Der DB-Projektingenieur Sebastian Antritt steht nördlich der A 8 und zeigt hinüber gen Westen – zur neuen Autobahnauffahrt in Richtung Karlsruhe. Foto: Philipp Braitinger

Gewaltige Erdbewegungen waren nötig, um die neue Anschlussstelle der A 8 zwischen Neuhausen und Ostfildern zu bauen. Am Mittwoch um neuen Uhr soll der Verkehr nun auf allen neuen Straßen wieder rollen können.

Neuhausen - Es hat sich einiges getan. „Die alte Anschlussstelle ist komplett weg“, erklärt der zuständige DB-Projektingenieur Sebastian Antritt kurz vor der Freigabe der neuen Straßen. Dort, wo es einst zur A 8 beziehungsweise runter von der Autobahn ging, ist inzwischen ein großer Haufen Erde, gespickt mit Steinen und Schutt. Im Zuge der Bauarbeiten für die neue Bahnverbindung zwischen Stuttgart und Ulm im Rahmen von S 21 wurde die nördliche Anschlussstelle zwischen Ostfildern-Nellingen und Neuhausen umfassend neu gestaltet. Auf einem Teil der neuen Straßen konnten Autos bereits geraume Zeit fahren. Ab Mittwoch, 9 Uhr, sollen alle Wege wieder offen sein, verspricht Antritt. Zuletzt war noch die Strecke von Nellingen nach Neuhausen über die L 1202 nicht befahrbar.

 

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Die neue Autobahnanschlussstelle liegt etwas weiter im Westen. Sie ist bereits seit Juli dieses Jahres in Betrieb. Dorthin führt eine neue Straße. Der neue Weg zur Autobahn ist allerdings ein wenig verschlungen. Die S-förmige Auffahrt führt vorbei an einem großen Schweinestall zunächst unter dem Gleisbett hindurch, bevor sie bergauf zur Autobahn Richtung Flughafen geführt wird. An dieser Stelle ist auch die neue Abfahrt. Wer nicht auf die Autobahn möchte, kann über die neue Straße entweder parallel zur Autobahn weiter Richtung Stuttgart-Plieningen oder nach Süden Richtung Filderstadt-Bernhausen und Neuhausen sowie in der Gegenrichtung nach Ostfildern-Nellingen oder Plieningen. fahren. Ebenfalls neu wurden zwei Regenrückhaltebecken und zwei Pumpwerke für das Regenwasser neben der neuen Landstraße gebaut.

„Die neue Strecke ist viel schneller“

An dieser Stelle zeigt sich, wie umfassend sich das Bahnprojekt Stuttgart 21 nicht allein auf den direkten Bahnverkehr zwischen Stuttgart und Ulm auswirkt. Vielmehr krempelt die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke zahlreiche Verkehrsadern in der gesamten Region Stuttgart um. Aufgrund der neuen Streckenführung wird sich unter anderem der Verkehr, der sich bislang an der nördlichen Siedlungsgrenze von Neuhausen parallel zur Autobahn entlanggequält hat, verringern. „Die neue Strecke ist viel schneller, wir haben weniger Ampeln“, erklärt der Ingenieur Antritt.

Wer aus Richtung Nellingen über die Körschtalbrücke kommt und ein Ziel in Neuhausen ansteuern möchte, kann aber zukünftig weiter die gewohnten Wege fahren. Menschen, die aus Richtung Plieningen ein Ziel in Denkendorf oder das Körschtal ansteuern, könnten ebenfalls die neue Umfahrung von Neuhausen nutzen. Die Ab- und Auffahrt von beziehungsweise zur A 8 in Richtung München hat sich nicht verändert. Was entfällt, sind die Ampeln, die es bisher nach der alten Auf- und Abfahrt gab.

Bauarbeiten sind noch nicht beendet

75 Millionen Euro haben Bahn und Regierungspräsidium Stuttgart während einer zweieinhalbjährigen Bauzeit in die neuen Verkehrswege investiert. Die ausführende Firma ist der französische Baukonzern Vinci. „Es ist die wirtschaftlichste Lösung“, meint Antritt. Denn ohne den neuen Autobahnanschluss hätte die Bahn ihre neue Brücke für die S 21-Stecke am alten Anschluss 120 statt 60 Meter lang bauen müssen, erklärt der Ingenieur. Insgesamt gibt es auf dem Abschnitt zwischen der alten und der neuen Autobahnanschlussstelle drei Bahngleisbrücken: eine an der alten Anschlussstelle, eine an der neuen und eine für einen Wirtschaftsweg dazwischen.

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Nach der Freigabe der neuen Straßen für den Autoverkehr sind die Bauarbeiten insgesamt an dieser Stelle noch nicht ganz beendet. Neben den Gleisen wird die Erde noch begrünt. Hinzu kommen die Arbeiten auf dem Gleisbett. Dort werden noch die Oberleitungen gebaut und die Gleise verlegt. Etwas östlich der alten Anschlussstelle führen die Gleise in einen Tunnel bei Denkendorf 768 Meter unter der Autobahn hindurch, bevor sie weiter nach Wendligen parallel und südlich der Autobahn verlaufen. In Wendlingen wartet dann bereits der nächste Tunnel auf die zukünftigen Fahrgäste. Der aktuelle Zeitplan der Bahn sieht vor, dass die Strecke zwischen Wendlingen und Ulm bereits Ende kommenden Jahres fertig ist. Auf der Stecke sollen Züge dann mit einer Geschwindigkeit von bis zu 250 Stundenkilometern fahren können. Die Bahn hofft, dass sich die Fahrzeit zwischen Stuttgart und Ulm zukünftig im besten Fall auf eine halbe Stunde halbiert.

Im Regionalverkehr sollen Reisende zukünftig in 41 Minuten von Ulm nach Stuttgart und umgekehrt kommen. Die Gesamtstrecke zwischen Stuttgart und Ulm wird nach derzeitigen Planungen allerdings erst Ende des Jahres 2025 in Betrieb genommen werden.