Auf dem Teilstück der A 81 bei Böblingen herrscht oft dichtes Gedränge. Foto: factum/Bach

Die Planer entdecken Tiere, die umgesiedelt werden müssen. Auch der Lärmschutz ist noch ein Problem: Ein Vertreter der Initiative Leise A 81 erwägt eine Klage.

Böblingen - Der Ausbau der Autobahn 81 zwischen Böblingen und Sindelfingen verzögert sich weiter. Die federführenden Planer im Regierungspräsidium (RP) Stuttgart wollten bis Anfang des Jahres abwägen, was sie unternehmen, um die Lärmgrenzwerte einzuhalten, und beim Bund nochmals vorstellig werden. Die Sache gestaltete sich schwierig, weil sich die Regierungsbildung in Berlin in die Länge zog. Zudem ergab eine erneute Untersuchung an der Ausbaustrecke, dass schützenswerte Tiere umgesiedelt werden müssen. Das RP möchte die Planfeststellung nun bis Mitte diesen Jahres auf den Weg bringen.

Leise A 81 will den neuen Verkehrsminister einschalten

„In der Frage der Verbesserung des Lärmschutzes ist nichts passiert“, stellt Hans Ambros von der Bürgerinitiative Leise A 81 zerknirscht fest. Nun gebe es in Berlin aber einen neuen Verkehrsminister und einen neuen dafür zuständigen Staatssekretär. „Wir werden sie auf unser Problem aufmerksam machen“, kündigt Ambros an, „und dafür auch den Landrat Roland Bernhard einschalten“. Dieser habe sich stets engagiert für die Belange der Bürger eingesetzt. Vom dem abgewählten Böblinger Oberbürgermeister Wolfgang Lützner (CDU) könne man das nicht sagen. Ambros und dessen Mitstreiter erhoffen sich vom neuen Böblinger Rathauschef Stefan Belz (Grüne) dagegen mehr Unterstützung.

Nach wie vor enttäuscht zeigt sich die Initiative nämlich darüber, dass das RP den ursprünglich vorgesehenen offenporigen Asphalt, der am meisten Schall schluckt, aus Kostengründen strich und nun einen anderen Fahrbahnbelag vorzieht. Laut Thorsten Breitfeld von der Leisen A 81 bringt dieser aber nur eine Einsparung von rund 700 000 Euro. Angesichts der Gesamtkosten von 230 Millionen Euro für den sechsspurigen Ausbau der 7,2 Kilometer langen Strecke inklusive eines 850 Meter langen Lärmschutzdeckels sei das absurd, sagt Breitfeld.

Lärmgrenzwert nachts überschritten

Mit dem Asphalt, der nun verwendet werden soll, werden die Lärmgrenzwerte in der Nacht an 105 Gebäuden um bis zu 1,2 Dezibel überschritten. Bei der Erörterungsverhandlung im vergangenen Juli räumte das RP diesen Umstand ein, versprach aber Schallschutzfenster. Der nun zugrunde gelegte Belag komme auch deshalb zum Zug, weil er bei Verschleiß besser zu ersetzen sei als der offenporige Asphalt, teilt das RP mit.

Breitfeld will nun den Bescheid der Behörde abwarten, die über die Planfeststellung informiert: „Wir werden ihn prüfen und behalten uns vor, dagegen zu klagen.“ Aber nicht alle Mitglieder der Initiative sind dieser Meinung. Rolf Wild etwa erklärt: „Das bringt nichts. Wir sollten nicht als Ausbauverhinderer dastehen.“

Artenerhebung aktualisiert

Unter den 30 Einwänden und 70 Stellungnahmen, die beim RP in Sachen A-81-Ausbau eingingen, fand sich auch Kritik von Naturschutzverbänden, die sich um den Artenschutz sorgen. „Aus Sicherheitsgründen haben wir die Artenerhebung noch einmal aktualisiert“, teilt die RP-Sprecherin Saskia Becker mit. Dabei seien Tiere entdeckt worden, auf die man bisher noch nicht gestoßen sei.

Dazu zählten „einige wenige“ Haselmäuse. „Die Arten werden bei den schutzrechtlichen Ausgleichsmaßnahmen natürlich berücksichtigt“, sagt Saskia Becker. Das RP wolle sie entweder „vergrämen“, wie es in der Fachsprache heißt, also verscheuchen, oder umsiedeln. Dies geschehe im Rahmen des landschaftspflegerischen Begleitplans, der zur Zeit für die Planfeststellung überarbeitet werde, so die RP-Sprecherin. In ein paar Monaten aber solle das Ganze fertig sein.

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