Daimler betont erneut, bei Abgaswerten von Dieselmotoren nicht manipuliert zu haben. Foto: dpa

Der Stuttgarter Autobauer Daimler bekräftigt, keine Manipulationen bei Diesel-Abgasmessungen vorgenommen zu haben. Südwestmetall-Chef Wolf warnt unterdessen davor, die Automobilbranche nach dem VW-Skandal unter Generalverdacht zu stellen.

Stuttgart - In der Debatte um manipulierte Diesel-Abgaswerte hat der Stuttgarter Autobauer Daimler bekräftigt, eine weiße Weste zu haben. „Wir halten uns grundsätzlich an die gesetzlichen Vorgaben und haben keinerlei Manipulationen an unseren Fahrzeugen vorgenommen“, sagte ein Konzernsprecher am Donnerstag. Bereits am Montag hatte der Autobauer dies festgestellt.

Seither wurden immer wieder Vermutungen laut, neben VW könnten auch andere Autobauer bei Messungen getäuscht haben. Die Grünen appellierten an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), auch Fahrzeuge anderer Hersteller überprüfen zu lassen.

Daimler: Nutzen die von VW verwendet Software nicht

Volkswagen hatte eine spezielle Software eingesetzt, die bei Tests zu einer besseren Abgasreinigung und geringeren Schadstoffwerten führte als im Normalbetrieb der Autos. Solch eine Software – auch „Defeat Device“ genannt – nutze Daimler nicht, betonte der Sprecher. Mit Blick auf einen drohenden Imageschaden für die Dieseltechnologie in den USA sagte er, man rechne nicht mit nennenswerten Beeinträchtigungen für die US-Geschäfte.

Diesel hat für Daimler in den USA eine eher nachrangige Bedeutung. Nur etwa fünf Prozent der dort verkauften Fahrzeuge des Autobauers haben Firmenangaben zufolge einen Dieselmotor.

Betroffener Motorentyp auch bei Audi verbaut

Im Abgas-Skandal bei Europas größtem Autobauer Volkswagen müssen auch vier Modellreihen der Tochter Audi unter die Lupe genommen werden. Der Motor vom Typ EA 189 sei auch in Fahrzeuge der Modellreihen A1, A3, A4 und A6 verbaut worden, sagte ein Audi-Sprecher am Donnerstag in Ingolstadt. Zuvor hatte es entsprechende Medienberichte gegeben.

Die genauen Baujahre und die Anzahl der Fahrzeuge könnten aber noch nicht genannt werden. Ob die Autos von den Software-Manipulationen betroffen seien, könne er ebenfalls noch nicht sagen.

Auch der Volkswagen-Konzern bereitet unter Hochdruck eine Liste der von der Abgas-Affäre betroffenen Dieselwagen vor. „Wir arbeiten daran, können aber noch nicht sagen, wann sie veröffentlicht wird“, sagte ein VW-Sprecher der Deutschen-Presse-Agentur.

Die Wolfsburger hatten zugegeben, dass weltweit rund elf Millionen Motoren des genannten Typs mit einer Software ausgestattet wurden, um die Messung des Schadstoffausstoßes zu manipulieren. Am Mittwoch nahm VW-Chef Martin Winterkorn seinen Hut. Die Nachfolgefrage soll bei einer VW-Aufsichtsratssitzung an diesem Freitag erörtert werden. Als ein Kandidat gilt Porsche-Chef Matthias Müller (62), ein langjähriger Winterkorn-Vertrauter.

Südwestmetall: Keine voreiligen Schlüsse ziehen

Südwestmetall-Chef Stefan Wolf hat davor gewarnt, die deutsche Autoindustrie im Zuge des Abgas-Skandals bei Volkswagen unter Generalverdacht zu stellen. Ein nachhaltiger Reputationsschaden und Absatzeinbruch hätte große Auswirkungen auf Beschäftigung und Wohlstand für Deutschland, erklärte der Arbeitgeberchef am Donnerstag in Stuttgart. „Und für Baden-Württemberg gilt dies in ganz besonderem Maße. Dies müssen wir unbedingt verhindern.“ Im Südwesten ist die Autoindustrie mit ihren Zulieferern besonders dominierend.