Die Welt wird immer spannender, meint unser Kolumnist. KNITZ über seine Leben zwischen Mikrowelle, Mikroabenteuern und Mikroaggressionen.
Wer hätte gedacht, dass eine Abenteuergeschichte so beginnt: Gestern früh brach KNITZ auf, um eine Brezel zu kaufen.
An sich kein aufregender Vorgang, wenn man seine sieben Sinne beisammenhat und den Geldbeutel zum Bäcker mitnimmt. Hatte KNITZ aber nicht. Seine Trotteligkeit fiel ihm erst auf, als er sein Rad vor dem Laden abstellte. Keine Kohle. Also retour.
KNITZ musste Gas geben, um es rechtzeitig bis zur morgendlichen Konferenz an den Rechner zu schaffen. Als er Platz nahm, feierten Schweißperlen auf seiner Stirn Versammlungsfreiheit. (Sorry, der Satz ist von einem Kollegen geklaut. Den wollte KNITZ schon immer mal bringen.)
KNITZ ist sich sicher, dass der Brezelkauf als Abenteuer gewertet werden kann, als Mikroabenteuer. Vielleicht sollte er noch erwähnen, dass er, entgegen seiner Gewohnheit, ohne Helm zum Bäcker fuhr.
Mikroabenteuer sind Abenteuer im Kleinen. Adventurle für zwischendurch. Den höchsten Punkt im Viertel besteigen, mit der Stadtbahn bis zur Endstation fahren – fällt alles unter die Kategorie Mikroabenteuer.
Lieber ein Mikroabenteuer als gar keines
KNITZ gefällt die Vorstellung: Wenn man gerade keine Zeit hat, um die USA sackhüpfend zu durchqueren oder mit dem Schlauchboot die Antarktis zu umrunden, schlägt man sein Zelt hinterm Haus auf und übernachtet dort. Lieber ein Mikroabenteurer als gar keines.
Wenn KNITZ sein Leben Revue passieren lässt, so ist es eine einzige Aneinanderreihung von Mikroabenteuern. Wer hat neulich dafür plädiert, zum nächsten Kinobesuch mit Wanderstiefeln aufzubrechen? Kleiner Tipp: fängt mit KNI an und hört mit TZ auf.
Aber Obacht! Einen Mohrenkopf in der Mikrowelle zum Explodieren zu bringen, ist noch kein Mikroabenteuer, sondern vor allem eine Sauerei und womöglich Ausdruck von Mikroaggression, da sich jemand durch den Begriff Mohrenkopf beleidigt fühlen könnte. Oder meint, jemands anders könne sich dadurch beleidigt fühlen.
Das Thema Mikroaggression ist ein schwieriges Terrain, da muss KNITZ noch üben. Neulich, bei der Dreadlock-Debatte, meinte er verstanden zu haben: Wenn jemand mit weißer Hautfarbe mit verfilzten Dreadlooks herumläuft, gilt das als Akt kultureller Aneignung. Die Frisur sei ein politisches Statement und stehe nur Menschen mit schwarzer Hautfarbe zu.
Insofern war KNITZ verblüfft, als er beim Festival der Kulturen an einem Stand vorbeikam, an dem man sich von einer schwarzen Frau Dreadlocks verpassen lassen konnte. Den Beispielbildern war zu entnehmen, dass dieses Angebot auch für Menschen mit weißer Hautfarbe gilt.
Die Sache mit der kulturellen Aneignung überdenken
Vielleicht sollte wir das mit der kulturellen Aneignung noch mal überdenken. KNITZ wäre nie auf den Gedanken gekommen, der Reggae-Legende Bob Marley kulturelle Aneignung zu unterstellen, nur weil sie ein Faible für große BMW-Modelle besaß. Zumal der Dreadlock-Träger eine erstklassige Erklärung hatte: BMW stehe für Bob Marley and the Wailers.
Von den Dreadlocks nahm KNITZ dann doch Abstand. Mangels Masse.