Allein im Rems-Murr-Kreis sind im vergangenen Jahr 48 706 Tonnen Rest- und Sperrmüll zusammengekommen. Foto: Stoppel

Wer macht den meisten Müll in der Region? Diese Frage ist auch durch die neue Abfallbilanz nur schwerlich zu beantworten. Zu unterschiedlich sind die Systeme in den einzelnen Landkreisen.

Waiblingen - Einmal im Jahr veröffentlicht das baden-württembergische Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft eine Abfallbilanz für das ganze Land. Heuer erscheint diese sogar in einem neuen „Outfit“, wie der zuständige Minister Franz Untersteller in seiner Einleitung hervorhebt – um „auch optisch dem hohen Anspruch an eine moderne Kreislaufwirtschaft gerecht“ zu werden. Was genau man aus dem gut 119 Seiten starken Werk herauslesen kann, ist indes selbst unter Fachleuten umstritten.

Rudolf Willi, der stellvertretende Geschäftsbereichsleiter Abfallwirtschaft im Waiblinger Landratsamt, hat eigentlich gar keinen Grund, das Licht unter den Scheffel zu stellen. Was das „Aufkommen an Haus- und Sperrmüll einschließlich Geschäftsmüll aus öffentlichen Sammlungen“ angeht, liegt der Rems-Murr-Kreis im regionsweiten Vergleich nämlich auf dem ersten Platz. „Lediglich“ 118 Kilogramm Müll produziert der gemeine Bürger an Rems und Murr im Schnitt pro Jahr. Die Esslinger sind mit 128 Kilo dabei, die Böblinger mit 138, die Göppinger mit 208 und in Stuttgart häufen sich gar 213 Kilogramm an.

Deutlicher Rückgang in Stuttgart

Dafür haben die Landeshauptstädter den größten müllevolutionstechnischen Fortschritt in dieser Kategorie gemacht. Im Vergleich zum Jahr 1996, als sie noch satte Berge von jeweils 265 Kilogramm auftürmten, haben die Stuttgarter ihr Gesamtmüllaufkommen um 52 Kilogramm reduziert. Auch die Rems-Murr-Bürger haben sich mit minus 50 Kilogramm deutlich weiterentwickelt. Was man von den Esslingern und Böblingern nicht gerade behaupten kann, sie haben um neun, beziehungsweise 24 Kilogramm pro Mensch und Jahr zugelegt. Dennoch sagt Rudolf Willi bescheiden: „Das Müllverhalten ist nur schwer vergleichbar, da spielen so viele unterschiedlich gehandhabte Aspekte eine Rolle.“

Zwar sind alle 35 Land- und neun Stadtkreise in Baden-Württemberg „entsorgungspflichtig“, doch wie diese ihren Müll einsammeln, bleibt jedem selbst überlassen. Die einen setzen auf Sperrmüllstraßensammlungen, die anderen auf Sperrmüll auf Abruf. Mancherorts, wie im Rems-Murr-Kreis, wird Papier und Pappe eigens gebührenfrei in bereitgestellten blauen Tonnen zu Hause abgeholt. Andere (Kreis Ludwigsburg) trennen Wertstoffe in flach und rund. Die Biotonne, die erst in diesem Jahr zu einer gesetzlichen Auflage gemacht wurde, haben sich im vergangenen Jahr noch immer nicht alle Kreise geleistet.

Unterschiedliche Gebührenmodelle

Nimmt man deshalb die in der „Landesliga III“ inklusive Biomüll und Wertstoffe zusammengefassten Abfallmengen, so rückt das Regionsfeld wieder dichter zusammen – und die Stadt Stuttgart landet mit 349 Kilogramm pro Einwohner und Jahr vom letzten auf den ersten Platz, vor dem Rems-Murr-Kreis (353), Göppingen (362) und Esslingen (371). Den meisten Müll in der Region produzieren demnach mit 400 Kilogramm die Böblinger. Aber um es mit den Worten des Abfallexperten Willi aus dem Rems-Murr-Kreis auszudrücken: „Es gibt bei der Müllstatistik sehr vielfältige Erklärungsansätze.“

Selbst das, was für die Bürger hinterher auf der Rechnung steht, ist wegen unterschiedlicher Berechnungsarten nur schwer zu vergleichen. Zwar soll ein Vier-Personen-Müll-Musterhaushalt Anhaltspunkte geben, in welchem Preisgefüge man sich bewegt. In Stuttgart sind dieser Rechnung zufolge mit 182,7 Euro die höchsten, im Rems-Murr-Kreis mit 100,5 Euro die niedrigsten Gebühren innerhalb der Region fällig. Dafür aber lässt sich der Rems-Murr-Kreis seine Biotonne mit 82,4 Euro vergleichsweise teuer vergüten, die Stuttgarter verlangen dafür lediglich 23,1 Euro.

Zudem kann eine Musterrechnung das in den Landkreisen höchst unterschiedliche Leistungsspektrum, das von Abholrhythmus bis Renovierungsmüllentsorgung reicht, nicht berücksichtigen. Nur eines konnte zumindest das Waiblinger Landratsamt schon zu Beginn des vergangenen Jahres versprechen: Für die Müllentsorgung wird der Rems-Murr-Bürger auch 2015 nicht mehr bezahlen müssen – die Kalkulation wird seit einiger Zeit nämlich immer auf zwei Jahre festgelegt.

Die Abfallbilanz des Landes im Internet: https://stzlinx.de/abfallbilanz
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