Dirk Naber, Bosch-Entwickler für Dieselantriebe, sieht in strengeren Abgasvorschriften auch einen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit der Autohersteller. Foto: LICHTGUT/Max Kovalenko

In der Autoindustrie gibt es große Skepsis gegenüber der geplanten Verschärfung der EU-Abgasvorschriften. Nach Ansicht von Bosch sind strengere Regeln aber auch im Interesse der Hersteller.

Der Stuttgarter Bosch-Konzern warnt die Autohersteller davor, sich angesichts der geplanten Verschärfung der EU-Abgasvorschriften durch die Norm Euro 7 vorzeitig aus der Verbrennertechnologie zurückzuziehen. „Wenn es zu wenige Euro-7-Fahrzeuge in der Flotte gibt, besteht keine Chance, strengere Vorgaben zur Luftqualität einzuhalten, wie sie in der EU zu erwarten sind“, sagte Dirk Naber, Bosch-Entwickler für Dieselantriebe, unserer Zeitung. „Werden die Luftqualitätsvorgaben nicht eingehalten, drohen erneut Fahrverbote.“

 

Auch in Baden-Württemberg sei erneut mit Fahrverboten zu rechnen, wenn es in der EU zu der diskutierten Halbierung der Grenzwerte für Stickoxide und Feinstaub ab 2030 komme. Derzeit liefen Studien, die darauf hindeuteten, dass im Land an sehr vielen Stellen ein halbierter Grenzwert für Stickoxide ohne Euro 7 nicht sicher eingehalten werden könne. Mit ausreichend Euro-7-Fahrzeugen sei er dagegen zumindest annähernd erreichbar.

Es geht auch um Wettbewerbsfähigkeit

Auch für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Autohersteller wäre ein Verzicht auf Euro 7 nach Nabers Aussagen schädlich. Er würde „dazu führen, dass wir schon bald in Europa veraltete Motoren fertigen. Damit wird der Umwelt nicht geholfen.“ Außerdem könnte die Industrie den Anschluss verlieren, da es in Weltregionen wie China und Kalifornien zum Teil bereits ambitioniertere Grenzwerte gebe als in der EU.

Zur Finanzierung der Elektromobilität seien Autohersteller weiter auf den Verkauf von Verbrennermodellen angewiesen. Diese werde es in China noch wesentlich länger geben als in der EU, die 2035 aus der Technologie aussteigen will.

Die Debatte über Euro 7 geht nach Bosch-Einschätzung inzwischen in die richtige Richtung. Bisher hatte sich die Autoindustrie heftig dagegen gewehrt, dass die Grenzwerte künftig selbst unter extremen Fahrbedingungen wie einem Kaltstart am Berg eingehalten werden sollten. Nun sei man „optimistisch, dass wir uns nicht auf die Extremszenarien einstellen müssen“, so Naber. Je nach Fahrzeugtyp und Hersteller rechne man nun mit Zusatzkosten pro Fahrzeug zwischen 200 Euro bei Pkw und 1000 Euro bei Transportern.

Zulieferer Bosch hat ein Interesse an der Einführung von Euro 7, weil das Unternehmen in diese Technologie bereits einen nicht bezifferten Betrag investiert hat und inzwischen die erforderlichen Komponenten liefern kann. Autohersteller fürchten dagegen, die Mehrkosten nicht voll in den Preisen weitergeben zu können.

IHK: Im Vordergrund steht die E-Mobilität

Die IHK Region Stuttgart fordert, die von der EU vorgeschlagenen Fristen für den Start von Euro 7 zu ändern. Bisher ist von Mitte 2025 die Rede. Viele Hersteller hatten angekündigt, bis dahin nicht die gesamte Modellpalette umstellen zu können. Die Branche dürfe durch Euro 7 zudem „nicht mit Investitionen in die auslaufende Technologie des Verbrennungsmotors gebremst werden“, erklärte IHK-Hauptgeschäftsführerin Susanne Herre unserer Zeitung. Für Hersteller und Zulieferer stehe die Entwicklung der E-Mobilität und neuer Technologien im Vordergrund.