Von Mitte April an fährt der erste Hesse-Bahn-Zug morgens in Weil der Stadt früher los. Foto: Simon Granville

Ab Mitte April gilt für die Hesse-Bahn ein neuer Fahrplan. Der erste Zug fährt früher, der letzte deutlich später – und in Weil der Stadt gibt es mehr Zeit zum Umsteigen in die S-Bahn.

Mit dem Fahrplanwechsel zum 12. April wird es mehr Verbindungen der Hermann-Hesse-Bahn (HHB) geben. Das hat das Landratsamt in Calw bekannt gegeben. Auf der Strecke zwischen Calw und Weil der Stadt (Kreis Böblingen), die seit 1. Februar in Betrieb ist, sind die Züge dann morgens früher und abends später unterwegs – allerdings unverändert im Stundentakt.

 

Wann der geplante Halbstundentakt kommt, ist indes weiterhin unklar. Die Verzögerung liegt – wie so oft bei dem 240 Millionen Euro teuren Bahn-Reaktivierungsprojekt – mal wieder an den Fledermäusen.

Was ändert sich im April bei der Hermann-Hesse-Bahn?

Der neue Fahrplan gilt ab Sonntag, 12. April. Während die erste Bahn bislang noch um 5.32 Uhr in Weil der Stadt (um 6.04 Uhr in Calw) abfährt, sind die Züge ab Mitte April bereits ab 5.06 Uhr ab Weil der Stadt beziehungsweise ab 5.34 Uhr ab Calw auf der Schiene.

Auch am Abend gibt es Neuerungen: Noch fährt der letzte Zug um 17.32 Uhr in Weil der Stadt und um 18.19 Uhr in Calw ab. Ab dem 12. April gilt: Die letzte Abfahrt ab Weil der Stadt erfolgt um 0.06 Uhr, die letzte Rückfahrt ab Calw um 0.34 Uhr.

Was ändert sich noch für Fahrgäste?

In Weil der Stadt bleibt künftig mehr Zeit zum Umsteigen. „Wer von der Hermann-Hesse-Bahn in die S-Bahn umsteigt, hat künftig sechs Minuten Zeit für den Gleiswechsel. In der Gegenrichtung – von der S-Bahn zur Hermann-Hesse-Bahn – stehen sogar neun Minuten zur Verfügung“, teilt das Landratsamt Calw mit.

Dadurch sollen Fahrgäste Anschlüsse auch bei kleineren Verzögerungen im S-Bahn-Netz noch sicher erreichen können. Bisher waren es nur knapp fünf Minuten Umsteigezeit gewesen. Für die Hesse-Bahn war am Bahnhof Weil der Stadt ein eigenes Gleis gebaut worden.

Was ändert sich nicht?

Die Hesse-Bahn fährt weiterhin nur im Stundentakt zwischen Weil der Stadt und Calw, obwohl im Vorfeld der Inbetriebnahme mit einem Halbstundentakt ab April geworben worden war. Dass dieser Termin nicht gehalten werden kann, war aber schon Ende Februar klar. Denn noch immer fehlt eine Genehmigung des Regierungspräsidiums (RP) Karlsruhe.

Noch fährt die Hesse-Bahn nur von Calw bis Weil der Stadt – ab Mitte Juni dann weiter bis Renningen. Foto: Ulrike Otto

Der Grund: In den beiden alten Eisenbahntunneln Forst und Hirsau überwintern geschützte Fledermäuse in einer vom Bahntunnel abgetrennten Kammer. Derzeit wird noch überwacht, ob dieses bislang einzigartige Modell funktioniert. Zum Schutz der fliegenden Säugetiere dürfen die Züge deshalb nur mit Tempo 30 durch die Tunnel fahren.

Woran liegt die Verzögerung?

Die Fahrzeit zwischen Weil der Stadt und Calw verlängert sich so um rund sieben Minuten, erklärt Mara Müssle, Pressesprecherin des Calwer Landratsamts. Und dauert zu lange, um den angestrebten 30‑Minuten‑Takt starten zu können. Der funktioniert nämlich nur, wenn sich die Züge pünktlich am Bahnhof Ostelsheim begegnen, wo es für die ansonsten eingleisige Strecke zwei Bahnsteige gibt.

Damit eine Freigabe durch das RP Karlsruhe erfolgen kann, muss nachgewiesen sein, dass die Tunnel-im-Tunnel-Lösung funktioniert. Ein spezielles System zur Vergrämung der Fledermäuse am Eingang zum Bahntunnel konnte noch nicht während der Bauzeit getestet werden. Ein entsprechendes Gutachten soll bis Mitte Mai erstellt werden. Sollten keine Nachbesserungen notwendig sein, könnte die Geschwindigkeitsbegrenzung dann aufgehoben werden. Für einen Fahrplan mit Halbstundentakt strebe man deshalb nun den Juni an, sagt Müssle. 

Wann ist die Strecke erneut gesperrt?

Dann müssen sich Bahnfahrer ohnehin umstellen: Denn von Samstag, 6. Juni, bis Sonntag, 14. Juni, ist die Strecke zwischen den Bahnhöfen Renningen und Malmsheim voll gesperrt – sowohl für die Hesse- als auch für die S-Bahn. Der Grund hierfür: Am Renninger Bahnhof werden für die HHB spezielle Signalanlagen eingebaut.

Im Juni könnte es dann also den großen Tag für das 240 Millionen Euro teure Bahn-Reaktivierungsprojekt geben: Dann könnte die Hermann-Hesse-Bahn nicht nur im Halbstundentakt, sondern auch endlich von Calw bis Renningen durchfahren.