In der Produktion von Elektrogeräten favorisiert Stihl Standorte außerhalb Deutschlands. Foto: dpa

Es geht wieder aufwärts für die Stihl-Gruppe: Nach einem leichten Umsatzminus im Jahr 2023 hat es der Waiblinger Gerätehersteller geschafft, den Umsatz im Jahr 2024 um ein gutes Prozent zu steigern.

 

So setzte die Gruppe im vergangenen Jahr 5,33 Milliarden Euro um, im Jahr zuvor waren es noch 5,27 Milliarden Euro gewesen. Dies hat das Unternehmen am Dienstag bei der Vorstellung seiner Jahresbilanz bekannt gegeben.

Stellenabbau bei Stihl: Waiblingen ist betroffen

Trotz dieses Umsatzplus’ will Stihl im Rahmen eines weltweiten Effizienzprogrammes Stellen abbauen – und zwar auch in der Heimat des Unternehmens in Waiblingen. Michael Prochaska, als Vorstandsmitglied zuständig für Personal- und Rechtsfragen, erklärt, es handele sich hier um eine „niedrige dreistellige Zahl“ von Stellen. Laut dem Vorstandsvorsitzenden Michael Traub setzt das Unternehmen dabei auf „sozialverträgliche Lösungen, Altersteilzeitprogramme und freiwillige Maßnahmen“. Weltweit geht es um rund 500 Stellen.

Traub verweist darauf, dass Stihl in den Corona-Jahren wegen des mit der Krise verbundenen Gartenbooms die Mitarbeiterzahl in Waiblingen um 1000 auf rund 6000 Stellen aufgestockt habe – „teilweise auch in einer gewissen Euphorie“. Offenbar war man bei Stihl damals zu optimistisch. „Wir hatten größere Pläne für ein Wachstum, das so jetzt nicht stattfindet“, sagt Traub. „Jetzt müssen wir die Kosten- und Personalstruktur den Gegebenheiten des Marktes anpassen“, unterstreicht Michael Prochaska.

Der Markt ist im Wandel

Der Markt für Gartengeräte und Co. befindet sich im Wandel. Während bei Stihl bislang 24 Prozent der verkauften Geräte elektrisch betrieben werden, hat es sich das Unternehmen zum Ziel gesetzt, diesen Anteil bis zum Jahr 2027 auf 35 Prozent zu erhöhen – ein ambitioniertes Ziel. Im vergangenen Jahr war der Anteil von Elektrogeräten nur um rund ein Prozent gestiegen. Dennoch ist der Stihl-Vorstand überzeugt, die nötige Steigerung von zwei bis drei Prozent pro Jahr schaffen zu können.

Stihl-Geräte sind seit langer Zeit vor allem bei Profis beliebt, die ihre Motorsägen, Laubbläser und Co. – oft über lange Zeit – im hohen Leistungsbereich und teilweise weitab jeglicher Lade-Infrastruktur benutzen. Doch die Elektro-Geräte holen hier gewaltig auf – und auch an mobilen Ladelösungen arbeitet Stihl derzeit.

Der Fertigungsort Deutschland, erklärt Traub, spiele beim Elektroboom allerdings eine eher untergeordnete Rolle. „Hier fertigen wir in erster Linie Benzinprodukte.“ Der Grund seien die teureren Produktionsbedingungen hierzulande. Sänken die Anteile von verkauften Benzingeräten, spiegele sich dies auch bei der Mitarbeiterzahl in diesem Bereich wider.

Die Organisation von Stihl soll dezentraler werden

Michael Traub, Stihl-Vorstandsvorsitzender. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Ein weiterer Hintergrund des geplanten Stellenabbaus in Waiblingen sind Umstrukturierungen im Unternehmen weltweit: Um auf die Unterschiede in so unterschiedlichen Märkten wie Lateinamerika, Asien oder Westeuropa besser reagieren zu können, soll die Verwaltung dezentraler organisiert werden. Diese Änderungen werden auch den Stammsitz des Unternehmens in Waiblingen betreffen. Eine Rolle könnte hier ein jüngst von Stihl gekauftes Gelände in Waiblingen – das ehemalige Syntegon-Areal – spielen. Dort sollen Büro- und Verwaltungsflächen zusammengelegt werden, die bislang in der Region verteilt waren.

Stirnrunzeln in Waiblingen

Auch die Entwicklung in den USA, allen voran die von US-Präsident Donald Trump angekündigten Strafzölle auf Produkte aus Europa, sorgt in Waiblingen für Stirnrunzeln. Nordamerika ist ein riesiger Markt für Stihl, das rund ein Drittel seines gesamten Umsatzes hier erzielt.

Tatsächlich ist Stihl manchen europäischen Mitbewerbern in den USA voraus: 61 Prozent der Teile für die dort verkauften Geräte stammen bereits jetzt aus US-amerikanischer Produktion, weshalb die Produkte das Siegel „Made in USA“ tragen dürfen.

Ob dies Stihl tatsächlich vor Strafzöllen schützt, wird sich zeigen. „Wir fliegen da auf Sicht – aber wir glauben, dass wir auch strategisch gut aufgestellt sind“, sagt Michael Prochaska.

Weltmarktführer

Unternehmen
Die Andreas Stihl AG & Co KG wurde im Jahr 1926 gegründet. Was mit der Herstellung von Dampfkessel-Vorfeueranlagen und Waschmaschinen begann, ist heute ein Unternehmen mit rund 20 000 Mitarbeitern, das als Weltmarktführer Motorsägen, aber auch andere Geräte für Forst-, Bau- und Landwirtschaft sowie Hochdruckreiniger herstellt. Obwohl eine AG, ist Stihl nicht börsennotiert. Die Firmenanteile der Stihl-Muttergesellschaft, der Stihl Holding AG & Co. KG, sind zu etwa gleichen Anteilen aufgeteilt unter den vier Gesellschafterstämmen Hans Peter Stihl, Gerhild Schetter, Rüdiger Stihl und Eva Mayr-Stihl.

Region
Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in Waiblingen. Im hiesigen Werk 1 sind das Unternehmensmuseum „Stihl Markenwelt“, die Fertigung der Kurbeltriebe, der Betriebsmittel sowie Marketing, Vertrieb, Produktmanagement und Teile der Personalabteilung angesiedelt. Im Waiblinger Werk 2 sind ein modernes Entwicklungszentrum, der Einkauf, die Fertigung von Kunststoffteilen, Führungsschienen und Akku-Packs, die Montage und die Produktionslogistik zu Hause. Pläne des Unternehmens für eine weitere, neue Produktionshalle in Ludwigsburg liegen vorerst auf Eis.