Die FDP verpasst den Einzug in den Landtag. Das bedeutet auch das Aus für den umtriebigen Stuttgarter Abgeordneten Friedrich Haag. Der sieht dennoch Positives.
Viermal Grüne, einmal SPD, einmal AfD – macht zusammen künftig sechs Abgeordnete aus Stuttgart im Landtag von Baden-Württemberg. Die Landeshauptstadt zählt damit einen Vertreter weniger im Parlament als bisher. Dabei gab es einige Wechsel. Auf der Strecke geblieben ist auch FDP-Mann Friedrich Haag – weil seine Partei den Einzug in den Landtag trotz anderslautender Wahlumfragen nicht geschafft hat.
„Das kam schon überraschend. Wir sind viel auf der Straße unterwegs gewesen in den vergangenen Wochen und haben da immer eine positive Resonanz gehabt“, sagt der 37-Jährige. Doch man sei Opfer der Zuspitzung auf Özdemir und Hagel geworden. Sein eigenes Ergebnis liegt über dem Landesschnitt. 6,6 Prozent der Erststimmen hat er im Filderwahlkreis geholt, ebenso 6,6 Prozent der Zweitstimmen. Das ist das beste Ergebnis der Liberalen in Stuttgart, aber auch darüber hinaus.
Und ein Grund für Haag, trotz allem optimistisch nach vorn zu schauen. „Mein Ergebnis und die Reaktionen bestärken mich. Ich beende jetzt bestimmt nicht meine politische Karriere“, sagt der Unternehmer. Ob er sich beim nächsten Mal eine erneute Kandidatur vorstellen kann? Dafür ist es noch zu früh, doch ausschließen mag Haag das nicht.
„Ich trage das Aus mit Fassung“, sagt er. Immerhin habe er jetzt wieder mehr Zeit für den Beruf. Haag betreibt in Stuttgart zwei Tankstellen, arbeitet zudem im Nebenerwerb gemeinsam mit seinem Bruder als Landwirt. Dazu sitzt er als FDP-Vertreter im Gemeinderat. Während er im Landtag noch Fraktionssprecher für Wohnungsbau und individuelle Mobilität ist, Mitglied in zwei Ausschüssen und stellvertretendes Mitglied in acht weiteren Ausschüssen, hat er im Gemeinderat bisher eher zurückhaltend agiert. „Ich bin im Umwelt- und Klimaausschuss. Daran wird sich zunächst einmal auch nichts ändern“, sagt er.
Sorgen macht er sich dennoch um die Landeshauptstadt. „Es gibt jetzt keine bürgerlichen Vertreter der Stadt mehr im Landtag“, sagt Haag. Das sei für Stuttgart „kein gutes Signal“, zumal es nun einen Abgeordneten weniger gebe als zuvor. Ins selbe Horn hatte bereits Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) gestoßen. Haag hofft, „dass diejenigen, die Stuttgart nun vertreten, sich um wichtige Themen kümmern, die mir am Herzen liegen“. Dazu zählt er die Sicherheit in der Stadt oder Liegenschaften, etwa den Leerstand im früheren Café Planie, die künftige Landeserstaufnahmestelle für Geflüchtete in Weilimdorf oder die geplante Forensik in Bad Cannstatt.
Offen ist auch, ob sich der VfB-Landtagsfanclub nun einen neuen stellvertretenden Vorsitzenden suchen muss. Dieses Amt hat Haag bisher bekleidet. „Das muss ich noch klären“, sagt er mit einem Schmunzeln. Immerhin: Mitglied darf er als dann ehemaliger Abgeordneter auch in Zukunft bleiben. Immerhin ein schwacher Trost.