Diverse historische Figuren machen dem Moderator des Abends, Bernd Kohlhepp (Mitte), ihre Bedeutung klar. Foto:  

Mit einem Sommerempfang in der Schwabenlandhalle und der anschließenden Kulturnacht rund um das Rathaus nimmt das Stadtjubiläum in Fellbach seinen offiziellen Auftakt.

Fellbach -

900 Jahre haben Fellbacherinnen und Fellbacher hier, an diesem wunderbaren Ort unterhalb des Kappelbergs gewohnt, gearbeitet und gelebt. Sie haben diesen Ort zu dem gemacht, was er heute ist – eine Heimat! Jeder, der hier lebte oder lebt, hat eine eigene Geschichte und eigene Erinnerungen. Das Stadtjubiläum ist eine Möglichkeit, sich diesen einzelnen Geschichten zu nähern. Es bietet zudem die Möglichkeit, darzustellen, was Fellbach für uns alle so besonders macht.“ Mit diesen Worten eröffnete die Fellbacher Oberbürgermeisterin Gabriele Zull am Samstag in der Schwabendlandhalle die Feierlichkeiten zum 900-Jahr-Jubiläum von Fellbach. Dafür hatte das Team des städtischen Kulturamts mit seiner Leiterin Maja Heidenreich ein Programm zusammengestellt, das keinen Platz vorsah für eine langweilige Aufzählung von Fakten aus Geschichtsbüchern.

Bernd Kohlhepp führt durch den Abend

Mehr als zwei Jahre lang haben viele Fellbacher recherchiert – und so an der Einordnung des Jubiläums mitgewirkt. Indem mit dem Tübinger Kabarettisten Bernd Kohlhepp ein Nicht-Fellbacher auserkoren wurde, durch den Abend zu führen, war eine unbeschwerte Neugier auf das Jubiläum garantiert. Er plauderte mit Maja Heidenreich, die sich als äußerst schlagfertig erwies, über das einst „größte und schönste Dorf“ in Württemberg, das „1933 zur Stadt erhoben wurde“, ohne näher auf die Jahreszahl 1121 einzugehen. Liutgard von Calw spielte damals eine wichtige Rolle, war am Samstag aber unpässlich – der Corona-Schnelltest stand ihr im Weg, allerdings nicht den anderen Weggefährten wie etwa Wilhelm Amandus Auberlen, Eduard Mörike oder Hansel Mieth, die als historische Figuren auf die Bühne kamen und Bernd Kohlhepp ihre Bedeutung für Fellbach erklärten. Das war unterhaltsam, informativ und unbeschwert.

Das Thema Wein wird angejazzt

Mit der swingenden „Lany and the Rhythm Gang“ wurde das Thema Wein global besungen, angejazzt und auch auf das Fellbach-Lied mit einem singenden Bernd Kohlhepp übertragen. Das hatte Pepp und Ironie. Wie auch das Grußwort von Ursula Teutrine, der Leiterin des Fellbacher Stadtmuseums. Auch sie schaut als Nicht-Fellbacherin auf die lange Geschichte von Fellbach und entdeckt dabei viele liebenswerten Facetten. Nicht nur beim allgegenwärtigen Thema Wein. Selbiger steht beim Feiern in Fellbach eigentlich fast immer im Mittelpunk. Und er hat auch am Samstagabend nicht gefehlt, im Weingut Heid etwa zum Gesang von Rino de Masi, einem Fellbacher Sänger mit italienischen Wurzeln.

Denn es gab nicht nur den Empfang, sondern auch eine Kulturnacht mit einem vielfältigen Programm an verschiedenen Orten im Carrée. Aus den Fenstern des Stadtmuseums und vom Turm der Lutherkirche aus ließ der Posaunenchor des CVJM Melodien erklingen, die die Welt umspannen. Im Innenhof des Kulturamts sang Elena Seeger nicht nur von schwäbischen Eigenheiten. In der Stadtbücherei wurden Texte gelesen, die von der Ferne und dem Heimkommen handeln. Das Trio „Canto Italiano“aus Kalabrien trat im Schaugarten auf dem Kirchplatz auf. Laney and the Snapp Rhythm Gang waren aus der Schwabenlandhalle in den Rathausinnenhof gekommen und sorgte auch dort für eine warme, beschwingte, internationale Stimmung – zu späterer Stunde unterstützt von der farblich variierenden Fassade der Lutherkirche und dem auf die Rathauswand projetzierten 900 Jahre-Emblem.

Besucherzahl mit Glitzerherzen gezählt

So jung kann ein Jubiläum gefeiert werden, und so unkompliziert. Auch in Coronazeiten. In der Musikschule, wo sich über Stunden hinweg die Schülerinnen und Schüler im Saal bei Live-Auftritten ablösten, wurden die Personalien der Besucher registriert, beim Weingut Heid die Zahl der Besucher mit kleinen, abgezählten Glitzerherzen, die am Eingang ausgegeben wurden, kontrolliert. Bei Bücher Lack fanden in Jubiläums-Stofftaschen gepackte Bücherpakete nahezu kontaktlos, unter freiem Himmel ihre Abnehmer. In weniger als zwei Stunden waren sie für jeweils zehn Euro verkauft. „Die 850 Euro gehen an den Evangelischen Verein“, kündigte Gudrun Lack an – sichtlich erfreut über den Erfolg der Aktion. Er steht für die Unaufgeregtheit der gesamten Veranstaltung, die keine Menschenmassen gebraucht hat, um gelungen zu sein und sich durch verantwortungsvolle Organisatoren und Feiernde einen Eintrag in den Geschichtsbüchern gesichert hat.

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