Die Preise für die Müllabfuhr bleiben für die Bürger vorerst wie sie sind. Foto: Gottfried Stoppel

Die privaten Haushalte im Rems-Murr-Kreis müssen die kommenden zwei Jahre nicht mehr für die Müllabfuhr bezahlen als bisher – Gewerbetreibende hingegen werden deutlich stärker zu Kasse gebeten.

Rems-Murr-Kreis - Obwohl die Entsorgungskosten steigen, müssen die Bürger im Rems-Murr-Kreis für die Müllabfuhr in den kommenden zwei Jahren nicht tiefer in die Tasche greifen. Die Gebühren bleiben stabil, verspricht die Abfallwirtschaftsgesellschaft Rems-Murr (AWRM) – zumindest für die Privathaushalte.

Laut der aktuell vorgelegten Kalkulation, die der Kreistag allerdings noch absegnen muss, zahlt ein Vier-Personen-Haushalt mit 60-Liter-Rest- und 80-Liter-Biomülltonne inklusive der Jahresgebühr wie bisher auch künftig 138 Euro. Auch die Gebühr für Sperrmüll und Pauschalanlieferungen auf den Deponien des Kreises bleibt vorerst wie sie ist. Allerdings, das hat das AWRM-Vorstandsmitglied Marcus Siegel jetzt im Umweltausschuss des Kreistages durchblicken lassen, werden die Gebühren in zwei Jahren wohl wieder nach oben gehen.

Gewerbetreibende müssen mehr bezahlen

Schon jetzt deutlich stärker zur Kasse gebeten werden allerdings die Gewerbetreibenden. Der Preis für einen Großcontainer bei wöchentlicher Leerung etwa wird von 1739 auf 2303 Euro angehoben und liegt damit in etwa auf dem Niveau von vor vier Jahren. Die Steigerungen von im Schnitt gut 30 Prozent begründet die Kreistochter AWRM mit gestiegenen Müllmengen und damit höheren Entsorgungskosten. Gleichwohl entkräftet Marcus Siegel den Verdacht, die stabilen Gebühren für die privaten Haushalte würden zu Lasten der Gewerbetreibenden erkauft: „Das sind jeweils voneinander getrennte Kalkulationskreise.“

Insgesamt muss die AWRM ein Plus von 2,4 Millionen bei den Entsorgungskosten ausgleichen. Diese kommen laut Siegel zum einen durch höhere Aufwendungen beim Einsammeln von Biomüll und Altpapier, aber auch durch Mehrausgaben für die „thermische Verwertung“ des Restmülls zustande. Die Anlage der EnBW in Stuttgart-Münster, wo der Rems-Murr-Kreis seinen Restmüll verbrennen lässt, habe den Preis für Abfälle, die über die vereinbarte Garantiemenge von 50 000 Tonnen im Jahr hinaus angeliefert werden, deutlich erhöht. Aufgefangen habe man das vor allem durch einen Zuwachs der „Kundschaft“: So sei sowohl die Zahl der Haushalte als auch die der Behälter angestiegen.

Nur Esslingen entsorgt günstiger

Auch ohne die neuerliche „Nullrunde“ steht der Rems-Murr-Kreis in Sachen Abfallgebühren vergleichsweise gut da. Laut den Zahlen des Umweltministeriums liegt der Landesdurchschnitt für den Vier-Personen-Musterhaushalt aktuell bei 156 Euro und damit um 18 Euro höher als an Rems und Murr. In der Region entsorgt man lediglich im Landkreis Esslingen mit 90 Euro günstiger, in Stuttgart zahlt man 156, in Ludwigsburg 166, in Böblingen 142 und im Ostalbkreis 157 Euro. Allerdings ist bei dem Gebührenvergleich Vorsicht geboten, denn Leistungen und Service der jeweiligen Müllabfuhren sind zum Teil unterschiedlich. Ein banales Beispiel: Während man im Rems-Murr-Kreis seine Mülltonnen am Straßenrand bereitstellen muss, werden diese in der Landeshauptstadt von ihrem Standplatz geholt und dorthin auch wieder zurückgestellt.

Während die Müllgebühren dank der Zwei-Jahres-Kalkulation bis 2022 eine verlässliche Größe bleiben, deutet sich für die Zeit danach allerdings eine Erhöhung an. Die AWRM rechnet mit weiter ansteigenden allgemeinen Kosten, die nicht durch entsprechende Erlöse aufgefangen werden können. Zudem werden die Karten bei der Restmüllabnahme möglicherweise neu gemischt. Der Vertrag mit der EnBW läuft Ende 2024 aus.

Ludwigsburger Landrat kündigt steigende Gebühren an

Was das bedeuten kann, exerziert zurzeit der Nachbarlandkreis Ludwigsburg vor. An einer Neuausschreibung der Restmüllverwertung hat sich dort offenbar lediglich ein einziger Anbieter beteiligt, dem Vernehmen nach mit einem deutlich erhöhten Preis. Das Interesse in Stuttgart-Münster hingegen scheint gering bis nicht vorhanden. Die Anlage der EnBW ist laut einem Unternehmenssprecher „derzeit komplett ausgelastet“. Auch das Restmüllheizkraftwerk in Böblingen vermeldet: zurzeit keine freien Kapazitäten. Der Ludwigsburger Landrat Rainer Haas hat im Ausschuss für Umwelt und Technik des hiesigen Kreistags schon einmal angekündigt, dass die Müllgebühren im kommenden Jahr „deutlich steigen“ werden.

Die Müllmengen werden wieder etwas mehr

Gesamtaufkommen
Die Kommunen in Baden-Württemberg haben laut der jüngsten Statistik des Umweltministeriums im Jahr 2018 rund 12,4 Millionen Tonnen Abfall entsorgt, gut 400 000 Tonnen mehr als im Jahr zuvor. Pro Einwohner sind das 140 Kilogramm.

Rangliste
„Spitzenreiter“ sind die Bürger in Mannheim. Dort werden heruntergerechnet pro Einwohner 235 Kilogramm Müll produziert. Auch im Ortenaukreis (208 Kilo) fällt einiges an. Am „bescheidensten“ ist man im Kreis Calw mit 65 Kilogramm pro Einwohner.

Region
Der Rems-Murr-Kreis verursacht mit 126 Kilogramm pro Einwohner in der Region Stuttgart am wenigsten Müll. In Stuttgart wurden 186 Kilogramm, im Kreis Esslingen 132, in Ludwigsburg 134, in Böblingen 142 und in Göppingen 194 Kilo Abfall pro Einwohner entsorgt.

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