Die neuen blauen Glassammelboxen sind heftig umstritten im Kreis Ludwigsburg. Sind sie zu klein oder reichen sie? Sind sie praktisch oder umständlich? Unsere Autoren Sabine Armbruster und Martin Willy sind da unterschiedlicher Auffassung – ein Pro & Kontra.
Ludwigsburg - Für Sabine Armbruster sind die blauen Glasboxen eine gute Lösung. Martin Willy sieht das ganz anders.
Sabine Armbruster: Glasboxen sind klein, handlich und völlig ausreichend
Wenn ich mir so den kleinen Hof hinter dem Haus betrachte, dann ist das für mich das perfekte Symbol für die Müllflut. Vier Tonnen stehen dort: grün, braun, schwarz, gelb. Die blaue ging zurück. Sie mag für Menschen mit großen Grundstücken eine Option sein, für uns nicht. Denn hinter dem Haus wird nicht nur Müll getrennt, dort wird auch Wäsche getrocknet. Zwei Wäscheständer passen jetzt gerade so hin, wenn im dritten Mini-Haushalt auch noch zeitgleich gewaschen wird, wird das zum Problem. Und wenig Platz ist keine Ausnahme, wie ich aus der Nachbarschaft weiß. Hinzu kommt: Im Zuge der innerörtlichen Nachverdichtung werden große Grundstücke mit viel Stellfläche immer seltener. Bauträger können mit Wohnungen Geld verdienen, an Gemeinschaftsflächen wird eher gegeizt.
Mag sein, dass wir eine Ausnahme sind und besonders wenig Glasabfall haben. Viele Schraubdeckelgläser werden für Marmelade wiederverwendet. Das Körbchen, wenn wir es denn erst einmal haben, wird übrigens auch nicht im Treppenhaus stehen und Gerüche verbreiten, sondern wie die Tonnen hinter dem Haus. Vielleicht sollten Kritiker abwarten, wie sich das Ganze einspielt. In anderen Kommunen funktioniert es ja auch.
Martin Willy widerspricht: Glasboxen sind gefährlich, zu klein und umständlich
Die Lösung mit der Glasbox ist für die Tonne – eine Schnapsidee. Umständlich, unpraktisch und obendrein gefährlich sind die blauen Gitterkörbchen. Neben Gläsern für Gurken, Marmelade, Soßen und Suppen soll noch Platz sein für allerlei Glasflaschen – immerhin: Deckel dürfen draufbleiben. Leere Wein-, Sekt-, und Essigflaschen aber, die einen Korkverschluss haben, lassen sich nicht mehr verschließen. Abgelegt in der Box verbreiten sie wunderbare Düfte in Kellern, Fluren und Zimmern.
Bei einer Leerung nur alle vier Wochen ist das Böxchen außerdem schnell voll. Man denke an eine mehrköpfige Familie. Wohin dann mit dem ganzen Glas? Zu Sammelstellen, deren Container schon jetzt überquellen? Was machen (ältere) Menschen mit körperlichen Einschränkungen, die die Box nicht tragen können? Die Verletzungsgefahr durch Gläser, die in der Box zu Bruch gehen, ist groß – auch für die Müllleute. Die Leerung von Hand zudem sehr umständlich. Die Boxen sind eine Verschlechterung zum bisherigen Sammelsystem Tonne rund. Die Lösung aber liegt auf der Hand: Die Tonne rund bleibt. Tausende Behälter müssen nicht abgeholt werden. Die Tonne rund wird umfunktioniert zum Glasbehälter: blauer Bebber drauf. Fertig.