Der Großteil des Stuttgarter Restmülls wird im Kraftwerk Münster verbrannt. Foto: Achim Zweygarth

Die Baden-Württemberger verursachen laut Umweltminister Franz Untersteller bundesweit am wenigsten Restmüll pro Person. Tatsächlich entwickelt sich die Abfallentsorgung insgesamt positiv – aber es gibt noch viele Probleme zu lösen. So soll künftig der Phosphor aus Klärschlamm zurückgewonnen werden.

Stuttgart - Die jährliche Abfallbilanz, die Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) immer zu Beginn der Sommerferien vorstellt, glänzt auch für 2016 zunächst mit vielen positiven Punkten. Der Restmüll, den jeder Einwohner Baden-Württembergs produziert, ist erneut um zwei Kilo zurückgegangen und liegt jetzt im landesweiten Schnitt bei 141 Kilo. Der Preis ist fast stabil geblieben – eine vierköpfige Familie zahlt 2017 für die Entsorgung 151 Euro; das sind nur 65 Cent mehr als im Vorjahr. Und der Anteil an wertvollem Biomüll, der in Biogasanlagen zu Strom und Gas umgewandelt werden kann, hat sich nochmals um elf Prozent erhöht.

Franz Untersteller ist deshalb sehr zufrieden mit der Bilanz, zumal Baden-Württemberg bei der Müllvermeidung bundesweit an der Spitze liege. Sachsen mit 148 Kilo Restmüll pro Einwohner und Bayern mit 165 Kilo kämen auf den zweiten und dritten Platz. „Auch beim Müll zeigt sich, was die Schwaben und Badener zu leisten vermögen“, so Untersteller. Allerdings: Die Müllmenge insgesamt ist 2016 deutlich gestiegen, nämlich um sechs Prozent auf 50 Millionen Tonnen.

Insgesamt fielen 50 Millionen Tonnen Abfall an

Der überwiegende Teil, nämlich 38 Millionen Tonnen, wird privat entsorgt; es handelt sich vor allem um Aushub und Abbruchschutt. Nur zwölf Millionen Tonnen werden von den Stadt- und Landkreisen eingesammelt; darunter macht der Restmüll 1,5 Millionen Tonnen aus. Für Untersteller ist der Anstieg aber kein Grund zur Beunruhigung. Baden-Württemberg sei schließlich auch um 100 000 Einwohner gewachsen.

Beunruhigt sind jedoch fünf Bürgerinitiativen in den Landkreisen Ludwigsburg, Heilbronn und Neckar-Odenwald. Sie kritisieren anlässlich der Abfallbilanz zwei Punkte: Erstens seien die hochgiftigen Filterstäube aus den Müllverbrennungsanlagen, die in alten­ Bergwerksstollen bei Heilbronn gelagert werden, eine riesige Hypothek für die Zukunft. „Wassereinbrüche mit Vergiftung der Biosphäre sind nur eine Frage der Zeit“, so Gottfried May-Stürmer von der Bürgerinitiative Gegengift Heilbronn/Unterland. Franz Untersteller betonte dagegen, die Stollen seien sicher und ein Glücksfall für das Land: „Ich schlafe sehr ruhig.“

Zweitens wehren sich die Bürger dagegen, dass Abrissmüll aus den Atomkraftwerken frei auf Deponien gelagert werden darf. Auch da hat der Minister eine klare Meinung: „Phosphorsäcke im Baumarkt und Granitarbeitsplatten in der Küche strahlen mehr als dieser Abfall.“

Drei Kreise wehren sich gegen die Biotonne

Im Clinch liegt das Ministerium derzeit auch mit dem Landkreis Karlsruhe. Vermutlich erstmals in der Geschichte des Landes regiert das Umweltministerium direkt­ durch und hat den Landkreis aufgefordert, den Biomüll künftig getrennt einzusammeln, weil es seit 2015 eine gesetzliche Verpflichtung dafür gebe: „Es ist nicht zu viel verlangt, dass sich der Landkreis an Recht und Gesetz hält, so wie es jeder Bürger auch tun muss“, sagte Untersteller. Landrat Christoph Schnaudigel (CDU) wehrt sich seit Längerem gegen die Einführung der Biotonne, weil dies „nur marginale ökologische Vorteile, aber eine nicht unerhebliche Abfallgebührensteigerung“ nach sich zöge. Im Herbst will der Kreistag darüber befinden, wie er weiter vorgeht. Auch der Landkreis Sigmaringen und der Alb-Donau-Kreis gehören zu den „Biomüllrebellen“.

Bei der Vorstellung der Jahresbilanz sagte Franz Untersteller, ein Ziel für die kommenden Jahre werde es sein, den Phosphor aus dem Klärschlamm wiederzugewinnen: „Das ist ein verborgener Schatz, der derzeit noch verbrannt wird.“ So könne man die Abhängigkeit von Importen und den Eintrag in die Böden vermindern. Daneben müssten die Deponieplanungen weiterentwickelt werden; im Regierungs­bezirk Freiburg drohten bald Engpässe.

Wie viel Restmüll die Menschen im Land produzieren, ist sehr unterschiedlich. Am besten schneidet der Landkreis Calw ab, wo jeder Einwohner nur 66 Kilo hinterlässt. Am meisten Restmüll wird in Mannheim angehäuft mit 246 Kilo. Stuttgart liegt mit 198 Kilo klar über dem Durchschnitt von 141 Kilo. Die übrigen Kreise der Region: Rems-Murr-Kreis 126 Kilo, Esslingen 128 Kilo, Ludwigsburg und Böblingen 141 Kilo, Göppingen 190 Kilo. In Stuttgart und Göppingen wird noch wenig Biomüll getrennt abgefahren; das treibt die Restmüllmenge nach oben.