Seite 290 Jahre Salem Salem steht bei Chinesen und Russen hoch im Kurs

Von Maria Wetzel 

Ex-BMW-Chef Eberhard von Kuenheim, die Grande Dame der FDP, Hildegard Hamm-Brücher, Schauspieler Walter Sittler, Schriftsteller Christian Kracht und Reggae-Musiker Patrice besuchten ebenfalls die Schule. Rund 3900 Mitglieder gehören dem Ehemaligen-Club an. Seitdem die Schüler statt des Abiturs auch einen internationalen Abschluss machen können, ist der Anteil der ausländischen Schüler auf ein Viertel gestiegen. Vor allem bei Chinesen, Koreanern, Spaniern und Russen steht die Schule hoch im Kurs.

 

Kurt Hahn, der aus einer jüdischen Familie in Berlin stammte, konnte am Bodensee zwar die Grundlagen für die Reformpädagogik schaffen, doch langes Wirken war ihm dort nicht vergönnt. 1933 nahmen ihn die Nazis fünf Tage in Schutzhaft, danach floh er zunächst nach Berlin, später nach England. Im schottischen Gordounston gründete er eine neue Schule. Auch jüdische Schüler mussten Salem teilweise verlassen. 1941 übernahm die SS die Leitung und Aufsicht der Schule. Im Juli 1945 wurde sie geschlossen, im November wiedereröffnet.

In den 80er Jahren wurde die Schule vom Haus Baden unabhängig. "Ich habe mitgeholfen, die Schule aus dem markgräflichen Haus zu befreien. Der damalige Markgraf wollte die Schule nach pädagogischen Prinzipien des 18. Jahrhunderts führen und Schüler und Lehrer über Angst regieren. Das war indiskutabel", sagt Bueb, der eine weitere Neuerung initiierte. Auch Kinder aus Familien, die das Schulgeld nicht bezahlen konnten, sollten aufgenommen werden. "Kinder werden zu 50 Prozent von Gleichaltrigen geprägt. Deshalb ist die Zusammensetzung sehr wichtig", so Bueb. "Durch eine offensive Stipendienpolitik wollten wir Schüler gewinnen, die durch ihre Begabung und durch das, was sie daraus machten, wie ein Hefeteig wirkten. Dadurch haben wir eine neue Atmosphäre geschaffen."

Die sozialen Unterschiede sollen im Schulalltag möglichst keine Rolle spielen. Deshalb dürfen Schüler keine Autos mitbringen. In der Unter- und Mittelstufe tragen die Kinder und Jugendlichen einheitliche Kleidung - dunkle Jeans, Hemd und einen Pullover mit Salem-Emblem. Auch bei den Handys gibt es Einschränkungen - nicht alle Eltern haben dafür Verständnis.

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