Abellio-Chef Stephan Krenz Foto: StZ

Im Interview erklärt Abellio-Chef Stephan Krenz, wie er in die Stuttgarter Netze starten will.

Berlin - Herr Krenz, Abellio hat das Los 1 der Stuttgarter Netze gewonnen und wird ab 2019 zwischen Stuttgart und Pforzheim, Mannheim und Tübingen fahren. Wird es nach der schnellen Abweisung der Klage der Deutschen Bahn pünktlich losgehen?

Das ist unser klares Ziel. Die Klage der Deutschen Bahn gegen den Ausschluss aus dem Vergabeverfahren hat natürlich einen Teil der Vorbereitungszeit und viel zusätzliche Arbeit gekostet. Wir können ja nicht für mehr als 200 Millionen Euro neue Züge bestellen und viel Geld für Personal und Infrastruktur ausgeben, wenn die Rechtslage nicht geklärt ist. Das ist ärgerlich, doch nun herrscht Klarheit. Mit dem offiziellen Zuschlag wird der Startschuss fallen und wir können dann loslegen. Es gibt viel zu tun.

Zum Beispiel?

Damit der Betriebswechsel 2019 reibungslos klappt, werden wir rund 250 Mitarbeiter einstellen und diese in einer eigenen Tochtergesellschaft vor Ort ansiedeln. Wir werden 43 neue Züge bestellen, die das Land finanziert. Zudem richten wir eine Verwaltung, eine Leitstelle und eine Werkstatt für Wartung und Reparaturen ein.

Übernehmen Sie Mitarbeiter von der Deutschen Bahn, die ja die Linien bisher betreibt?

Das würden wir gerne tun. Wir zahlen Lokführern und Zugbegleitern faire Tariflöhne. Vor dem Stuttgarter Arbeitsmarkt haben wir schon Respekt, da gibt es ja fast Vollbeschäftigung und wir konkurrieren mit Weltkonzernen wie Daimler, Bosch und Porsche um Mitarbeiter. Deshalb werden wir auch selbst Triebfahrzeugführer und Kundenbetreuer ausbilden. Unser Verkehrsvertrag läuft 14 Jahre, das ist eine gute Perspektive für neue Mitarbeiter.

Was können die Fahrgäste im Südwesten erwarten?

Neue moderne Züge im Landesdesign, ein motiviertes und freundliches Team, dazu benutzerfreundlichere Fahrkartenautomaten, die wir gerade neu entwickelt haben und schon in anderen Teilen Deutschlands einsetzen. All das mit einem Ziel: dem zufriedenen Fahrgast. So wird es nun auch in Baden-Württemberg einen großen Qualitätssprung durch neue Anbieter geben. Der Wettbewerb ist im Ländle ja längst überfällig.

Bisher haben langlaufende Verkehrsverträge für die Deutsche Bahn den Wettbewerb verhindert…

…mit der Folge, dass der Südwesten in der Branche als „Altwagensenke Deutschlands“ verspottet wurde. Bis vor einem halben Jahr gab es ja faktisch keinen Wettbewerb in Baden-Württemberg, weil die DB mit dem großen Verkehrsvertrag ausgestattet fast alle Netze bediente. Das hat sich erst mit der neuen Regierung geändert, als Verkehrsminister Hermann Ausschreibungen für viele Regionalverkehre in Teilpaketen durchgesetzt hat.

Erwarten Sie einen veränderten Kurs der neuen Landesregierung?

Ich gehe nach den Koalitionsverhandlungen davon aus, dass das Verkehrsministerium den eingeschlagenen Weg fortsetzen wird. Es wäre wahrlich ein großer politischer Fehler, die Kraft des Wettbewerbs erneut zu vernachlässigen. Sie dürfen nicht vergessen: Wir fahren die Verkehre zum halben Preis gegenüber den Zahlen, die ohne Wettbewerb verhandelt wurden. Und das bis 2033. Das sagt doch alles. Das Land spart also viel Geld und kann damit mehr Zugangebote für die Bürger bestellen. Diese Erfolge kann niemand bestreiten.

Wird sich Abellio um weitere Aufträge im Südwesten bewerben?

Sicher nicht nur wir. Baden-Württemberg ist für internationale Verkehrskonzerne eines der wichtigsten Spielfelder, weil noch viele Ausschreibungen kommen. Gerade läuft das Bewerbungsverfahren für das Netz Breisgau West. Das schauen wir uns derzeit an. In einigen Netzen sollen aber aus nachvollziehbaren Kosten- und Nachhaltigkeitsgründen weiterhin Altfahrzeuge genutzt werden. Das ist dann für uns weniger interessant. Trotzdem gilt: Der Südwesten ist ein sehr spannender Markt.

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