Für die Entsorgung des Restmülls müssen die Haushalte in der Region in diesem Jahr mehr bezahlen. Foto: dpa/Frank Rumpenhorst

Im neuen Jahr wird vieles teurer. Auch für die Abfallentsorgung müssen die Haushalte in der Region Stuttgart mehr ausgeben. Doch die Tarife für die Müllabfuhr unterscheiden sich beträchtlich, wie der Vergleich der Landkreise zeigt.

Alles wird dieses Jahr teurer. Auch die Müllabfuhr. Doch nicht überall in der Region: Während Stuttgart und die Kreise Esslingen, Göppingen und Böblingen teils kräftig an der Gebührenschraube drehen, müssen die Haushalte in den Kreisen Ludwigsburg und Rems-Murr für die Entsorgung von Bio- und Restmüll nicht mehr bezahlen als bisher. Woran liegt das?

 

Ausgangslage Die Müllgebühren zu vergleichen, ist gar nicht so einfach: In Baden-Württemberg gibt es laut dem Umweltministerium neben neun Stadt- und 35 Landkreisen, von denen einige das Einsammeln von Hausmüll ganz oder teilweise auf die Kommunen übertragen haben. Das erklärt, warum fast 100 unterschiedliche Gebührensatzungen im Land existieren. Die darin enthaltenen Leistungen unterscheiden sich beträchtlich, die Tarife sind unter anderem von der Abfallmenge, der Personenzahl und dem Abfuhrturnus abhängig oder davon, ob die Mülltonnen vom Straßenrand oder vom Grundstück abgeholt werden.

Statistik Das Ministerium gibt in seiner jährlichen Abfallbilanz dennoch eine Art Ranking heraus, in der die durchschnittliche Belastung für einen Vier-Personen-Haushalt verglichen wird. Die Modellrechnung schließt die Abholung der Biotonne mit ein. Der Gebührenmittelwert lag demnach im Jahr 2022 bei rund 173 Euro. In der Region ist die Reihenfolge klar: Am meisten zahlen mussten die Haushalte in Ludwigsburg mit rund 216 Euro, gefolgt von Stuttgart (170 Euro), Böblingen (162 Euro), dem Rems-Murr-Kreis (122 bis 143 Euro), Göppingen (131 Euro) und Esslingen (103 Euro).

Erhöhung In der Landeshauptstadt und in vier Landkreisen der Region wird es nun aber teurer. Als Kostentreiber nennen die Verantwortlichen steigende Preise für die thermische Verwertung, höhere Kosten für Energie und Treibstoff, größere Personalausgaben sowie steigende Zinsen für Kreditaufnahmen. Hinzu kämen zuletzt schwankende Verwertungserlöse für den Rohstoff Altpapier. Klar ist schon jetzt: 2024 könnte es nochmals deutlich teurer werden. Denn dann soll bei der Abfallverbrennung eine Kohlendioxidabgabe eingeführt werden, die um ein Jahr verschoben wurde.

Kreis Esslingen Drei Jahre lang waren die Abfallgebühren stabil geblieben, für 2023 und 2024 wurde neu kalkuliert. Der Satzung zufolge steigt die Gebühr für Restmüll um durchschnittlich neun Prozent pro Jahr. Für einen Vier-Personen-Haushalt heißt das: Die Leerung der 120-Liter-Tonne, die im Kreisgebiet am häufigsten am Straßenrand steht, kostet künftig im 14-tägigen Turnus rund 153 Euro pro Jahr (knapp 13 Euro mehr), wer die Tonne nur einmal im Monat abholen lässt, muss 78,60 Euro pro Jahr (gut sechs Euro mehr) bezahlen. Die Gebühr für den Biomüll wurde um rund acht Prozent erhöht: die 60-Liter-Tonne kostet nun 46,80 statt 43,20 Euro, die 120-Liter-Tonne 93,60 statt 86,40 Euro.

Kreis Böblingen Jeder Privathaushalt hat eine Grundgebühr für die Restmüllabholung zu bezahlen. Der Jahrestarif ist von 75,36 Euro im vergangenen Jahr auf nunmehr 77,16 Euro gestiegen. Es werden mindestens vier Leerungen jährlich berechnet. Die Einzelleerung einer 120-Liter-Mülltonne kostet jetzt 6,50 Euro statt bislang 6,28 Euro. Die Jahresleerungsgebühr für Biomüll bleibt mit 60,60 Euro hingegen stabil.

Kreis Göppingen Die Müllgebühren steigen im Schnitt um 15 Prozent. Die Jahresgebühr für Privathaushalte ist abhängig von der Personenzahl und der Behältergröße. Für eine 120 Liter fassende Mülltonne zahlt eine vierköpfige Familie in diesem Jahr 108 statt bislang 99,60 Euro, hinzu kommt eine Gebühr für zehn Mindestleerungen in Höhe von 85 Euro (zuvor 62 Euro). Der Biomüll wird über amtlich ausgegebene Biobeutel am Straßenrand eingesammelt. Das Jahreskontingent von 60 dieser blauen Tüten à 15 Liter ist gratis.

Stuttgart An der Preisschraube dreht auch der städtische Abfallwirtschaftsbetrieb Stuttgart. Der Restabfall in der schwarzen Tonne wird im Schnitt um 6,4 Prozent, der Bioabfall um durchschnittlich 5,8 Prozent teurer. Weit verbreitet sind beim Restmüll die 120-Liter-Tonnen, deren Abfuhr alle zwei Wochen jetzt 243,60 Euro kostet – 15 Euro mehr als im Vorjahr. Beim Biomüll setzen die Stuttgarter überwiegend auf die 60-Liter-Tonne, für die nun 49,80 und damit drei Euro mehr als bisher fällig werden.

Rems-Murr-Kreis Jeder Haushalt zahlt, abhängig von der Personenzahl, eine jährliche Grundgebühr. Zusätzlich gibt es eine Leerungsgebühr für die Restmülltonnen und die Biotonnen. Die Gebührensätze sind im Vergleich mit dem Vorjahr unverändert geblieben – die Tarife wurden aber bereits mit Beginn des vergangenen Jahres angehoben. Für einen Vier-Personen-Haushalt fallen 78 Euro Jahresgebühr an, für die Leerung muss man eine Gebührenmarke nach Wahl kaufen, die auf die Mülltonne geklebt wird. Für die 120-Liter-Tonne fallen 84 Euro im 14-tägigen Abfuhrrhythmus an. Die Biomüllmarken kosten 23 Euro für die 80-Liter-Tonne.

Kreis Ludwigsburg Die Müllgebühren für private Haushalte bleiben 2023 konstant – zum zweiten Mal in Folge. Die erneute Nullrunde bei den Gebühren wird möglich, weil die kreiseigene Abfallverwertungsgesellschaft zuletzt einen Rekordgewinn eingefahren hatte, der vor allem auf hohe Erlöse bei den Deponien zurückzuführen war. Die Jahresgebühr für einen Vier-Personen-Haushalt beträgt weiterhin 138,10 Euro. Die Leerung einer 120 Liter fassenden Restmülltonne schlägt mit 5,73 Euro zu Buche, bei der gleich großen Biotonne sind es 2,10 Euro. Mit einer durchschnittlichen Leerungshäufigkeit dieser Behälter mit je zehn Terminen fallen Kosten in Höhe von rund 216 Euro an.