Porsche-Chef Hans Dieter Pötsch verspricht für das laufende Jahr einen Milliardengewinn. Foto: imago stock&people

Der Abgasskandal hat VW in die roten Zahlen gerissen und auch die Porsche Holding hart getroffen. Dies soll jedoch nur ein Ausrutscher gewesen sein.

Stuttgart - Der Absturz von VW in die roten Zahlen hat auch den Großaktionär Porsche Holding mitgerissen. Doch für das laufende Jahr verspricht der Vorstand des Stuttgarter Unternehmens bereits wieder die Rückkehr in die schwarzen Zahlen. Für 2016 sei für Porsche ein Konzernergebnis nach Steuern zwischen 1,4 Milliarden und 2,4 Milliarden Euro zu erwarten, sagte Vorstandschef Hans Dieter Pötsch, der in Personalunion Aufsichtsratschef von VW ist, bei der Vorlage der Bilanz. Im vorigen Jahr verbuchte die Holding wegen der Krise von VW einen Verlust nach Steuern von 273 Millionen Euro. Der Abgasskandal liege derzeit wie ein Schatten über dem VW-Konzern, doch das Kerngeschäft sei „gesund und robust“, sagte Pötsch.

Über die Stuttgarter Holding halten die Familien Porsche und Piëch eine Beteiligung in Höhe von insgesamt fast 31 Prozent an VW und zugleich 52 Prozent der Stimmrechte. Das Aktienpaket macht laut Pötsch 90 Prozent der Vermögenswerte aus. Daneben verfügt die Holding über ein dickes Finanzpolster, mit dem mögliche Schadenersatzzahlungen abgefedert werden sollen. Die Holding ist immer noch in eine ganze Reihe von Prozessen verärgerter VW-Aktionäre verstrickt. Diese haben viel Geld verloren, als der frühere Porsche-Chef Wendelin Wiedeking mit einer feindlichen Übernahme den Wolfsburger Autoriesen erobern wollte und fühlten sich über den Tisch gezogen. Bisher hat Porsche jedoch alle Prozesse gewonnen. Zumindest ein Teil dieses Finanzpolsters soll deshalb seit einigen Jahren auch zum Einstieg bei zukunftsträchtigen Unternehmen rund um die Autobranche genutzt werden. Bisher haben die Stuttgarter indes nur eine kleine Beteiligung am US-Unternehmen Inrix erworben, das eine Vielzahl von Daten sammelt und Verkehrsinformationen in Echtzeit liefert.

Familien Porsche und Piëch sichern sich hohe Dividende

Im vergangenen Jahr ist die Nettoliquidität von fast 2,3 Milliarden auf 1,7 Milliarden Euro zurückgegangen – vor allem weil die Porsche Holding ein Paket von VW-Aktien vom ehemaligen VW-Partner Suzuki übernommen hat. Bis zum Jahresende rechnet Pötsch mit einem weiteren Rückgang auf 1,0 Milliarden bis 1,5 Milliarden Euro. Dieser Rückgang ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die Porsche Holding in diesem Jahr nur eine Mini-Dividende von VW kassieren wird, die Aktionäre des Stuttgarter Unternehmen trotz Krise aber deutlich besser bedient werden - allerdings nur, weil der Porsche-Vorstand sich überraschend korrigiert hat. Am Freitag, den 22. April teilte das Unternehmen mit, dass die Vorzugsaktionäre 0,21 Euro und die Stammaktionäre den ungewöhnlichen Wert von 0,204 Euro erhalten sollten. Dies war ein herber Einschnitt nach den für 2014 gezahlten 2,004 Euro für Stamm- und 2,010 Euro für Vorzugsaktionäre. Sämtliche Stammaktien gehören den Familien Porsche und Piëch. Übers Wochenende trat dann ein Sinneswandel ein, denn am Montag teilte das Unternehmen plötzlich mit, Vorstand und Aufsichtsrat hätten sich „nunmehr“ darüber verständigt, der Hauptversammlung die Ausschüttung einer Dividende von 1,004 Euro je Stammaktie und von 1,01 Euro je Vorzugsaktie vorzuschlagen. Was war geschehen? Weil es in der Pflichtmitteilung vom Montag keine Begründung dafür gab, schossen rasch die Spekulationen ins Kraut. Es gab einen Medienbericht, wonach das eine oder andere Mitglied des Familienclans, das finanziell vielleicht etwas schwach auf der Brust ist, beim Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche interveniert und mehr Geld gefordert habe.

Mehr Geld für Porsche-SE-Aktionäre, weil es VW besser geht?

Vorstandschef Pötsch wies solche Vermutungen indirekt zurück. Über den finanziellen Status der Familienmitglieder habe er keine Informationen und dazu würde er sich auch grundsätzlich nicht äußern. Klar sei jedoch: „Der Dividendenvorschlag ist ein Vorschlag des Vorstands,“ so Pötsch.

Die wundersame Verfünffachung des Dividendenvorschlags begründete er vor allem damit, dass man die Perspektiven von VW nach der Entwicklung im vergangenen Jahr zunächst extrem zurückhaltend beurteilt habe. Am Freitagabend seien aber neue Informationen hinzugekommen, die das Bild aufgehellt hätten. An diesem Tag erreichte VW nämlich nach monatelangen Verhandlungen vor einem Bezirksgericht in San Francisco eine Grundsatzvereinbarung mit dem US-Justizministerium sowie anderen Behörden und Anwälten von VW-Kunden, die mit Sammelklagen drohten. Diese weckten die Hoffnung, dass die Wolfsburger die finanziellen Folgen des Abgasskandals in den kommenden Monaten auch in den USA in den Griff bekommen könnten. Details müssen in den kommenden Monaten allerdings erst noch ausgehandelt werden. Bei der Entscheidung über die Höhe der Dividende gebe es keine feste Formel, so Pötsch, sondern müsste stets ein ganzer Korb von Informationen berücksichtigt werden.

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