Die Brandruine an der Welzheimer Straße steht noch Foto: Gottfried Stoppel

Die Ausschreibung für den Ersatz der zerstörten Flüchtlingsunterkunft in Unterweissach hat nicht die erwartete Resonanz gebracht. Auch die Suche nach dem Brandstifter blieb erfolglos: Die Polizei hat die Ermittlungen gegen Unbekannt eingestellt.

Weissach im Tal - Mehr als ein halbes Jahr nach dem Brand eines Gebäudes im Weissacher Tal, das zur Unterbringung von Flüchtlingen vorgesehen war, hat sich der Wiederaufbau verzögert. Wie berichtet, hatte sich der Gemeinderat der Kommune noch im vergangenen Sommer einstimmig darauf verständigt, an der selben Stelle im Teilort Unterweissach eine neue Flüchtlingsunterkunft zu errichten – auch, um ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit zu setzen, die hinter dem Brandanschlag vermutet wird.

Ungenügende Angebote nach Ausschreibung

Doch die Brandruine an der Welzheimer Straße ist noch immer nicht abgerissen. Der vorgesehene Bau mit fünf Wohneinheiten und 20 Schlafplätzen sei zurzeit etwas ins Stocken geraten, räumt der Bürgermeister der Gemeinde, Ian Schölzel, auf Anfrage ein. Zwar seien die Baupläne schnell erstellt und das Baugesuch vom Technischen Ausschuss des Gemeinderats abgesegnet worden, doch bei der Ausschreibung der Bauarbeiten habe man nicht das gewünschte Ergebnis erzielt.

Lediglich sechs Firmen hätten sich dafür interessiert, das Haus als Generalunternehmer schlüsselfertig zu errichten. Die eingereichten Angebote allerdings seien alles andere als zufriedenstellend gewesen. Die Hälfte habe schon allein aus formalen Gründen aussortiert werden müssen, etwa weil vorgegebene Leistungen wie Leuchten oder Rauchmelder nicht aufgeführt oder Mindestgrößen nicht eingehalten wurden.

Das günstigste Angebot der drei Firmen, die letztlich gewertet werden konnten, habe schließlich gut 115 000 Euro über jenem Betrag gelegen, der von der Versicherung als Schadensersatz zu erwarten sei, sagt Schölzel. Man habe sich deshalb zunächst entschieden, die Ausschreibung aufzuheben. Ein beauftragter Fachanwalt prüfe zurzeit, ob diese Aufhebung auch rechtssicher sei.

Dennoch ist Schölzel zuversichtlich, dass der Gemeinderat noch an diesem Donnerstag eine Entscheidung fällen kann, wie in Sachen Wiederaufbau weiter verfahren wird. Eine Neuausschreibung der Leistungen sei unter Umständen nicht nötig und ein Baustart vielleicht noch im ersten Halbjahr möglich. Genaueres will der Schultes aber erst nach Abschluss der juristischen Prüfungen bekannt geben.

Polizei stellt Ermittlungen zu Brandstiftung ein

Die Polizei, die unmittelbar nach dem Brand in der Nacht auf den 24. August eine Sonderkommission eingerichtet hatte, hat den Fall mittlerweile ungelöst zu den Akten gelegt. Die Ermittlungen hätten eine Brandstiftung nachgewiesen, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Aalen auf Nachfrage. Einen Tatverdächtigen aber habe man nicht ausmachen können. Die Ermittlungen gegen Unbekannt seien abgeschlossen worden.

Der avisierte Wiederaufbau des Gebäudes an der Welzheimer Straße sei indes nicht der einzige Beitrag, den die Kommune in Sachen Flüchtlingsunterbringung leiste, betont der Bürgermeister. Aktuell habe man rund 80 Asylbewerbern ein Obdach eingerichtet. Die erste Gemeinschaftsunterkunft im Alten Schulhaus in Oberweissach mit rund 30 Plätzen entwickle sich entgegen anfänglicher Bedenken seitens der Bürgerschaft gut. Die Strategie einer „Integration vom ersten Moment an“ habe sich bewährt.

Möglicherweise schon im April könnten in einer ehemaligen Druckerei in Unterweissach weitere Plätze hinzu kommen – allerdings lediglich 80 statt der vom Landratsamt ursprünglich angedachten 160. Die Flüchtlinge sollen nach Umbaumaßnahmen in den vorderen Trakt, der bisher als Büro und Wohnung genutzt wurde, einziehen. Die Druckereihalle aber wolle ein Investor für gewerbliche Zwecke nutzen.

Zudem habe man weitere Objekte mit insgesamt 50 bis 60 Plätzen im Blick, so dass die Gemeinde auch ohne den Wiederaufbau des abgebrannten Gebäudes das voraussichtliche Jahreskontingent von etwa 150 Personen erfülle. Dennoch ist dem Bürgermeister ein rascher Baustart ein Anliegen – als ein klares Signal gegen Fremdenfeindlichkeit.

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