Ein Zellengang in der Stuttgarter JVA Stammheim. Foto: dpa

Häftlinge aus 95 Nationen sitzen in den 17 Haftanstalten des Landes ihre Strafen ab. Zur Verständigung hilft da manchmal nur der Video-Dolmetscher.

Stuttgart - Der Ausländeranteil in Baden-Württembergs Gefängnissen ist erstmals seit Jahren leicht gesunken. Wie das Justizministerium in Stuttgart auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte, haben derzeit 47 Prozent aller Häftlinge einen ausländischen Pass - vergangenes Jahr waren es noch 48,5 Prozent.

Rumänen auf Rang zwei

Gleichwohl ist der Ausländeranteil im Knast immer noch deutlich höher als in der baden-württembergischen Bevölkerung, wo er rund 16 Prozent beträgt. Ein Grund dafür ist, dass viele ausländische Häftlinge gar nicht im Land wohnen, sondern einzig zu dem Zweck eingereist sind, eine Straftat zu begehen. Ein Beispiel dafür sind kriminelle Banden aus Osteuropa. So sind Rumänen in den 17 Haftanstalten im Südwesten die zweitgrößte Gruppe – hinter den Türken.

Deutlich mehr Syrer

Ein weiterer Grund ist laut Experten die Grenzöffnung des Jahres 2015, durch die viele junge Männer nach Deutschland kamen. Erfahrungsgemäß verüben junge Männer im Vergleich zu anderen Gruppen besonders viele Straftaten, was sich auch in der Statistik niederschlägt: Gambier sind die drittstärkste Gruppe unter den Häftlingen im Land, gefolgt von Italienern und Syrern. Während die Zahl der Italiener zuletzt konstant blieb, hat sich die Zahl der inhaftierten syrischen Flüchtlinge in den vergangenen drei Jahren fast verfünffacht – von 41 auf nunmehr 199. Vergangenes Jahr waren Syrer erstmals unter die häufigsten zehn Nationalitäten gerutscht mit Platz neun, mittlerweile liegen sie sogar auf Platz fünf.

Video-Dolmetscher im Einsatz

Laut der Erhebung, für die jedes Jahr die Zahlen von Ende März genommen werden, hat sich die Gesamtzahl der Gefangenen im Südwesten auf rund 7500 erhöht. Dem hohen Ausländeranteil begegnet man seit rund einem Jahr mit Videodolmetschern, die pro Monat inzwischen rund 70 mal zum Einsatz kommen. Justizminister Guido Wolf (CDU): „Damit haben wir eine starke Antwort auf die gestiegenen Sprachbarrieren gefunden.“

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