Auch die Freie Evangelische Schule profitiert von den höheren Zuschüssen. Foto: Kratz

Die 80-Prozent-Förderung kommt, heißt es in einer Pressemitteilung der Grünen im baden-württembergischen Landtag. Die Freude darüber ist bei der Michael-Bauer-Schule und der Freien Evangelischen Schule groß. Aber es gibt auch eine gewisse Skepsis.

Vaihingen/Möhringen - Die gute Nachricht zuerst: Die Freien Schulen in Baden-Württemberg sollen in den kommenden Jahren mehr Geld bekommen. „Der neue Doppelhaushalt enthält ein klares Bekenntnis zur besseren Mittelausstattung für diese Bildungseinrichtungen. Das sogenannte Bruttokostenmodell sieht vor, dass die Freien Schulen zur Sicherung ihres Lehrauftrags 80 Prozent der Kosten einer staatlichen Schule erhalten“, heißt es in einer Pressemitteilung der Grünen im Landtag. Die Zuschüsse sollen stufenweise bis 2015 angehoben werden. Hierzu soll es einen Vertrag mit den Freien Schulen geben.

Für die beiden Freien Schulen auf den Fildern ist das freilich eine gute Nachricht: „Wir hatten das Thema 80-Prozent-Förderung schon seit Jahren auf der Tagesordnung. Nun sind wir dankbar dafür, dass sie endlich kommt“, sagt Kornelius Burkhardt, der Verwaltungsleiter der Freien Evangelischen Schule (FES) auf den Hengstäckern in Möhringen.

Wie die meisten privaten Schulen habe auch die FES ständig mit den knappen Mitteln zu kämpfen. „Unsere finanziellen Spielräume sind seit jeher eng“, sagt Burkhardt. Für so wichtige Dinge wie Schulsozialarbeiter oder Lernbegleiter gebe es kein extra Geld. „An den staatlichen Schulen haben diese Funktionsträger längst Einzug erhalten. Wir müssen selbst dafür sorgen und diese Personen auch selbst bezahlen“, nennt Burkhardt zwei Beispiele. An der FES seien beispielsweise extra Lehrer als Schulsozialarbeiter beziehungsweise Lernbegleiter ausgebildet und für den Job freigestellt worden.

Trotz der vollmundigen Ankündigung der Grünen im Landtag bricht Burkhardt aber längst nicht in Jubel aus und gibt sich noch ein wenig vorsichtig. „Wir hoffen, dass von dieser Förderung nichts an ander Stelle wieder weggenommen wird“, sagt der auch für die Pressearbeit Verantwortliche an der FES und ergänzt: „Wir sind in Habachtstellung und wollen erst einmal schauen, was unter dem Strich für uns rauskommt.“

Die finanzielle Lage ist angespannt

Die finanzielle Lage der FES sei auch deshalb so angespannt, weil sich die Schulen auch über die Elternbeiträge finanziert. „Jetzt kommen die geburtenschwachen Jahrgänge. Das merken wir bei den Anmeldzahlen“, sagt Burkhardt. Als freie Schule müsse man viel investieren, um attraktiv zu bleiben. „Attraktivität kostet Geld. Wir wollen die Elternbeiträge aber nicht weiter anheben“, sagt Burkhardt. Schließlich wolle man für alle offen und keine Schule für Bessergestellte sein. „Alles andere würde unserem christlichen Grundverständnis widersprechen.“

Auch an der Michael-Bauer-Schule ist man, was die neue 80-Prozent-Förderung betrifft, etwas zwiegespalten. „Wir begrüßen die Aufstockung der Fördermittel grundsätzlich sehr“, sagt der Geschäftsführer Reinhard Vieser. Allerdings sei man im Detail auf eine gewisse Differenz gestoßen. Denn sowohl das Land als auch die Freien Schulen haben gerechnet, wie viel eine 80-Prozent-Förderung der Privatschulen kostet. Und die vom Land ermittelte Summe liegt um mehrere Millionen Euro über der, welche von den Freien Schulen ermittelt wurde.

Der Grund für die Differenz: Das Land hat die Zuschüsse für die Altersvorsorge verbeamteter Lehrer an Privatschulen eingerechnet. „An der Waldorfschule haben wir aber kaum Beamte“, sagt Vieser. Im Umkehrschluss bedeute das, dass die Zuschüsse für Waldorfschulen im Vergleich zu anderen Freien Schulen erhöht werden. „Das führt am runden Tisch aller Privatschulen zu Fragestellungen. Das Gleichgewicht ist gestört“, sagt Vieser und ergänzt: „Wir wollen keine Sonderrolle in der Sonderrolle, die wir als Waldorfschule sowieso schon haben.“

Grundsätzlich könne man das dank der 80-Prozent-Förderung zusätzlich zur Verfügung stehende Geld aber gut gebrauchen. Man habe damit wieder einen gewissen Spielraum, um die Lehrergehälter nach oben anzupassen und die Elternbeiträge zumindest konstant zu halten.