Tortur Abitur: Die Prüfungen sind eine Nervenprobe für Schüler und Lehrer. Foto: dpa

Derzeit beschweren sich die Abiturienten in Baden-Württemberg über das Gemeinschaftskunde-Abi. Ein Blick ins Archiv zeigt: So etwas kommt immer wieder vor.

Stuttgart - Mal sind die Prüfungsaufgaben zu schwer. Mal müssen sie in der allerletzten Sekunde ausgetauscht werden. Das Abitur bringt nicht nur Schüler zum Schwitzen – es gibt auch immer wieder Ärger und Pannen rund um die Prüfungen zur Hochschulreife.

Derzeit beschweren sich die Abiturienten in Baden-Württemberg, das Gemeinschaftskunde-Abi sei zu schwer gewesen. Eine Teilaufgabe habe ein Thema enthalten, dass an vielen Schulen im Unterricht nicht behandelt worden sei – obwohl es im Bildungsplan als Pflichtstoff aufgeführt war.

Ein Blick in die Archive zeigt: Kein Einzelfall. Wir haben ähnliche Beispiele zusammengetragen.

2018: Mathe-Abitur

Keine große Sache, aber dennoch ärgerlich für die Abiturienten: Sie konnten mit dem schriftlichen Mathe-Abi erst 30 Minuten später starten – wegen eines Vorfalls im fernen Niedersachsen. Da waren Unbekannte in ein Gymnasium eingebrochen. Weil nicht ausgeschlossen werden konnte, dass die Prüfungsaufgaben aus dem länderübergreifenden Aufgabenpool bekannt geworden seien, kamen Ersatzaufgaben zum Einsatz.

2018: Englisch-Abitur

„The spinning disk of the late afternoon sun slanted behind her, and to those on board who gazed, her features were charred with shadow, her depths exhausted, her masses ironed to one single plane.“ Mit diesen poetischen Worten wurde die US-amerikanische Freiheitsstatue besungen – viel zu schwierig für ein Englisch-Abi fanden viele Schüler 2018 und starteten eine Online-Petition: „Englisch Abitur 2018 Baden-Württemberg unfair!“ Die Noten der Prüflinge waren aber schließlich nicht schlechter als die des Abiturjahrgangs ein Jahr zuvor.

2017: Mathe- und Englisch-Abitur

2017 war so richtig der Wurm drin: Anfang April brachen unbekannte Täter ins Sekretariat des Stuttgarter Solitude-Gymnasiums ein und öffneten die versiegelten Umschläge mit den Abiaufgaben in Mathe und Englisch. Alle Aufgaben in diesen Fächern mussten ausgetauscht werden – teilweise sogar in anderen Bundesländern. Offenbar nicht alle Schulen kriegten das auf die Reihe: Abiturienten aus Sandhausen im Rhein-Neckar-Kreis bekamen bei ihrer Englisch-Prüfung die alten Aufgaben vorgelegt.

2017: Deutsch-Abitur

Eine falsche Jahreszahl sorgte beim schriftlichen Deutsch-Abi im Jahr 2017 für Probleme: Bei der Kurzgeschichte „Auf der Felsenkuppe“ von Christoph Meckel war in den Prüfungsunterlagen das Veröffentlichungsdatum mit 1949 angegeben, statt korrekterweise mit 1960. Das Kultusministerium wies alle Schulen an, am Prüfungstag die richtige Jahreszahl bekannt zu machen – an zwei Gymnasien in Östringen und Heidelberg geschah das aber nicht.

2008: Chemie-Abitur

„Bildungsenthalpie“ statt “Reaktionsenthalpie“ – beim Chemie-Abi des Jahres 2008 hakte es wegen einer unklaren Formulierung. Mit Hilfe einer Telefonkette wurden die Gymnasien über die Richtigstellung informiert. Die Prüfung fiel dennoch recht gut aus. Nur sehr wenige Prüflinge nahmen den Wiederholungstermin wahr.

1998: Mathe-Abitur

Zu schwer – beim schriftlichen Mathe-Abitur im Jahr 1998 schnitten die baden-württembergischen Schüler im Durchschnitt einen Notenpunkt schlechter ab als der Abitursjahrgang ein Jahr zuvor. Die Aufgaben waren zu knifflig, die Zeit nicht ausreichend und manches hatten die Schüler im Unterricht gar nicht behandelt.

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