Peter Claffey als Ser Duncan und Dexter Sol Ansell als Egg in „A Knight of the Seven Kingdoms“ Foto: HBO /Steffan Hill

Der „Game of Thrones“-Ableger „A Knight of the Seven Kingdoms“ ist beim neuen Streamingdienst HBO Max gestartet. Zur Premierenparty kam sogar George R. R. Martin nach Berlin.

Ein Mann mit weißgrauem Rauschebart und gutmütig leuchtenden Augen schlurft durch Berlin. Einen Tag später wird hier ein rauschendes Fest gefeiert werden, herausgeputzte Promis aus Funk und Fernsehen werden exotische Cocktails schlürfen und das neueste Werk dieses Mannes feiern, der es lieber ein bisschen unauffälliger mag. Und bevor der Trubel beginnt, verrät er all jenen, die üblicherweise zu solchen Glanz- und Glamourpartys keine Einladungen bekommen, ein paar seiner Tricks.

 
George R. R. Martin in Berlin Foto: imago/Eventpress

Der Mann, der im Kino Delphi Platz nimmt, sieht zwar ein bisschen aus wie Gandalf oder Dumbledore ist aber kein Zauberer, sondern nur ein großartiger Geschichtenerzähler: George R. R. Martin ist Schriftsteller, ihm haben wir die Fantasy-Saga „Das Lied von Feuer und Eis“ zu verdanken, die Vorlage zur SerieGame of Thrones“. Und er hat die Trilogie „Der Heckenritter von Westeros“ geschrieben, die ebenfalls im „Game of Thrones“-Universum spielt und als Serie unter dem Titel „A Knight of the Seven Kingdoms“ beim Streamingdienst HBO Max Premiere feiert, der nun auch in Deutschland Netflix, Prime Video und Co. die Kundschaft abjagen will.

HBO Max: „Herr der Ringe“, „Game of Thrones“, „Harry Potter“

Zwar ist HBO Max bereits am 13. Januar in Deutschland gestartet und lockt mit einem hochwertigen Angebot, zu dem neben Serien wie „Game of Thrones“, „The Last of Us“, „Succession“, „The White Lotus“ oder „The Pitt“ auch die Filme aus dem „Harry Potter“-, dem „Herr der Ringe“- und dem DC-Comic-Universum („Superman“, „Batman“) gehören. Doch erst am 19. Januar geht der Streamingkrieg hierzulande richtig los, wenn die erste Episode des neuen „Game of Thrones“-Ablegers „A Knight of the Seven Kingdoms“ ausgestrahlt wird.

In der Serie, die George R. R. Martin koproduziert hat, erlebt man Westeros aus einer neuen Perspektive. Während einen „House of the Dragon“, das erste „Game of Thrones“-Spin-off, gleich zu Beginn mit spektakulären Schauwerten empfing, die all das boten, was Fans an dieser magisch aufgeladenen mittelalterlichen Fantasywelt lieben, landet man in „A Knight Of The Seven Kingdoms“ in einer der ödesten Ecken der Welt, die sich Martin ausgedacht hat.

Don Quijote und Sancho Panza in Westeros

Dort beerdigt Dunk (Peter Claffey) in einer trist-verregneten Landschaft gerade den Ritter, dem er lange gedient hat. Von nun an nennt er sich Ser Duncan the Tall. Er ist ein Heckenritter – ein Ritter ohne Rüstung, ohne Burg und Land; einer, der nur ein verbeultes Schild, ein Langschwert und drei Pferde besitzt. Er reist mit seinem glatzköpfigen Knappen Egg (Dexter Sol Ansell), der ihm zugelaufen ist, von Dorf zu Dorf, schläft unter Bäumen und will an einem Ritterturnier teilnehmen und sich in den sieben Königreichen einen Namen machen.

Die Geschichte spielt in einer Zeit, in der die Targaryens auf dem Eisernen Thron sitzen. Doch von dieser Welt scheinen dieser etwas einfältige, aber gutmütige und ehrenhafte Mann und sein gewitzter Begleiter, die ein wenig an Don Quijote und Sancho Panza erinnern, weit entfernt unterwegs zu sein. Und Drachen bekommt man hier nur in Form von Puppenspieler-Attraktionen auf Jahrmärkten zu sehen.

Wie Martin in Berlin verrät, mag er an den drei Geschichten, die er seit 1998 über Dunk und Egg geschrieben hat, dass die Hauptfiguren – anders als die meisten seiner Protagonisten in Westeros – durch und durch positive Charaktere sind, aber auch dass diese Abenteuer ziemlich schnell erzählt sind – und ihm das Schreiben nicht so schwer fällt, wie das der beiden noch ausstehenden zwei „Das Lied von Feuer und Eis“-Romane, die er den Fans schon seit Jahren schuldet. „Ich bin als Autor eher ein Gärtner als ein Architekt“, entschuldigt sich der 77-Jährige: Wenn er eine Geschichte anfange, wisse er deshalb nie so genau, wo sie hinführt und wie sie endet.

Das Staffelfinale ist nichts für Menschen mit schwachen Nerven und Mägen

Die Serie „A Knight Of The Seven Kingdoms“, die rund 90 Jahre vor den Ereignissen der Originalserie spielt, wirklich etwas leichter und komischer und weniger brutal, blutrünstig und gruselig als „Game of Thrones“ – zumindest in den ersten vier Episoden der sechsteiligen ersten Staffel. Weil Dunks Ritterlichkeit irgendwann dem Prinzen Aerion Targaryen (Finn Bennett) im Weg steht und Egg nicht der ist, für den er sich ausgibt, darf man sich auf eine spektakuläres Staffelfinale freuen, das einmal mehr nichts für Menschen mit schwachen Mägen und Nerven ist.

Auf jeden Fall erweist sich „A Knight of the Seven Kingdoms“ als genau die Sorte Serie, mit der ein neuer Streamingdienst ordentlich protzen und die Konkurrenz mächtig einschüchtern kann. Das wird dann auch bei der rauschenden Party einen Tag später im Gropius-Bau in Berlin deutlich, bei der sich zwischen „Harry Potter“-, „Herr der Ringe“- und „Game of Thrones“-Buden allerlei Prominenz tummelt, während sich George R. R. Martin in eine stille Ecke geschlichen hat.

HBO Max – Start des Streamingdiensts in Deutschland

Sender
Seit 1973 gibt es den Pay-TV-Sender HBO (Home Box Office), der maßgeblich mit seinen Produktionen das Goldene Zeitalter der Serienfernsehens mitbestimmt hat. Zu stilprägenden HBO-Serien zählen beispielsweise: „Die Sopranos“ (1999-2007), „The Wire“ (2002-2008), „Boardwalk Empire“ (2010-2014), „Curb Your Enthusiasm“ (2000-2024), „Game of Thrones“ (2011-2019), „Succession“ (2018-2023), „Euphoria“ (seit 2019) oder „The White Lotus“ (seit 2021)

Streaming
 Der Streamingdienst HBO Max ist seit 13. Januar auch in Deutschland verfügbar. HBO ist im Besitz zu Warner Bros. Discovery, deshalb finden sich im Katalog von HBO Max auch Warner-Blockbuster-Produktionen wie „Herr der Ringe“, „Harry Potter“ und die Filme aus dem DC-Superhelden-Universum wie „Superman“ oder „The Dark Knight“. Ab dem 19. Januar werden wöchentlich die Episoden der Serie „A Knight of the Seven Kingdoms“ veröffentlicht. Ein HBO-Max-Abo kostet zwischen 5,99 Euro (mit Werbung) und 16,99 Euro (4K-Streaming).