Aktuelles Bild vom Postareal: In einem Baufeld können die Abbrucharbeiten derzeit nicht weitergehen. Foto: Simon Granville

Die Abbrucharbeiten am Postareal in Leonberg werden teurer: Es wurde Asbest gefunden. Dies bedeutet auch, dass die geplante Zwischennutzung ins Wanken geraten könnte.

Es gibt einen Spruch, der vor allem im Bergbau gebräuchlich ist. Er lautet: „Hinter der Hacke ist es dunkel.“ Soll heißen, dass der Bergmann beim Graben eines Stollens lediglich bis zur Spitze seiner Hacke sehen kann. Was sich im Gestein verbirgt, offenbart sich ihm erst, wenn er den Hieb gesetzt hat.

 

Abbruch und Bergbau sind gar nicht so verschieden

Ganz ähnlich verhält es sich bei Abbrucharbeiten. Auch dabei müssen die ausführenden – und die geldgebenden – Kräfte auf vieles gefasst sein, Probebohrungen hin oder her. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit im konkreten Fall des Leonberger Postareals gering, zum Beispiel auf eine Goldader zu stoßen. Etwas anderes hat man hingegen gefunden: Asbest.

Vor allem die Bodenplatte des ehemaligen Gebäudes Eltinger Straße 24, also des Hauptgebäudes, hat es in sich. Abdichtungen und eine Klebeschicht sind betroffen. Außerdem war zuvor schon beim Rückbau des Gebäudes auch im Bereich der Fenster Asbest festgestellt worden. Dieser wurde bereits entsprechend entsorgt.

Inzwischen steht kaum mehr etwas: Doch nun bereitet Asbest Probleme. Foto: Simon Granville

Bleibt die Bodenplatte. Damit sie sachgemäß entfernt werden kann, benötigt es ein spezielles Konzept, das laut Stadtverwaltung derzeit erarbeitet werde. Bis dies nicht geklärt ist, kann im sogenannten Baufeld 1 nicht weitergearbeitet werden. Mehrere Bagger und eine „Brechanlage“ sind dort im Einsatz – und verursachen Kosten, auch wenn sie stillstehen. Wie die Stadtverwaltung zudem schreibt, kann dadurch auch das ursprünglich für Ende März geplante Ende der Abbrucharbeiten nicht eingehalten werden.

Kosten steigen, der Rahmen könnte gesprengt werden

Außerdem steigen die Kosten, der vorgesehene Rahmen wird wohl ausgereizt und wahrscheinlich gesprengt werden. Oder wie Baubürgermeister Klaus Brenner in der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses zusammenfasste: „Wir haben die Arbeiten sehr günstig vergeben, nähern uns jetzt aber leider der Kostenschätzung und haben große Sorge, sie zu überschreiten.“

Denn: Dass Nachtragsforderungen seitens des beauftragten Unternehmens – CK Erdbau & Abbruch aus Uhingen – kommen würden, sei schon bei der Auftragsvergabe klar gewesen. Die Stadt hatte bis zum Juni 2024 den Posten „Abbruch und Verwertung/Entsorgung Altgebäude zur Baufeldfreimachung“ ausgeschrieben. Vergeben wurden die Arbeiten am Ende für gut 470 000 Euro. Das klang zunächst gut. Das teuerste Angebot eines Mitbieters hatte bei rund 1,8 Millionen Euro gelegen. Die Stadt hatte ursprünglich eine Kostenschätzung von 2,6 Millionen Euro angegeben.

Nun kommen zum einen Nachzahlungen in Höhe von insgesamt knapp 300 000 Euro auf die Stadt zu. Zu Buche schlagen die Asbestentsorgung (knapp 55 000 Euro) sowie vor allem die Entsorgung von gemischten Metallen (knapp 225 000 Euro) aus dem Gebäude Eltinger Straße 24. Hinzu kommen die Stilllegung eines dortigen Benzinabscheiders (gut 2000 Euro) sowie die Verbindung zweier Baufelder für 17 500 Euro. Der Planungsausschuss sprach hierzu mehrheitlich die Empfehlung an den Gemeinderat aus: Die Verwaltung darf künftig weitere Nachtragsangebote annehmen, bis der Kostenrahmen erreicht ist.

Kritik kommt von den Grünen

Bernd Murschel, Gudrun Sach (beide Grüne) sowie Jörg Langer (Freie Wähler) enthielten sich. Vor allem die Grünen äußerten Kritik. Murschel: „Mich wundert die Blauäugigkeit, Strabag beim Abbruch so entgegenzukommen“, sagte er mit dem Verweis darauf, dass genauso gut der Investor den Abbruch hätte übernehmen können. „Es kommt doch immer wieder was mit drauf.“ Das sah auch Gudrun Sach so – mit Verweis auf die künftigen Angebote sprach sie außerdem von einem „Blankoscheck“. Klaus Brenner entgegnete in Richtung Bernd Murschel: „Die Kosten wären auch so bei uns gelandet.“

Das Geld ist das eine, die geplante Zwischennutzung des Areals die andere. Sie dürfte aufgrund der Asbestfunde beeinträchtigt werden. „Natürlich hat das Auswirkungen“, so Baubürgermeister Brenner. Der Investor Strabag Real Estate GmbH hatte im Winter 2024 eine temporäre Zwischennutzung freier Flächen zwischen dem Frühjahr 2025 und Herbst 2025 – und eventuell auch noch länger – ins Spiel gebracht. Dazu hatte es im Januar einen Workshop gegeben.

Kultur und Gemeinschaft: Visionen für das Postareal

„Unser Ziel ist es, mit der Belebung dieser Teilflächen einen Beitrag zur Quartiergemeinschaft zu leisten oder temporären Raum für Kultur zu schafften“, hatte Architektin Dörte Meinerling, Geschäftsführerin des von Strabag beauftragten Stuttgarter Stadtplanungsbüros „planbar hochdrei“, damals gesagt. Als Hauptakteure seien die Bürgerinnen und Bürger gefragt: Künstler, Initiativen, Vereine, Veranstalter von Festivals, Personen aus der Gastronomie.

„Man muss klipp und klar sagen, dass die Zwischennutzung damit gestorben ist“, formulierte hingegen Bernd Murschel. Brenner relativierte: „Wir haben eine klare Haltung als Stadt: Wir behindern dabei niemanden.“ Auf Nachfrage gibt auch die Strabag GmbH eine Stellungnahme ab: „Wir sind in engem Austausch. Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir unsere Zwischennutzung in eventuell angepasster Form durchführen können“, schreibt eine Unternehmenssprecherin.

Brückenschlag mit Postareal

Was soll entstehen?
Rund um einen zentralen Platz sind Geschäfte, Gastronomie, Praxen und Büros geplant. Auch an die 100 Wohnungen sind vorgesehen. Die Diskussionen über die Entwicklung des Geländes an der Eltinger Straße zwischen Innen- und Altstadt hatten rund 15 Jahre gedauert.

Wer baut dort?
Investor ist die Strabag Real Estate GmbH. Die Bauarbeiten sollen im Jahr 2026 starten.