Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann verurteilt die Dieselabgasversuche. Foto: dpa

Nach dem Bekanntwerden von Dieselabgastests an Menschen und Tieren, häuft sich die scharfe Kritik von Seiten der Politik. Auch die baden-württembergische Landesregierung zeigt sich entsetzt.

Stuttgart - Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) findet klare Worte zu den Versuchen der europäischen Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor (EUGT) in Aachen. „Solche Versuche lehnen wir entschieden ab. Die widersprechen jedem ethischen Handeln. Das geht gar nicht“, sagte Kretschmann unserer Zeitung und verlangt: „Die Vorgänge müssen aufgeklärt werden und zwar vollumfänglich.“

„Widerwärtig“, nennt Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne), „dass im Auftrag deutscher Konzerne zu PR-Zwecken in den USA Studien durchgeführt worden sind, bei denen Affen stundenlang Dieselabgasen ausgesetzt wurden“. Es sei davon auszugehen, „dass solche Versuchsanordnungen mit Tieren in Deutschland nicht genehmigungsfähig wären“, erklärte Bauer auf Anfrage. Sie würde sich wünschen, „dass deutsche Konzerne die hohen Forschungs- und Tierschutz-Standards hier akzeptieren und sich nicht in die laxere Gesetzgebung der USA flüchten.“ Nach deutschem Tierschutzrecht seien Versuche, die ein rein wirtschaftliches Interesse verfolgten, nicht genehmigungsfähig.

Erneuter Vertrauensverlust gegenüber Fahrzeugherstellern

Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) sagte unserer Zeitung: „Die Studien zur Wirkung von Stickstoffdioxid auf Affen und Menschen der EUGT sind inakzeptabel. Das wirft erneut ein schlechtes Bild auf die beteiligten Fahrzeughersteller. Die Vorgänge müssen vollständig und konsequent aufgeklärt werden. Eine derartige Vorgehensweise trägt mit Sicherheit nicht dazu bei, das Vertrauen in die Branche zurückzugewinnen. Sie trägt auch nicht zur Lösung unserer Luftreinhalteproblematik in Städten bei. Die Branche sollte ihr Engagement besser noch stärker auf zukunftsfähige emissionsarme Technologien konzentrieren.“

Nach übereinstimmenden Medienberichten hat ein von mehreren Autokonzernen finanzierter Verein umstrittene Versuche nicht nur mit Affen, sondern auch mit Menschen gemacht. In der Kritik steht die EUGT. Der im Vorjahr aufgelöste Verein soll bei seinen Abgasversuchen Affen und Menschen dem Reizgas Stickstoffdioxid ausgesetzt haben.

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