Joseph Martin Kraus Foto: Wikipedia

Brüder im Geiste: Die Trauermusiken von Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Martin Kraus erklingen am 9. und 10. Februar in der Liederhalle Stuttgart.

Ob sich Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Martin Kraus persönlich gekannt haben, dafür gibt es keine Beweise – allenfalls Indizien. Aber sie hätten sich kennenlernen können. Beide Komponisten wohnten 1783 in Wien, beide residierten am Kohlmarkt. Sie hätten sich dort als Nachbarn begegnen können.

Im Nachhinein lässt sich diese Frage wohl nicht mehr beantworten. Erstaunlich sind dennoch die Parallelen im Leben der beiden Männer: Sie wurden im Jahr 1756 geboren und starben sehr früh im Alter von 35 beziehungsweise 36 Jahren. Beim dritten Abo-Konzert der Internationalen Bachakademie in dieser Saison treffen jedenfalls ihre jeweils letzten Werke aufeinander: Mozarts Requiem d-Moll und die Symphonie funèbre c-Moll von Kraus. Mozart starb über der Komposition seines Requiems, und auch Kraus’ Leben endete mit der Komposition seiner Trauermusik zum Tod des schwedischen Königs Gustav III. Als dessen Hofkapellmeister ging ihm sein Tod besonders nahe.

„Das hat mich damals umgehauen“

Am 9. und 10. Februar erklingen beide Werke jeweils an einem Abend unter Leitung von Hans-Christoph Rademann mit der Gaechinger Cantorey und den Solisten Sarah Wegener (Sopran), Julia Böhme (Alt), Patrick Grahl (Tenor) und Krešimir Stražanac (Bass). Schon seit Längerem hatte Hans-Christoph Rademann, künstlerischer Leiter der Akademie, den Wunsch, Mozarts Requiem mit der neu gebildeten Gaechinger Cantorey aufzuführen.

Üblicherweise wird das Werk mit Mozarts „Maurerischer Trauermusik“ zu einem abendfüllenden Programm kombiniert. Doch Chefdramaturg Henning Bey hatte eine andere Idee. Schon in den Neunzigern war er nämlich über Aufnahmen des renommierten Ensembles Concerto Köln gestolpert. Die Musiker hatten die Werke von Kraus wiederentdeckt und auf CD eingespielt, darunter eben auch die Symphonie funèbre c-Moll. „Das hat mich damals umgehauen“, sagt Bey. Und daran hat sich bis heute nichts geändert.

Die viersätzige Sinfonie hat das Pathos eines großen Staatsaktes. Gustav III. wurde während eines Maskenballs im Beisein von Kraus ermordet. Was Giuseppe Verdi später als Handlung für seine Oper „Ein Maskenball“ verwendete, stürzte Kraus in tiefe Trauer. War doch Gustav III. sein Gönner, dem er viel verdankte.

Im November soll Mozarts Requiem noch von Friederike Rademann choreografisch umgesetzt werden. Zuvor erklingen aber nun das Werk, das Kraus zur Aufbahrung des schwedischen Königs Gustav III. in der Riddarholmskirche komponiert hat, und Mozarts Requiem unmittelbar nach­ein­ander. „Da treffen sich die beiden dann wirklich“, sagt Bey lachend.

Abo-Konzert III: 9. und 10. Februar, jeweils 19 Uhr, Liederhalle, Tickets unter 07 11 / 6 19 21 32

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