Zwei Fahrzeuge brannten bei dem Unfall vollständig aus. Foto: SDMG

Ein Audi prallt auf einer Abbiegespur eines vollen Parkplatzes bei Bad Rappenau auf das Begleitauto eines Schwertransporters. Allein in Baden-Württemberg fehlen 2500 Lkw-Stellplätze entlang der Autobahnen.

Bad Rappenau - Nach einem Unfall mit zwei Toten und zwei Verletzten auf der Autobahn 6 bei Bad Rappenau (Kreis Heilbronn) am späten Mittwochabend ist eine Diskussion um überfüllte Autobahnparkplätze aufgekommen. Ein Schwertransporter, der einen Bagger geladen hatte, wollte auf den Parkplatz Bauernwald fahren wollen, musste aber wegen eines dort geparkten Sattelzuges aus Lettland in der Einfahrt stehen bleiben. Wenige Augenblicke später fuhr ein Audi vermutlich ungebremst auf das Begleitfahrzeug, einen Renault-Transporter mit Blinklicht auf dem Dach – dieses Auto wurde wiederum auf den Schwertransporter geschoben. Beide Autos gingen in Flammen auf.

In dem Audi verbrannte eine Person bis zur Unkenntlichkeit, wie Achim Küller von der Heilbronner Polizei sagte. Die Identität ist noch nicht bekannt; heute Vormittag soll eine Obduktion stattfinden. Im Begleitfahrzeug starb die Beifahrerin in den Flammen. Die Fahrerin wurde durch die Wucht des Aufpralls aus dem Wagen geschleudert und lebensgefährlich verletzt. Der Fahrer des Schwertransporters ist wohl nur leicht verletzt. „Er ist Portugiese, das Fahrzeug hatte ein portugiesisches Kennzeichen“, sagte der Polizeisprecher.

Schwerverkehr hat durch EU-Erweiterung stark zugenommen

Der Parkplatz Bauernwald mit etwa zehn Stellplätzen für Lastwagen soll bereits überfüllt gewesen sein. Es sei ein lange bekanntes Problem, dass die Parkplätze nachts von Lastwagen blockiert würden, sagte der Polizeisprecher. Der Schwerverkehr hat seit der EU-Osterweiterung 2004 stark zugenommen, es fehlen bundesweit bis zu 14 000 Stellplätze. Auf 2500 schätzt das Verkehrsministerium die Zahl der fehlenden Lkw-Stellplätze in Baden-Württemberg. Zwar seien im vergangenen Jahr 2017 durch Umbau und Erweiterungen im Südwesten rund 130 Parkplätze für Lastwagen entstanden. Der Mangel sei aber weiterhin groß. Als besonders betroffen gelten die A 5, die A 6 und die A 8. Es gab bundesweit bereits mehrere tödliche Unfälle auf Autobahnen wegen blockierter Parkplätze.

Manche Fragen zu dem Unglück sind am Donnerstagnachmittag noch offen gewesen. So ist bisher nicht erklärbar, warum der Audi auf das Begleitfahrzeug fuhr, obwohl dieses nicht auf einer der regulären Fahrspuren stand. Nach bisherigem Kenntnisstand ist der Schwertransport ordnungsgemäß genehmigt gewesen. Grundsätzlich muss jeder Schwertransport beim Landratsamt beziehungsweise bei landkreisübergreifenden Fahrten beim Regierungspräsidium angemeldet werden. Désirée Bodesheim vom Stuttgarter Regierungspräsidium konnte zum konkreten Fall keine Auskunft geben; vermutlich war ein anderes Regierungspräsidium zuständig. Laut Polizei war der Transport unterwegs vom bayerischen Wackersdorf ins grenznahe Frankreich.

Polizei begleitet viele Transporte mittlerweile nicht mehr

Ende Mai 2017 war eine neue Verwaltungsvorschrift in Kraft getreten, nach der nicht mehr alle Schwertransporte von der Polizei begleitet werden müssen, und zwar für „alle im Vorhinein planbaren und regelbaren Streckenabschnitte mit Standardsituationen und -fällen“, so die Vorschrift. Auf Autobahnen, wo die Straßen breit und ohne enge Kurven sind, habe die Polizei bisher schon häufig auf eine Begleitung verzichten können, so der Polizeisprecher Belz.

Zunächst hatten die Einsatzkräfte vor Ort noch nach einem Kind gesucht. Zeugen hatten von „Mama“-Rufen an der Unfallstelle berichtet. In den Autos habe sich aber kein Kind befunden, teilte die Polizei mit – auch rund um die Unfallstelle nicht. Die A 6 in Richtung Mannheim war mehrere Stunden voll gesperrt gewesen. Nach dem lettischen Lastwagenfahrer wird jetzt gesucht. In dem Lkw würde die Polizei gerne das Kontrollgerät auslesen. „Hatte er die Möglichkeit, nach vorne zu fahren? Das wollen wir wissen“, sagte ein Sprecher.

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