Im Hochmittelalter taucht der Name Malmsheim in einer Urkunde auf: Neben Gütern wie Weinsberg und Schwäbisch Gmünd sollte es verschenkt werden. Das hatte einen besonderen Grund.
Das kleine beschauliche Malmsheim, das am Wochenende die erste urkundliche Erwähnung vor 950 Jahren feiert, hat viel erlebt. Überregional bedeutsam ist der Renninger Stadtteil wohl nur wegen des Flugplatzes, an dessen Rand sich seit 2015 das Forschungs- und Entwicklungszentrum von Bosch befindet. Im Jahr 1188 war das anders. Da tauchte der Name Malmsheim in einem Vertrag auf, der in ganz Europa Aufsehen erregte und sogar den Papst auf den Plan rief.
Der Herrscher will mit einer Hochzeit seine Stellung sichern
Der Staufer Friedrich I. Barbarossa ist damals seit 33 Jahren Deutscher Kaiser. Um nach vielerlei Konflikten seine Stellung innerhalb Europas zu sichern, plant der umtriebige Herrscher eine besondere Allianz: Er will seinen Sohn Konrad mit der ältesten Tochter des kastilischen Königs Alfons III. verheiraten.
Barbarossas Sohn soll die kastilische Prinzessin heiraten
Die Braut Berengaria, eine Cousine von Richard Löwenherz, ist gerade acht Jahre alt, der Bräutigam 16. Dem König von Kastilien, mächtigster christlicher Herrscher auf der iberischen Halbinsel, fehlt ein männlicher Erbe. Das Ehebündnis ist für den Deutschen Kaiser also eine Möglichkeit, seinen Einflussbereich auszuweiten.
Dazu wird am 23. April 1188 der Vertrag von Seligenstadt geschlossen, ein Hochzeitsvertrag, in dem die Bedingungen für die Heirat festgelegt werden. Laut dem Geschichtswissenschaftler Peter Koblank, der den Vertrag für das Projekt „Stauferstelen“ beleuchtet hat, ist es einer der wenigen erhaltenen Heiratsverträge dieser Zeit und eine der interessantesten Urkunden der Stauferzeit.
Um die Verbindung attraktiv zu machen, werden der Braut als sogenannte Morgengabe verschiedene Ländereien zugesichert. Mit diesem Geschenk wird die Braut abgesichert für den Fall, dass der Gatte verstirbt.
Unter den 30 Gütern findet sich auch der Name Malmsheim, neben bekannten Namen wie Weinsberg und Rothenburg ob der Tauber, Teile der Stadt Würzburg oder befestigte Städte wie Schwäbisch Gmünd und Dinkelsbühl.
Noch im gleichen Jahr werden Berengaria und Konrad in Kastilien verheiratet. Weil die Braut aber noch nicht ehemündig ist, bewerten Historiker die Verbindung eher als Verlobung. Zur richtigen Ehe kommt es tatsächlich nie.
Zwischen Herbst 1191 und Anfang April 1192 widerspricht die mittlerweile elfjährige Berengaria dem Ehebündnis. Ob sie tatsächlich nicht mit der Ehe einverstanden ist, sei dabei nebensächlich, sagt Peter Koblonk. Vielmehr hat wohl der Papst Coelestin III. seine Finger im Spiel, der somit verhindert, dass die Staufer ihren Einfluss nach Spanien ausdehnen.
Malmsheim bleibt am Ende doch schwäbisch
Dazu kommt, dass König Alfons von Kastilien mittlerweile einen männlichen Erben hat, Berengaria als Partie somit an Attraktivität einbüßt. Kaiser Friedrich Barbarossa ist zudem 1190 auf der Rückkehr von seinem dritten Kreuzzug ertrunken. Und sein Sohn Heinrich VI. eher mit der Kaiserkrönung beschäftigt.
Nur wenige Jahre später, im August 1196, stirbt Konrad, der wohl kein angenehmer Zeitgenosse gewesen sein soll. Berengaria hingegen wird später zuerst durch Heirat Königin von Leon und, als ihr Bruder stirbt, doch noch Königin von Kastilien. Aber nicht von Malmsheim. Wie dessen Entwicklung sonst wohl verlaufen wäre?
950-Jahr-Feier Malmsheim
Tagesprogramm
Am Samstag, 8. November, wird in Malmsheim groß gefeiert. 10 Uhr: Glockenläuten der Germanuskirche, dann Begrüßung durch Bürgermeisterin Melanie Hettmer. 10.30 Uhr: Drohnenaufnahme des Projekts „Menschen-950“ im Kirchhof. 11 bis 15 Uhr: Ortsrundgang mit verschiedenen, liebevoll gestalteten und bespielten Stationen.
Abendprogramm
17 bis 19 Uhr: Im Schulhof der Friedrich-Silcher-Schule gibt es Snacks, Getränke und ein Gauklerprogramm. 19 bis 20.30 Uhr: Vortrag „950 Jahre Malmsheim – Meilensteine der Ortsgeschichte“.