Mit E-Mails, die scheinbar von Google kommen, treten derzeit Unbekannte in der Region Stuttgart an Firmen heran. Der Suchmaschinenkonzern bestreitet jegliche Form der Zusammenarbeit.
Firmen im Kreis Böblingen sollten sich in Acht nehmen: Mit offenbar betrügerischen E-Mails geben sich Unbekannte derzeit als Google-Mitarbeiter aus, dahinter stecken wohl überteuerte Angebote.
Die Anrede wirkt wie die seriöse Akquise des Teams von Google Street View: Man bietet an, Geschäftsräume für die Google-Seiten zum Pauschalpreis professionell fotografieren, um das Unternehmen im Netz besser sichtbar zu machen. Auch eine 360-Grad-Panorama-Tour wird angeboten. Mit dem Suchmaschinengiganten hat das angebliche Street-View-Team allerdings nichts zu tun, auch wenn die Absenderin anderes vermuten lässt.
Mit der Anrede „Sehr geehrtes Warentauschbörse-Team, Unser Google Street View Fotografen Team ist von Januar bis April in Sindelfingen und in der näheren Umgebung unterwegs“, erwecken sie Vertrauen und bauen einen latenten Zeitdruck auf. Die E-Mail kommt von der Adresse lisa.maria@stadtview.com und ist unterschrieben von einer gewissen Lisa-Maria Sinato. Angegeben ist außerdem eine Mobilnummer.
Angerufener druckst herum
Dort angerufen, meldet sich dann aber ein männlicher Mitarbeiter mit einem fremdländisch klingenden Namen. Eine Presseanfrage könne er nicht beantworten, „dies muss über die Geschäftsführung laufen“, sagt er. Warum er den Anruf beantwortet statt der offenbar weiblichen Mitarbeiterin Lisa-Maria, lässt er offen. Auch wie man die sogenannte Geschäftsführung erreicht: „Leider kann ich Ihnen weder Telefonnummer noch eine E-Mail-Adresse geben“, druckst der Angerufene herum.
Nach seinem eigenen Namen gefragt, antwortet er nach kurzer Denkpause: „Müller“. Seinen Vornamen gibt er trotz mehrmaligem Nachhaken nicht preis. Auf die Frage nach dem Geschäftssitz der Agentur oder weiteren Kontaktmöglichkeiten beendet er das Gespräch ohne noch ein Wort zu sagen. Ein seriöser Dienstleister oder gar der Suchmaschinengigant Google agiert selbstverständlich anders.
Der Digitalkonzern selbst äußert sich zu dem Vorgang nur knapp über seine PR-Agentur: „Google hat keinerlei Verbindung zu diesem Unternehmen und dieses wird auch nicht von Google beauftragt.“ Wer im Netz nach dem Namen von Sinato sucht, wird hingegen schnell fündig. Offenbar führten die Unbekannten unter diesem Pseudonym auch schon andere hinters Licht. Im Raum Leipzig verwendeten sie die E-Mail-Adressen „l.sinato@ansichtpfadmap.com“ oder „lisa.maria@citymapsguideteam.com“
Inhalte der Mails gleichen sich aufs Wort
Beim Inhalt der E-Mails sind die offenkundigen Betrüger indes weniger erfindungsreich – diese gleichen sich aufs Wort. Gefahr droht, wer auf diese Angebote eingeht und seine Firmendaten weiterleitet, heißt es weiter. Auch können überteuerte Rechnungen die Folge sein. Das Problem: Grundsätzlich darf jeder diese 360-Grad-Aufnahmen anfertigen und bei den Google-Diensten hochladen. Eine Pflicht zur vorherigen Zertifizierung besteht nicht mehr.
Diese Lücken scheinen die schwarzen Schafe auszunutzen: Sie gaukeln Expertise vor und versprechen mehr Sichtbarkeit in den Google-Suchseiten. Doch die tatsächliche Qualität der Bilder lasse dann zu wünschen übrig, berichtet ein Betroffener in einem Online-Forum. Und die Geschädigten bleiben auf den hohen Kosten des „Pauschalangebots“ sitzen.
Die gute Nachricht: Im Polizeipräsidium Ludwigsburg, das auch für den Kreis Böblingen zuständig ist, hat man von der Masche noch nichts gehört. Demnach hat sich noch kein Geschädigter an die Polizei gewandt. Doch in diesen Fällen gilt wie andernorts auch: Vorsicht ist besser als Nachsicht.