Masayuki Akamatsu hat für die Ausstellung zu „I am we“ ein iPhone-Orchester konzipiert. Foto: factum/Granville

In der a+gallery in der Olgastraße ist eine Ausstellung zu sehen, deren Kunstwerke aus einem Internetprojekt des Medienkünstlers Wolf Nkole Helzle heraus entstanden sind.

S-Süd - Auf dem T-Shirt von Wolf Nkole Helzle stehen schon die wichtigsten Schlagwörter: I am me – I am you – I am we. Ich bin ich, ich bin du, ich bin wir. „I am we_interactive image“ heißt das Netzkunstprojekt des Künstlers: Auf einer Internetplattform kann man sich mit Name, E-Mail-Adresse und Profilbild registrieren. Dann hat man Zugang zu einem Fototagebuch, das man selbst gestalten kann. Das Außergewöhnliche dabei: Klickt man auf „Mosaic“, bekommt man ein Fotomosaik zu sehen, das aus 2016 Einzelbildern besteht, nämlich den hochgeladenen Fotos aller User.

Diese Fotos werden dann so arrangiert, dass daraus, alle paar Minuten neu, jeweils das Profilbild eines Users entsteht. „Das Projekt ist global angelegt, und seit dem Frühjahr haben sich bereits 200 User aus 40 Nationen angemeldet, die täglich ihr Fototagebuch füllen“, berichtet Wolf Nkole Helzle. Knapp 7000 Bilder sind bereits hochgeladen worden, dazu wurden rund 14 000 Kommentare gepostet. „Da entstehen wahnsinnig spannende Geschichten, denn zu jedem Bild gibt es natürlich auch einen Hintergrund“, sagt der Künstler.

Aus der virtuellen Kunst ist physisch greifbare geworden

Das Projekt ist auf Veränderung angelegt, denn das Gesamtmosaik ändert sich ständig, formt stets neue Profilbilder. „Jeder kann mitmachen und seine Welt abbilden, die Authentizität ist sehr wichtig dabei“, sagt Helzle. „Ich finde es sehr spannend, zu sehen, was das mit einem macht, wenn man sich auf dieser Weise in eine Online-Gemeinschaft einbringt.“ Das Individuelle und das Kollektive beschäftigen den Medienkünstler seit langem. „Es entsteht etwas, das nicht mehr nur mit mir zu tun hat“, so Helzle. „Es ist nicht mehr meine Plattform, sondern unsere.“ Helzle sieht den immer häufigeren Wunsch der Menschen, in einer Gesellschaft wahrgenommen zu werden, in „I am we“ befriedigt. „Jeder ist eingeladen, sich zu beteiligen, ein Teil von etwas zu sein.“

Auf der Suche nach Sponsoren, die ihm bei der Finanzierung der Internetseite und der Software, die die Mosaike erstellt, helfen, sprach Helzle Kai Bierich und Klaus Haasis von der a+gallery in der Olgastraße an. Von Haasis kam der Vorschlag, in den Räumen der Galerie eine Ausstellung zum Projekt zu organisieren, also das Virtuelle ins Physische kommen zu lassen: Teilnehmer der Internetplattform – Künstler wie Nichtkünstler gleichermaßen – stellen dort Werke aus, die für oder aus ihren Fototagebüchern entstanden sind, sowie Fotografien, Drucke, Skulpturen und interaktive Objekte. Von 13. bis 15. Juli fanden sich außerdem Plattformnutzer zu Vorträgen und Performances zusammen. Der japanische Künstler Masayuki Akamatsu war etwa mit einer Soundperformance dabei, in der er mit zwanzig iPhones Musik machte.

Von Akamatsu, Wolf Nkole Helzle und Betty Hensel ist außerdem „Secret Emotions“, ein Teil der Ausstellung: Auf den ersten Blick sieht man schwarz-weiße Porträtfotos von Menschen. Hält man jedoch ein iPhone davor, wechseln die Gesichtsausdrücke der Abgebildeten von glücklich über traurig bis zornig. Die „I am we“-Internetplattform soll so lange wie möglich weiterlaufen, ein Ende ist nicht geplant. Stattdessen sollen in anderen Städten weitere Ausstellungen und Treffen der Teilnehmer organisiert werden.

Info: Wer sich beteiligen will, kann sich unter www.interactive-image.org registrieren. Die Ausstellung in der a+gallery, Olgastraße 138, läuft noch bis zum 15. August. Geöffnet ist jeweils freitags von 10 bis 18 Uhr.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: