Die Erweiterung der A 81 macht jetzt auch Fahrradfahrern zu schaffen. An zwei verkehrsreichen Straßen geht es für die Fahrradfahrer nicht mehr so einfach Richtung Sindelfingen und Dagersheim weiter.
Hier eine Sperrung für ein Wochenende, dort eine gewohnte Verbindung, die dicht ist, hier eine Spur, die fehlt, dort eine Verkehrsführung, die plötzlich ganz anders ist. Die Autofahrer haben es schon mehrfach zu spüren bekommen: Der Ausbau der A 81 geht zwischen Böblingen und Sindelfingen nicht ohne Einschränkungen über die Bühne. Ein Zustand, der noch rund vier Jahre zum Alltag gehören wird.
Schon lange bevor Bagger und Bauarbeiter aufgekreuzt sind, lautete daher der Tipp der Verkehrsexperten, das Fahrrad zu nutzen, wann immer es geht. Auf dem Sattel, so die Prophezeiung, werden sich die Einschränkungen am besten umfahren lassen.
Im ersten Jahr der Umbauaktion war dies kein schlechter Rat. Während die Vierräder sich einschränken und schleichen mussten, rollte es sich auf zwei Rädern bequem an den Baustellen entlang. Nun aber scheint Schluss mit dem Komfort zu sein. An zwei verkehrsreichen Stellen enden die Radwege seit Kurzem recht abrupt an Absperrgittern.
Kein Durchkommen beim Smart-Turm und nach Dagersheim
Wer von Böblingen in Richtung Goldberg auf der Sindelfinger Straße radeln möchte, für den ist am Smart-Turm Ende. Der Radweg stößt auf die Einfahrt der Leibnizstraße und danach ins Off: Der Weg über die A 81-Brücke ist verrammelt, weil dort ein neuer Übergang neben dem bisherigen gebaut wird. Durchkommen? Unmöglich. Wer weiter möchte, muss mutig sein und sich irgendwie auf die viel befahrene Sindelfinger Straße begeben. Die zweite Radverbindung haben die Autobahnbauer einige hundert Meter westlich gekappt: Der Weg nach Dagersheim endet vor der Calwer Brücke.
Bei den Radlern stoßen diese Sperrungen auf Unmut. Weniger die Tatsache, dass es sie gibt, war jüngst in der Radwege-AG im Böblinger Rathaus Ziel der Kritik, sondern die Umstände waren es.
Die Radler fühlen sich allein gelassen
Im Falle der Sindelfinger Straße fühlten sich die Radler an den Absperrgittern ziemlich allein gelassen. Viel zu spät werde darauf hingewiesen, dass es nicht weitergeht. Mit etwas gutem Willen, so der Tenor, müsste ein Weg über die Brücke weiterhin machbar sein. Funktioniert nicht, sagt jedoch die für den Autobahnbau verantwortliche Projektgesellschaft Deges. Die Baugrube reiche bis an den Fahrbahnrand heran, daher könne der Geh- und Radweg nicht aufrecht erhalten werden. Radlern und Fußgängern bleibt nichts anderes übrig, als die belebte Straße zu überqueren und den Geh- und Radweg auf der anderen Seite zu nutzen.
Lange Umweg durchs Industriegebiet
Bei der Route nach Dagersheim missfiel vor allem der lange Umweg durchs Industriegebiet Hulb. Dies, erklärte Böblingens Tiefbauamtsleiter Frank Bader, sei so nicht vereinbart gewesen. Die Deges habe ein Ersatzbauwerk an der Brücke in Aussicht gestellt. Die Deges bestätigt, dass eine Treppenkonstruktion mit Schieberinne für Fahrräder geplant gewesen sei. „Aufgrund der Gegebenheiten vor Ort“, habe sich das jedoch als äußerst schwierig herausgestellt. In Anbetracht der Kosten sowie umweltfachlicher Fragestellungen habe man sich in Abstimmung mit der Stadt dagegen entschieden.
Bis die Absperrungen wieder weggeräumt werden, müssen sich die Radler noch eine ganze Weile gedulden: Am Smart-Turm bleibt der Radweg noch ein Jahr lang gesperrt, an der Calwer Brücke gibt’s wohl bis Ende diesen Jahres kein Durchkommen.