ist jedoch die Schuldfrage zwischen den Geschäftsleuten und der Stadt.
420 000 Liter aus einem Keller gepumpt
„Die Arbeiten liegen voll im Zeitplan“, erklärt Jochen Merkle, der Sprecher der von der Stadt und Breuninger für das Projekt beauftragten PresseCompany. Derzeit wird der Treppenturm auf der Seite Richtung Leonhardsplatz abgebaut, Teile davon sollen wiederverwendet werden. Parallel dazu läuft der unterirdische Rückbau. In den kommenden Wochen soll dann mit den vorbereitenden Maßnahmen für den Bau des Mobility Hub und des angrenzenden Hauses für Film und Medien auf dem rund 3000 Quadratmeter großen Areal begonnen werden.
Ebenfalls eine noch offene Baustelle ist aus Sicht der Anwohner die Frage nach den Gründen für die Wasserschäden. Seit Beginn der Abrissarbeiten waren immer wieder Keller in den Gebäuden an der Esslinger Straße vollgelaufen. Am 27. Mai waren nach starken Regenfällen laut der Stuttgarter Berufsfeuerwehr zehn Einsatzkräfte fünf Stunden lang vor Ort, um das Wasser aus dem Untergeschoss des am stärksten betroffenen Imbisses House of Kebab zu pumpen, laut dessen Inhaber Salam Siringül waren es rund 420 000 Liter. Nicht der einzige Fall, auch andere Gebäude waren betroffen.
Stadt weist Verantwortung zurück
Doch in den vergangenen Wochen blieben trotz teils starker Regenfälle weitere Überschwemmungen aus. „Die Wasserschäden sind wie eine Fata Morgana verschwunden“, sagt Christoph Bühler, der Eigentümer eines der Häuser in der Esslinger Straße. Die Stadt weist jeden Zusammenhang mit dem Abriss des Breuninger-Parkhauses und der Stadtentwässerung (SES) zurück. Dabei musste für die Baustelle nicht nur die B-14-Rampe zum Charlottenplatz gesperrt, sondern auch ein Abwasserkanal gekappt werden. Dennoch bestehe kein Handlungsbedarf, sagt eine Stadtsprecherin.
Genau das bezweifeln die Betroffenen. Schließlich gab es solche Überschwemmungen in den vergangenen Jahrzehnten nicht. „Es ist wohl eher zu vermuten, dass es einen Fehler gab, der nun behoben wurde“, mutmaßt Bühler. Anhaltspunkt ist für ihn, dass die bislang als Ersatz dienenden Pumpen und oberirdischen Wasserleitungen auf einmal wieder verschwunden seien. Dennoch glaubt er nicht, dass die Stadt einen etwaigen Fehler auch einräumen wird. „Deshalb werde ich wohl für den entstandenen Schaden selbst aufkommen müssen.“
Wasserrohrbruch in der Pfarrstraße entdeckt
Das wollen Imbiss-Betreiber Siringül und der vom Hausbesitzer beauftragte Architekt Michael Kienzl nicht einfach hinnehmen. „Es kann nicht sein, dass die Stadt die Menschen einfach auf den Kosten sitzen lässt“, sagt Kienzl. Denn die Versicherung springt bei Schäden durch Grundwasser nicht ein. Beide haben ihre Anwälte eingeschaltet, denn allein die Kosten für den Feuerwehreinsatz belaufen sich auf mehrere Tausend Euro. Inzwischen hat Siringül den kaputten Lastenaufzug für die Anlieferung der Waren und auch die defekten Kühlschränke im Keller ersetzt. „Aber die Wände lasse ich vorerst nicht streichen. Wer weiß, ob nicht doch wieder etwas passiert“, sagt der Geschäftsmann.
Hoffnung, die Stadt doch noch als Verantwortlichen identifizieren zu können, schöpfen beide aus der Tatsache, dass erst vor wenigen Tagen im Auftrag der Stadtenwässerung die Leitungen im Bohnenviertel weiter untersucht wurden. Ergebnisse lägen laut einer Stadtsprecherin noch nicht vor. „Nach Aussagen von Mitarbeitern wurde ein Wasserrohrbruch in der Pfarrstraße entdeckt, bei dem die Leitung auch abgesackt ist“, will Siringül hingegen aus Gesprächen erfahren haben. Die Vermutung liege nahe, dass „ein Zusammenhang besteht“.
Unterführung unter der B 14 gesperrt
Außerdem ist seit wenigen Tagen – entgegen aller Versprechungen vor Baubeginn – die Unterführung unter der Hauptstätter Straße zwischen der Innenstadt und dem Bohnenviertel auf Höhe der Stadtbahnhaltestelle Rathaus gesperrt. Es bleiben nur Umwege oder der zeitraubende Ampelübergang über die B 14. „Davon war nie die Rede. Uns geht neben der bereits belastenden Umleitung vor der Haustür und dem Baulärm nun noch weitere Laufkundschaft verloren“, sagt Siringül – ganz zu schweigen von den Kosten durch die Überschwemmungen.