Nach dem Brand eines Lkw-Anhängers im Engelbergtunnel stellt sich die Frage, wie Fahrer auf Gefahrensituationen vorbereitet werden. Standardtrainings des ADAC haben Grenzen.
Es hätte noch schlimmer enden können: Als vergangene Woche der Anhänger eines Sattelzugs im Engelbergtunnel ausbrannte, entstand dort zwar ein massiver Schaden. Doch weil sich der Brand kurz hinter dem Nordportal ereignete, blieben sowohl die restliche, fertig sanierte Weströhre als auch die Oströhre unversehrt.
Hätte sich der Anhänger weiter im Tunnelinneren entzündet, wäre der Schaden wohl deutlich größer ausgefallen, wie der Leiter Unternehmenskommunikation der Autobahn GmbH Niederlassung Südwest erklärt. Dass der Brand vergleichsweise glimpflich ausging, könnte auch am schnellen Handeln des Lkw-Fahrers gelegen haben.
Denn nachdem der Anhänger Feuer gefangen hatte, koppelte er ihn ab und fuhr die Zugmaschine noch ein Stück weiter in den Tunnel hinein. So verhinderte er, dass die Flammen auf den Laster mit Dieseltank übergreifen konnten.
Brand im Engelbergtunnel Leonberg: Fahrer verhinderte Schlimmeres
Der Vorfall wirft allerdings auch eine grundsätzliche Frage auf: Werden Lkw-Fahrer speziell auf Brand- oder Gefahrensituationen wie diese vorbereitet?
Nach Angaben des Automobilclubs ADAC gibt es „Trainings für Lkw, Busse und Kleintransporter sowie Schulungen im Rahmen der Berufskraftfahrerqualifikation“. Das teilt die Pressesprecherin Melanie Mikulla auf Anfrage unserer Zeitung mit. In den Kursen würden auch allgemeine Sicherheitsaspekte behandelt.
Wie häufig Lkw-Fahrer an solchen Trainings teilnehmen, hänge von ihrem jeweiligen Tätigkeitsbereich ab. „Spezielle Trainingsformate mit dem Schwerpunkt Brand- oder Gefahrensituationen gehören jedoch nicht zum Standardangebot“, erläutert die Sprecherin. Auch „das Verhalten bei Bränden in Tunneln gehört nicht zu den Standardinhalten der Trainings“.
ADAC: Trainings zu Tunnelbränden sind kein Standard
Allerdings könnten für Unternehmen bei Bedarf individuelle Trainings entwickelt werden, in denen Fahrzeugbrände oder Gefahrensituationen in Tunneln behandelt werden. Die Inhalte von auf Firmen zugeschnittenen Lkw-Trainings variierten grundsätzlich je nach Format und Zielgruppe. In solchen speziellen Schulungen könne „bei Bedarf“ beispielsweise auch das Abkoppeln einer Zugmaschine von einem brennenden Auflieger thematisiert werden.
Neben Schulungen spielen auch weitere Sicherheitsmaßnahmen eine Rolle. Wie der ADAC angibt, ist das Mitführen eines Feuerlöschers bei Fahrzeugen bis zu einem Gewicht von 3,5 Tonnen nicht vorgeschrieben. Und darüber hinaus gilt zwar für einige, aber nicht für alle Lkw die Vorschrift, einen Feuerlöscher mit an Bord zu haben.
Risiko eines Fahrzeugbrandes laut ADAC statistisch sehr gering
Zudem tragen die Speditionen eine zentrale Verantwortung für die Sicherheit ihrer Flotten, ihrer Fahrer und anderer Verkehrsteilnehmer. Im Fall des im Engelbergtunnel in Brand geratenen Lkw seien entsprechende Maßnahmen getroffen worden, betonte der Speditionsleiter des Unternehmens aus Nagold.
Dazu gehörten eine eigene Werkstatt, die gesetzlich vorgeschriebene tägliche Abfahrtskontrolle durch die Fahrer sowie zusätzliche Prüfungen durch den Reifenhersteller. Dennoch hat sich der Auflieger entzündet. Nach Angaben der Polizei könnte ein defekter Reifen die Ursache für den Brand gewesen sein.
Trotz des folgenschweren Vorfalls im Engelbergtunnel ist das Risiko eines Fahrzeugbrands statistisch gesehen vergleichsweise gering. Nach Angaben des ADAC liegt der Anteil von Fahrzeugbränden an der Gesamtzahl aller Unfälle bei „unter einem Prozent“.