SAP-Logo in Walldorf. Den Softwarekonzern wollen im Zuge eines Abfindungs- und Vorruhestandprogramms Hunderte Mitarbeiter verlassen. Foto: dpa

Mehr Mitarbeiter als erwartet haben sich für das Abfindungs- und Vorruhestandsprogramm von SAP gemeldet. Es könnten über 1000 sein, die dem IT-Riesen den Rücken kehren.

Walldorf - SAP könnten dieses Jahr weitaus mehr der rund 17 000 Mitarbeiter in Deutschland verlassen als geplant. Grund ist der hohe Zuspruch zum freiwilligen Abfindungs- und Vorruhestandsprogramm des Walldorfer Technologieriesen. „Das Programm wird deutlich stärker angenommen, als wir es ursprünglich gedacht haben“, sagte SAP-Sprecher Daniel Reinhardt. Genaue Zahlen nannte er nicht.

Betriebsratschef Ralf Herzog sagte den Stuttgarter Nachrichten, in den Bereichen Entwicklung, Support und Verwaltung wollten 700 Mitarbeiter die Angebote annehmen. Zahlen in den Bereichen Vertrieb und Beratung kenne er nicht. Laut „Wirtschaftswoche“ wollen deutschlandweit insgesamt 1200 Mitarbeiter SAP verlassen – eine Zahl, die Herzog als realistisch einschätzt. Mit den Programmen wollte SAP weltweit ursprünglich drei Prozent der 74 000 Mitarbeiter zum Gehen ­bewegen. In Europa hatte der Betriebsrat mit drei bis fünf Prozent der Mitarbeiter gerechnet – das wären für Deutschland geschätzt bis zu 850 gewesen. Ein Grund für den unerwartet hohen Zuspruch ist laut Herzog die „hohe Attraktivität“ der Programme. „Die Gestaltungsmöglichkeiten sind groß.“

SAP investiert verstärkt in das Cloud-Computing

SAP investiert derzeit verstärkt in das boomende Geschäft mit dem Cloud-Computing, bei dem die Kunden ihre Geschäftsprozesse gegen eine Abogebühr über SAP-Rechner laufen lassen. Damit will Europas größter IT-Konzern seine Geschäftssoftware einfacher, flexibler und individueller gestalten, denn junge Start-up-Unternehmen machen dem IT-Giganten immer mehr Konkurrenz. Das Geschäft mit älterer Geschäftssoftware fährt SAP dagegen zurück. Der Konzern will wegen der Investitionen und Zukäufe im Cloud-Computing-Bereich trotz des Abfindungs- und Vorruhestandsprogramms am Ende des Jahres mehr Mitarbeiter als im Vorjahr beschäftigen.

Ein neues Abfindungsprogramm soll es im kommenden Jahr aber nicht geben. Das hatte vor kurzem Finanzchef Luka Mucic betont. „Wir denken, dass wir damit den Großteil unserer Transformation auf Seiten der Belegschaft hinter uns gebracht haben“, sagte er.

Ob allerdings die Mitarbeiter, die sich für die Programme gemeldet haben, den Konzern auch verlassen dürfen, steht noch nicht fest. „Ob und wann der Abfindungsvertrag tatsächlich geschlossen wird, hängt von sehr vielen Gesprächen ab“, betonte SAP-Sprecher Reinhardt.

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