Der Wiesbadener Gold-Erdogan wird abtransportiert. Foto: epd

Eine goldene Erdogan-Statue, die als Installation der Wiesbaden Biennale auf einem Platz der Stadt enthüllt worden war, ist abgebaut worden. Grund sind Sicherheitsbedenken der Stadt. Aber die Kunstfreiheit ist dennoch beschnitten, findet Kunstkritikerin Amber Sayah.

Wiesbaden - „Bad News“ heißt das Motto des Kunstfestivals Wiesbaden Biennale in diesem Jahr. Das Staatstheater Wiesbaden, das das elftägige Festival in Kooperation mit dem Museum, dem örtlichen Kunstverein und weiteren Kultureinrichtungen organisiert, hat sich die Auseinandersetzung mit dem öffentlichen Raum zum Thema gemacht und dabei keine Scheu vor den verrücktesten Ideen gehabt. Insgesamt 25 Künstler haben die Bühne des Staatstheaters in ein öffentliches Parkhaus verwandelt, das Theaterfoyer zum Rewe-Supermarkt umfunktioniert und an einer Außenstelle des Theaters ein „Migrantenstadl“ eröffnet. Probleme, die gerade im Mittelpunkt der gesellschaftlichen Debatten stehen, werden mit Witz, Verstand und Provokationslust in Bildern und Räumen auf den Punkt gebracht.

Dazu gehörte auch eine goldene Erdogan-Statue auf dem Platz der Deutschen Einheit. Nach Auseinandersetzungen von Gegnern und Anhängern des türkischen Präsidenten ist die überlebensgroße Figur, die ganz in der Tradition von Herrscherbildnissen mit visionärem Zeigefinger – in welche gloriose Zukunft nochmal? – vorausweist, abgebaut worden. Als Grund für die Entfernung wurde von einem Polizeisprecher „eine leicht aggressive Stimmung“ angeführt, der Ordnungsdezernent der Stadt erklärte, dass auch Stichwaffen „gesichtet“ worden seien. Der Intendant des Wiesbadener Staatstheaters, Uwe Eric Laufenberg, hat die Aufstellung des Gold-Präsidenten dagegen als ein Statement für die freie Meinungsäußerung verteidigt. „Wir haben die Statue aufgestellt, um über Erdogan zu diskutieren“, sagte Laufenberg. In einer Demokratie müsse man nun mal alle Meinungen aushalten können, auch kontroverse. Kurz vor dem Besuch des türkischen Staatsoberhaupts in Deutschland ist das keine so abwegige Idee.

Vier Tage hätten Polizei und Verwaltung die Kunstfreiheit noch verteidigen müssen. Vielleicht haben die unsäglichen Vorgänge in Chemnitz die Nervosität aber auch im Westen bei den Ordnungshütern steigen lassen. Jetzt ist die Installation den Sicherheitsbedenken zum Opfer gefallen. Man könnte auch sagen: der Zensur. Bad News.

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